Kommentar

HSG-Spesenaffäre: Der Jetset-Professor zieht den Kopf aus der Schlinge – ein schaler Nachgeschmack bleibt

Der Weg an eine renommierte Schweizer Universität hätte für den deutschen Rechtsprofessor Peter Sester beinahe zum Karriereende geführt. Nun endet das Strafverfahren gegen ihn, der sich längst nach Brasilien verabschiedet hat, mit einem aussergerichtlichen Vergleich. Warum dieser ihn und die HSG teuer zu stehen kommt.

Odilia Hiller
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Bild: Michel Canonica

80'000 Franken gehen am Ende einer unseligen Geschichte über den Tisch: vom Professor, der höher flog, als es das Spesenreglement der Universität St.Gallen verkraftete, an seine ehemalige Arbeitgeberin. Als Rückzahlung für Übernachtungen in Luxushotels, Flugreisen in der Business- oder First-Class und Diners in Spitzenrestaurants, die er sich über die Jahre regelmässig auf Kosten der Uni geleistet hatte.

Der Universitätsrat als verantwortliches Gremium hatte seit Bekanntwerden der missbräuchlichen Bezüge deutlich gemacht, dass er solches nicht duldet. Der Professor musste sein Büro räumen und wurde strafrechtlich verzeigt.

Die Öffentlichkeit reibt sich die Augen

Kein Zweifel: Seine Arbeitgeberin war nicht gewillt, über Sinn, Zweck und Höhe der Lifestyle-Ausgaben des schillernden Jetsetters zu diskutieren. Das war sie sich und der Öffentlichkeit schuldig. Dort rieb man sich ob dieser weiteren Inkarnation des HSG-Klischees ungläubig die Augen.

Warum die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Willen der HSG einstellen wollte, ist heute noch nicht zu erfahren. Die Tatsache, dass sich der Brasilienspezialist und Professor für internationales Wirtschaftsrecht nun bereiterklärt hat, von 100'000 bis 120'000 Franken Schadenssumme deren 80'000 zurückzubezahlen, kann zweierlei bedeuten: Seine Anwälte und er waren sich doch nicht ganz so sicher, ob ein via Rechtsmittel nachträglich erwirktes Strafverfahren für ihn glücklich verlaufen wäre.

Und: Die Rettung seiner Karriere war ihm den Betrag allemal wert. So fliegt Peter Sester weiterhin als unbescholtener Bürger durch die Welt.

Was ist eine standesgemässe Spesenregelung?

Nun kommt ein rund zweieinhalbjähriges juristisches Hickhack zum Ende. Im Kern drehte es sich um diese Fragen:

  • Was ist eine standesgemässe Spesenregelung für einen HSG-Professor?
  • Wie lässt sich ein solches Regelwerk an einer öffentlichen Institution, die sich auch über private Mittel finanziert, verbindlich und nachvollziehbar regeln – und kontrollieren?
  • Sind 120'000 Franken Übermarchen in fast fünf Jahren viel oder wenig?

Ein Erneuerungsprozess und ein Schaden

Der Erneuerungsprozess, den die Verstösse an der Uni ausgelöst haben, ist zwar nicht das Verdienst des Professors, und er darf sich darauf auch nichts einbilden. Dass die Institution HSG sich und ihre Abläufe grundlegend hinterfragen musste, gehört zu den wenigen positiven Seiten dieser Geschichte.

Weit schwerer wiegt jedoch der Reputationsschaden der Universität. Da helfen auch 80'000 Franken aus Sesters Bordkasse nichts. Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack.