Hotellerie
Starker Nachfrageeinbruch, längere Aufenthalte: Das ist die Entwicklungen des St.Galler Tourismus im Coronajahr 2020

Die Ankunftszahlen im Kanton St.Gallen fielen im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent, Logiernächte um 29. Prozent. Vor allem städtische Destinationen erlitten einen Einbruch. Dafür wurden die Aufenthalte der Gäste länger.

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Vor allem in den städtischen Destinationen hinterliess Corona in der Hotellerie ihre Spuren.

Vor allem in den städtischen Destinationen hinterliess Corona in der Hotellerie ihre Spuren.

Bild: Lara Abderhalden

(pd) Die Corona-Pandemie hinterliess im Jahr 2020 Spuren in der Hotellerie. Im Kanton St.Gallen fielen die Ankunftszahlen im Vorjahresvergleich um 32 Prozent und die Logiernächte um 29 Prozent. Hingegen blieben die Gäste erstmals seit sechs Jahren wieder länger. Zu diesem Ergebnis kommt die Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen in ihrem «Jahresbericht 2020 zum Aufenthaltstourismus», wie es in einer Mitteilung heisst. Der Rückgang fiel im Kanton St.Gallen moderater aus als in der Gesamtschweiz: Im Schweizer Schnitt gingen die Ankünfte um 46 Prozent und die Logiernächte um 40 Prozent zurück.

Insgesamt sank die Anzahl der Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr von 480'000 auf 325'000, die Anzahl Logiernächte von 980'000 auf 700'000. Die vier Tourismusdestinationen im Kanton seien unterschiedlich stark vom Nachfrageeinbruch betroffen. Die Hotellerie in den beiden Feriendestinationen Toggenburg und Heidiland verzeichnete Rückgänge der Logiernächtezahlen gegenüber dem Vorjahr von 18 Prozent bzw. 19 Prozent. In der Stadt brach die Nachfrage deutlich stärker ein. In der Destination St.Gallen-Bodensee betrug der Rückgang der Logiernächte 34 Prozent, in der Destination Zürichsee über 45 Prozent.

Erholung in Sommermonaten dank einheimischer Gäste

Eine Analyse der Entwicklung im Jahresverlauf ergibt ein differenziertes Bild. Alle vier Tourismusdestinationen erlitten einen abrupten Nachfrageeinbruch in der Hotellerie ab März 2020, der sich über mehrere Monate hinzog. Wegen der Pandemie ging in dieser Zeit die Mobilität der Schweizer Bevölkerung sehr stark zurück und zahlreiche Länder erliessen Reisebeschränkungen.

Während der Sommermonate stiegen die Übernachtungszahlen in den Destinationen St.Gallen-Bodensee und Toggenburg aber wieder auf das Niveau früherer Jahre. Die Destinationen Heidiland und Zürichsee verzeichneten hingegen eine schwächere Erholung der Nachfrage, die auch in der zweiten Jahreshälfte kaum die Tiefstwerte der Vergangenheit erreichte. In der Destination Zürichsee wurden die früheren Tiefstwerte sogar markant unterschritten.

Die Nachfrageerholung in den Sommermonaten geht in allen Destinationen auf die zahlreichen einheimischen Gäste zurück. Sie reichte aber nicht aus, um die Ausfälle im Frühjahr und das fast ganzjährige Ausbleiben ausländischer Gäste zu kompensieren.

Die Aufenthaltsdauer hat sich verlängert

Bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer im vergangenen Jahr gab es einen klaren Bruch des langjährigen Trends. Die Aufenthaltsdauer der Hotelleriegäste nach einer langen Phase des Rückgangs stieg markant an. Am ausgeprägtesten war der Anstieg mit fast 0,3 Tagen im Toggenburg – zuletzt wurde dieses Niveau in Ende der 2000er-Jahre erreicht.

Zur Nachfrageentwicklung in der Parahotellerie, wie Ferienwohnungen, Kollektivunterkünfte, Camping und Jugendherbergen kann die Fachstelle für Statistik mangels Daten auf kantonaler Ebene keine Aussagen machen.

Auslastung konnte zum Teil wieder aufgeholt werden

Wegen des Nachfrageeinbruchs mussten zahlreiche Hotelbetriebe im Frühjahre ihre Türen vorübergehend schliessen. Im Heidiland und im Toggenburg standen deswegen von März bis Mai deutlich weniger Betten zur Verfügung, als es in der Nebensaison üblich ist. Auch in den städtischen Destinationen, die üblicherweise keine Betriebsferien kennen, lag der Prozentsatz der buchbaren Zimmer bis zur Jahresmitte weit unter dem Vorjahresniveau.

Ab der Jahresmitte normalisierte sich das Angebot wieder. Die Regionen Toggenburg und St.Gallen-Bodensee übertrafen sogar das Vorjahr. Die Auslastung der verfügbaren Betten erreichte im Toggenburg und im Heidiland nach dem Einbruch im Frühjahr ab Juli wieder das Vorjahresniveau, in manchen Monaten überflügelte dieses sogar. In den Destinationen St.Gallen-Bodensee und Zürichsee hingegen konnte die Bettenauslastung auch in der zweiten Jahreshälfte bei weitem nicht das gewohnte Niveau erreichen.