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HSG-Rektor nach Rüge der Finma in Erklärungsnot

Die Jungfraubahn ist von der Finanzmarktaufsicht wegen unzulässiger Aktienverkäufe gerügt worden. Der St. Galler Unirektor Thomas Bieger ist als Verwaltungsratspräsident in Erklärungsnot – erst recht aufgrund jüngster HSG-Affären.
Marcel Elsener, Andri Rostetter
Als Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding in Erklärungsnot: HSG-Rektor Thomas Bieger. (Bild: Urs Bucher)

Als Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding in Erklärungsnot: HSG-Rektor Thomas Bieger. (Bild: Urs Bucher)

Nicht schon wieder: Im Moment, da die Universität St.Gallen (HSG) nach etlichen Negativschlagzeilen aufgrund fragwürdiger Professoren vorläufig zur Ruhe zu kommen schien, ist nun ihr Rektor Thomas Bieger mit einem privatwirtschaftlichen Mandat ins Zwielicht geraten. Als Verwaltungsratspräsident der börsenkotierten Jungfraubahn Holding AG gehört er zu den Adressaten einer Rüge der Finanzmarktaufsicht (Finma), die laut eines Berichts des «Tages-Anzeigers» unzulässige Manipulationen des Aktienkurses betrifft. Laut einer Mitteilung der Finma handelt es sich um einen Verstoss gegen das aufsichtsrechtliche Verbot der Marktmanipulation und betrifft die Jahre 2014 bis 2016; der Fall sei abgeschlossen. Das Unternehmen soll jeweils zum Ende des Handelsjahres Börsenaufträge für Verkäufe von Aktien aus dem Eigenbestand erteilt haben. Mit dem bezweckten tieferen Wert der Titel habe man ausländische Investoren fernhalten und die Unabhängigkeit sichern wollen, begründete die Holding die Manipulationen.

HSG-Rektor Thomas Bieger, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Spezialgebiet Tourismuswirtschaft, ist seit 2006 Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding. Auf unsere Fragen, wer die Marktmanipulationen ausgelöst und ob er die Vorgänge gekannt und abgesegnet habe, nahm Bieger keine Stellung und verwies auf die Mitteilungen der Finma und der Jungfraubahn. Ebenso liess er Fragen nach dem zeitlichen Aufwand seines Mandats und nach seinem Honorar unbeantwortet.

Organfunktionen als Rektor «immer schwieriger»

Als Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn besitzt Bieger gemäss Stand 2016 Aktien im Wert von einer Million Franken. Nun sieht er sich auch mit dem Vorwurf der persönlichen Bereicherung konfrontiert: Dank der Manipulationen hätten die Aktionäre Vermögenssteuern gespart. Tatsächlich waren als Resultat des gerügten Marktverhaltens die Jahresendkurse jeweils tiefer, was über die Bewertung der Aktien eine Wirkung auf die Vermögenssteuer habe, räumt er ein. «Diese Wirkung ist jedoch minim und macht rund 0,5 Prozent der Vermögensreduktion aus. Bei einem Aktienbestand im Wert von einer Million würde ein um vier Prozent tieferer Wert also zu Einsparungen von unter 200 Franken führen.»

Weil sein Verwaltungsratspräsidium nun «in Verbindung mit meinem Amt als Rektor der Universität St.Gallen» im Vordergrund stehe, betont Thomas Bieger: «Ethisches und gesellschaftlich verantwortliches Verhalten sind für mich sowohl als Person als auch in meiner Rolle als Rektor und Verwaltungsratspräsident zentrale Werte.» Und er verweist in der spürbar ungemütlichen Lage auf seine Äusserungen vom vergangenen Freitag, wonach im Moment die Regelungen zum Nebenerwerb an der HSG überprüft werden.

Was seine eigenen Mandate angeht, macht Bieger keine Angaben zu zeitlichen Verpflichtungen und finanziellen Zustüpfen. Jedoch sagt er zur eigenen Rolle: «Für mich ist klar, dass Organfunktionen immer schwieriger mit der zunehmenden Exposition eines Rektors zu vereinbaren sind.» Im Hinblick auf seine Nachfolge – Bieger tritt Anfang 2020 als Rektor zurück – stelle sich demnach die Frage, «ob ein zukünftiger Rektor oder eine Rektorin noch Organfunktionen wahrnehmen soll und kann». Das Jungfraubahn-Mandat sei eines der Mandate, das er nach seiner Berufung zum Rektor 2011 behalten konnte, stellt Bieger klar. Es sei ihm im Rahmen der «Richtlinien für Nebenaktivitäten und den Nebenerwerb von Dozierenden an der HSG» bewilligt worden. Auf weitere Nebenbeschäftigungen wie das zweite entgeltliche Mandat als Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (seit 2013) geht er nicht ein.

Bildungsdirektor Kölliker schweigt

Vor seiner Wahl zum Rektor der Universität St.Gallen war Bieger geschäftsführender Direktor des HSG-Instituts für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus. Dem Spezialgebiet entsprechend betreffen Biegers aktuelle Mandate – aufgelistet auf der HSG-Website Alexandria – hauptsächlich Mitgliedschaften in universitären Organisationen im Bereich Tourismus. Als Präsident wirkt er noch im SBB-Forschungsfonds (unentgeltlich). In der Vergangenheit hatte der HSG-Rektor unter anderem Mandate bei der Swiss Luftfahrtstiftung und den Bergbahnen Disentis (beides bis 2015). Regierungspräsident Stefan Kölliker leitet den Universitätsrat und ist damit oberster Chef von Bieger. Zu den jüngsten Berichten über den Rektor äussert sich Kölliker derzeit nicht. Dass sich der Bildungschef mit der Angelegenheit befassen wird, ist aber so gut wie sicher. Erschwerend dürfte hier allerdings hinzukommen, dass weder Kölliker noch sonst jemand aus dem Bildungsdepartement Einblick in die Finma-Untersuchung erhält. Damit bleibt auch für Biegers Chef die Beurteilung des Falls schwierig.

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