HSG bietet japanischen Unis Hilfe an

Die Universität St. Gallen verfügt über Austauschprogramme mit Japan. Schweizer Dozenten müssen derzeit ihre Verpflichtungen in Tokio absagen. Sie sorgen sich um ihre japanischen Kollegen. Die Hochschulen sind geschlossen.

Inge Staub
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st. gallen. «Die nukleare Katastrophe macht uns grosse Sorgen», sagt Claude Siegenthaler. Der Lehrbeauftragte an HSG und ETH hatte vor, kommenden Montag nach Tokio zu fliegen, um dort über zwei Wochen ein Studienprogramm für Studenten aus 30 Ländern durchzuführen. Das Programm wurde gestern abgesagt. Aus Pietätsgründen und auch, um die defekte Infrastruktur nicht noch zusätzlich zu belasten. Hinzu kommt, dass Japans Universitäten geschlossen sind, da der Strom rationiert wird.

Mental sei er bei seinen Kollegen und Freunden in Japan, sagt der Professor, der vorerst in der Schweiz bleibt. Ob er seinen Verpflichtungen für das Frühjahrssemester, das am 10. April startet, nachkommen kann, ist noch offen. Siegenthaler, Experte für Nachhaltigkeit, hat einen Lehrauftrag an der Universität Hosei und verbringt 16 Wochen im Jahr in Tokio.

Die Universität St. Gallen pflegt neben Hosei Partnerschaften mit drei weiteren japanischen Universitäten und zwei Schulen. Erst letzte Woche besuchte eine japanische Delegation die HSG. Sie reiste ab, als die Erde in Japan bebte. Uni-Rektor Thomas Bieger übermittelte den zwölf Teilnehmern umgehend sein Mitgefühl und bot Hilfe an.

Der HSG sind internationale Partnerschaften wichtig. Sie möchte damit die kulturelle Vielfalt stärken. Die Austauschplätze in Japan sind begehrt. Die japanischen Studenten sind, wie Siegenthaler sagt, eher zurückhaltend. Sie ziehen Deutschland oder ein englischsprachiges Land vor. Im Herbst kommen dennoch 25 japanische Studenten an die HSG.

Claude Siegenthaler, der seit elf Jahren in Japan arbeitet, findet das Land faszinierend, vor allem wie «es sich modernisiert und gleichzeitig die alten Werte bewahrt». Er werde an der Uni sehr gut unterstützt und könne von guten Rahmenbedingungen profitieren, auch in der Forschung.