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HSG-Spesenaffäre: Staranwalt Peter Nobel kritisiert Uni und Kanton

Seit Monaten schwelt an der HSG eine Spesenaffäre. Jetzt schaltet sich der Anwalt des brasilianisch-schweizerischen Multimilliardärs Jorge Lemann ein. Dessen Stiftung sponsert den Lehrstuhl des Rechtsprofessors, der sich mutmasslich bereichert hat.
Odilia Hiller, Regula Weik
Der Zürcher Rechtsanwalt arbeitet seit Jahrzehnten für den schweizerisch-brasilianischen Multimilliardär und Investor Jorge Lemann. Die Lemann-Stiftung, die Bildungsinitiativen für Brasilien fördert, ist in seiner Kanzlei domiziliert. (Bild: Michel Canonica (Zürich, 31. Mai 2017))

Der Zürcher Rechtsanwalt arbeitet seit Jahrzehnten für den schweizerisch-brasilianischen Multimilliardär und Investor Jorge Lemann. Die Lemann-Stiftung, die Bildungsinitiativen für Brasilien fördert, ist in seiner Kanzlei domiziliert. (Bild: Michel Canonica (Zürich, 31. Mai 2017))

«Solches Krisenmanagement kann nur zur Reputationskrise führen», sagt Anwalt Peter Nobel an die Adresse von Universität und Kanton. Zur Erinnerung: Die Lemann-Stiftung finanziert den HSG-Lehrstuhl für Internationales Wirtschaftsrecht und Law & Economics, der wegen mutmasslich überhöhter Spesenbezüge des Lehrstuhlinhabers in die Schlagzeilen geraten ist. Das Vorgehen von Universitätsrat und Kanton irritiert den Rechtsvertreter des brasilianisch-schweizerischen Investors Jorge Lemann. Aus Sicht des Anwalts ist nicht nachvollziehbar, dass «wir für einen Spesenbetrag von mutmasslich 100000 Franken seit bald einem Jahr nun in der sechsten Untersuchung stehen und noch immer fern jeder Klarheit sind».

Mit den sechs Untersuchungen meint der Anwalt eine interne Untersuchung am betroffenen Institut, eine abgeschlossene, aber unter Verschluss gehaltene Administrativuntersuchung, drei laufende Disziplinarverfahren gegen Mitarbeitende der Universität sowie die aktuelle Strafuntersuchung gegen den Professor durch die Justizbehörden.

Erstmals Einblick in
Sponsoringvertrag gewährt

Auf Ersuchen dieser Zeitung gewährt die HSG erstmals Einblick in den Sponsoringvertrag aus dem Jahr 2013 zwischen Universität St.Gallen und Lemann-Stiftung. Zur Einrichtung des Lehrstuhls mit Forschungsschwerpunkt Brasilien vereinbarten Stiftung und Universität Zahlungen von 610'000 Franken jährlich für eine Dauer von 24 Jahren. Dies entspricht vier Amtszeiten eines ordentlichen Professors. Die Lemann-Stiftung garantiert dabei während 16 Jahren Zahlungen in der Höhe von jährlich 400'000 Franken. Die HSG übernimmt die übrigen Kosten.

Die Lemann-Stiftung mit Sitz in Peter Nobels Zürcher Anwaltskanzlei wurde 2001 gegründet. Sie unterstützt weltweit Bildungsinstitutionen und Projekte, die dem Schwellenland Brasilien und seiner Bildungslandschaft zugute kommen.

Der schweizerisch-brasilianische Milliardär und Investor Jorge Paulo Lemann mit seiner Frau Susanna Mally Lemann, die im Stiftungsrat der Lemann-Stiftung sitzt. Die Familie wohnt in Rapperswil-Jona (SG). (Bild: Keystone)

Der schweizerisch-brasilianische Milliardär und Investor Jorge Paulo Lemann mit seiner Frau Susanna Mally Lemann, die im Stiftungsrat der Lemann-Stiftung sitzt. Die Familie wohnt in Rapperswil-Jona (SG). (Bild: Keystone)

Jorge Lemann, dessen Vermögen die «Bilanz» auf 21 bis 22 Milliarden Franken schätzt, wurde schon bei seiner Niederlassung im st.gallischen Jona vor 15 Jahren von höchster Stelle umworben – auch wegen allfälliger Zuwendungen an St.Galler Bildungsinstitutionen. Für den mutmasslich potentesten Steuerzahler des Kantons fand ein Treffen statt, an dem unter anderem der damalige CVP-Regierungsrat Peter Schönenberger sowie der damalige Gemeindepräsident von Jona und heutige Regierungsrat Benedikt Würth (CVP) anwesend waren.

Viele Wege führen zu Anwalt Peter Nobel

An den aktuellen Untersuchungen über die Vorgänge an der HSG wegen mutmasslich überhöhter Spesenbezüge des Rechtsprofessors Peter Sester sei er «in keiner Weise beteiligt», betont Anwalt Peter Nobel. Sein Name taucht im Umfeld des betroffenen Lehrstuhls dennoch auffällig oft auf. Verständlich, dass der Anwalt und einflussreiche Netzwerker auf eine schnelle ­Erledigung der Affäre pocht.

Die gemeinnützige, nach ihrem Stifter benannte Lemann Foundation hat ihren Sitz seit der Gründung im Jahr 2001 in der Zürcher Kanzlei des Anwalts. Den Sponsoringvertrag des Lehrstuhls für Internationales Wirtschaftsrecht und Law and Economics unterschrieben seitens der Stiftung im Jahr 2013 der Nobel-Anwalt und Stiftungssekretär Christoph Peter sowie Geschäftsführer Denis Mizne.

Konferenzen in St.Gallen und Sao Paulo

Die Law and Economics Foundation mit Sitz in St.Gallen wiederum, deren Stiftungsratspräsident Peter Nobel ist, hatte sich schon seit der Gründung im Jahr 2004 immer wieder mit Forschungsprojekten im Zusammenhang mit Rechts- und Finanzfragen zum Schwellenland Brasilien beschäftigt. Jorge Lemann ist auch Stiftungsrat der Law and Economics Foundation.

Diese führte ab 2005 regelmässig von der Lemann Foundation gesponserte Konferenzen durch, an denen ab 2009 auch der deutsche Rechtsprofessor Peter Sester teilnahm. Dieser lehrte damals noch an der Universität Frankfurt. Im Jahr 2009 wurde die «Law & Economics»-Konferenz der St.Galler Stiftung erstmals in São Paulo durchgeführt.

Gemäss Peter Nobel entschloss sich Jorge Lemann im Jahr 2013, über die ­Lemann-Stiftung einen Lehrstuhl an der HSG zu finanzieren, was zum Vertrag vom 4. April 2013 mit der HSG führte. Nobel sagt:

«Peter Sester hat sich neben anderen auf die Ausschreibung des neuen Lehrstuhls beworben und wurde von der Universität St.Gallen ausgewählt, so dass er den Lehrstuhl per Februar 2014 übernehmen konnte.»

Unklar bleibt im Moment, ob und wie stark Nobel im Hintergrund in die Berufung Sesters von Deutschland nach St.Gallen involviert war. Auch die Frage, inwieweit er oder die involvierten Stiftungen danach allenfalls – direkt oder indirekt – auf die inhaltliche Ausrichtung des Lehrstuhls Einfluss nahmen, ist nicht eindeutig zu beantworten.

Lehrstuhlinhaber spezialisiert sich auf grosse Familienvermögen

Spätestens nach der Übernahme des von der Lemann-Stiftung geförderten Lehrstuhls spezialisierte sich Brasilienexperte Sester jedenfalls auch auf «Family Offices». So nennen sich Gesellschaften, deren Zweck die Verwaltung sehr grosser privater Familienvermögen ist. Im Klappentext zu Peter Sesters Grundlagenwerk «Family Offices» von 2017 heisst es:

«Die Errichtung von [...] Family Offices liegt im Trend. Sehr wohlhabende Familien ­vertrauen ihre Vermögenswerte zunehmend nicht mehr direkt Banken an, sondern setzen ihre eigenen Organisationsstrukturen auf.»

Die Nähe der persönlichen Interessen der Sponsoren zum Forschungsobjekt des unterstützten Lehrstuhls wird spätestens hier augenfällig. Die HSG nennt dies in der Regel Praxisbezug und ist stolz darauf.

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