HSG-Institut hat Schulden von 1,1 Millionen Franken

Der Bericht der kantonalen Finanzkontrolle wirft nicht nur ein Schlaglicht auf das Spesengebaren an der Universität St.Gallen. Die Untersuchung zeigt auch: Einem Lehrgang fehlen 1,1 Millionen Franken.

Andri Rostetter
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Hauptgebäude der Universität St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hauptgebäude der Universität St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)


Die Universität St. Gallen verdient viel Geld mit Weiterbildungen. Der Nachdiplomstudiengang «Executive Master of European and International Business Law» kostet pro Teilnehmer 38000 Franken. Angeboten wird der Studiengang seit 1996 vom emeritierten Rechtsprofessor Carl Baudenbacher. Trotz dieser hohen Gebühren ist der Studiengang massiv überschuldet.

Laut dem vertraulichen Bericht der kantonalen Finanzkontrolle fehlten Ende 2017 1,1 Millionen Franken. Die Finanzkontrolle sieht «höchste Handlungspriorität» in Bezug auf den Studiengang. «Die Finanzierung der laufenden Geschäftstätigkeit muss von der Universität St. Gallen sichergestellt werden», heisst es im Bericht. Doch dafür ist es bereits zu spät: Die Universität will den Studiengang Ende Jahr einstellen.

Harsche Kritik an Unileitung

Baudenbacher geht im «Rundschau»-Bericht mit der Unileitung hart ins Gericht. Die Schliessung des Studienganges sei ein «Beitrag zum Abstieg der Uni­versität in die Provinzialität». Es wären genug Mittel vorhanden gewesen, um den Studiengang zu retten. Zudem sei er vor dem Entscheid nicht einmal angehört worden. «Man hätte die Qualität des Studiums in die Waagschale werfen sollen. Und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und sagen, alle müssen selbsttragend sein und fertig.»

International angesehener Experte für Europarecht

Bieger verteidigte sich im «Rundschau»-Beitrag gegen die Vorwürfe. Die HSG habe in den vergangenen Jahren mehrere Ver­suche unternommen, um den Lehrgang zu retten. «Irgendwann mussten wir entscheiden, dass wir das Programm auslaufen lassen.»

Für die Universität St. Gallen ist das Ende des Lehrgangs ein herber Verlust. Baudenbacher zählt zu den bekanntesten Figuren auf dem Rosenberg. Er hat über 40 Bücher geschrieben und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich. Von 2003 bis 2018 war er Präsident des Efta-Gerichtshofs. Zuvor beriet er die Regierung des Fürstentums Liechtenstein in Fragen des Europarechts.

Die «Rundschau» zum Thema heute Abend auf SRF 1, 20.05 Uhr.

HSG-Spesenaffäre: Strafklage wegen Amtsgeheimnisverletzung

Die Finanzkontrolle des Kantons St.Gallen hat bei der Staatsanwaltschaft Strafklage gegen Unbekannt wegen Amtsgeheimnisverletzung eingereicht. Hintergrund: Der Revisionsbericht der Finanzkontrolle zur Spesenaffäre an der HSG, aus dem unsere Zeitung berichtet hatte.
Adrian Vögele