Hotellerie kämpft mit Einbussen

GAIS. In der Ostschweiz übernachteten 2014 weniger Gäste als im Vorjahr. Die Hotellerie wirbt mit kostspieligen Marketingkampagnen um Touristen aus China.

Aline Bavier
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In der Ostschweiz sind chinesische Touristen gern gesehen. (Bild: Coralie Wenger)

In der Ostschweiz sind chinesische Touristen gern gesehen. (Bild: Coralie Wenger)

Die Ostschweizer Hotellerie erlebte einen schlechten Winter – mit dramatischen Einbrüchen, auch in der Gastronomie. Die Monate Januar bis März verliefen allerdings noch positiv, mit einem Plus im Vergleich zum Vorjahr. Für die kommenden Sommermonate aber rechnen die Tourismusregionen mit starken Logiernächte-Einbussen. Die Gäste buchen auch immer kurzfristiger. Das sagte Urs Majer, Präsident Hotellerie Ostschweiz, am Rande der Mitgliederversammlung in Gais.

In der Ostschweiz ist Tourismus für die Volkswirtschaft von grosser Bedeutung. Allein in Appenzell Ausserrhoden arbeiten 14 Prozent der Beschäftigten im Tourismusbereich. Dementsprechend wichtig ist eine gezielte nachhaltige Entwicklung, Förderung und Lenkung des Tourismus auf kantonaler, regionaler und kommunaler Stufe. Andreas Züllig, Präsident Hotelleriesuisse, fordert eine «weitere Qualitätssteigerung in den Bereichen Produkte und Dienstleistungen» und «eine klare Positionierung und Ausrichtung auf spezifische Gästegruppen».

Züllig kritisiert zudem die mangelnde Freundlichkeit in der Schweiz: «Wir sind keine Österreicher! – Diese haben eine besondere Dienstleistungsmentalität, der Gast gehört dort zur Familie».

Übernachtungen stagnieren

Sind die Schweizer patriotischer geworden, wenn es um die Wahl der Feriendestination geht? Urs Majer beantwortet diese Frage klar: «Trotz steigender Anzahl der Übernachtungen von ausländischen Touristen verbringen die Schweizer ihre Ferien noch immer gerne in der Heimat». Majer sieht dennoch grosses Potenzial bei ausländischen Touristen. «Für die Asiaten spielt die Währung keine grosse Rolle, deshalb ist der asiatische Markt sehr wichtig für uns». Durch kostspielige Marketingkampagnen wollen die Hoteliers nun vor Ort aktiv werden.

«Die Zeiten des engen Kantonsdenkens im Tourismus sind vorbei», sagte Regierungsrätin Marianna Koller-Bohl bei der siebten Mitgliederversammlung von Hotelleriesuisse Ostschweiz. Dass der schweizerische Tourismus mit einigen Hürden zu kämpfen hat, war für die Anwesenden der Versammlung nichts Neues. Koller äusserte sich gleichwohl recht positiv: «Die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen muss intensiviert werden, insbesondere bei den kleinräumigen Destinationen». Die Übernachtungszahlen stagnierten und die Hotelinfrastrukturen seien wie fast überall in der Schweiz erneuerungsbedürftig. Die Zahlen drücken das schon länger aus – die Schweizer Hotellerie kämpft seit einigen Jahren mit rückläufigen Logiernächte-Zahlen.

Ein Jahr ohne Mehrwertsteuer?

Auch der starke Franken macht der Tourismusbranche Probleme. An der Versammlung wurde auch ein ungewöhnlicher Rettungsplan diskutiert: Der Berner BDP-Nationalrat Hans Grunder hatte in Bern gefordert, Gastronomie und Tourismus seien ein Jahr lang von der Mehrwertsteuer zu befreien. Der Ostschweizer Hotellerie käme das entgegen.