«Homophobe Arschlöcher»: Juso des Kantons St.Gallen fordert von Wil, die Städtepartnerschaft zu Dorbzen Wielki aufzulösen

Das polnische Dorbzen Wielki ist die Partnerstadt von Wil. Dort wird derzeit darüber diskutiert, sich als «schwulen- und lesbenfreie Zone» zu definieren – so wie es 100 andere Gemeinden in Polen auch tun. Die Juso des Kantons St.Gallen fordert Wil auf, in diesem Falle die Partnerschaft aufzulösen.

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An einer Pride-Parade im polnischen Plock demonstrierten Aktivisten gegen die homophoben Tendenzen in Polen.

An einer Pride-Parade im polnischen Plock demonstrierten Aktivisten gegen die homophoben Tendenzen in Polen.

Bild: Keystone

(pd/red) In Dorbzen Wielki, der Wiler Partnergemeinde, werde gerade darüber diskutiert, ob man sich als «LGBT-freie Zone» ausrufen soll. Das schreibt die Juso des Kantons St.Gallen in einer Mitteilung mit der Überschrift «Keine Partnerschaft mit homophoben Arschlöchern». Die Jungpartei fordert von der Stadt Wil, ihre Städtepartnerschaft mit der polnischen Gemeinde sofort zu beenden, falls sich Dorbzen Wielki für diesen Schritt entscheide.

Schilder mit der Aufschrift «LGBT-freie Zone»

Rund 100 polnische Gemeinden hätten sich in den vergangenen Wochen zu einer «LGBT-freien Zone» erklärt, heisst es weiter im Communiqué. Dort gelte die LGBT-Community nun offiziell als unerwünscht und an gewissen Ortstafeln hingen nun Schilder mit der Aufschrift «LGBT-freie Zone».

Nun werde auch in der Wiler Partnergemeinde Dobrzen Wielki darüber debattiert, ob sie sich auch als eine solche homo- und transphobe Zone ausrufen lassen wolle. «Falls dies geschehe, müsste die Stadt Wil ihre Partnerschaft mit der Gemeinde per sofort beenden», fordert die Juso in einer Mitteilung. «Ein solcher Entscheid wäre fatal für die gesamte LGBT-Community, die bis zu zehn Prozent der Bevölkerung ausmache.»

Keine Partnerschaft mit homophoben Gemeinde

Der Wiler Stadtrat müsse sich jetzt klar gegen Hass aussprechen und dürfe nicht weiterhin eine Partnerschaft mit einer homophoben Gemeinde pflegen. Die Stellungnahme von Susanne Hartmann auf gay.ch genüge nicht. Timo Räbsamen, Präsident der Juso des Kantons St.Gallen, sagt:

«Wir brauchen keine nett gemeinten Statements, wir brauchen Taten.»

Ein solcher Entscheid schaffe ein Klima von homophobem Hass. Und auf Hass folgten Taten und Gewalt, äussert sich Ronja Stahl vom Juso-Vorstand.

In ihrem Statement auf gay.ch hält die Wiler Stadtpräsidentin fest, dass man diesen Input in die anstehenden Diskussionen miteinbringen wolle. Da sich politisch in den letzten Jahren in Polen wie auch in Dobrzen Wielki vieles verändert habe, mache man sich schon seit längerem Überlegungen, wie diese Städtepartnerschaft in Zukunft aussehen solle, so Hartmann. Bislang habe man sich politisch bewusst nicht eingemischt.

Sollte die Gemeinde tatsächlich eine sogenannte «LGBT-freie Zone» werden, würde man das natürlich verurteilen und wohl entsprechende Konsequenzen ziehen, lässt sich die Wiler Stadtpräsidentin auf der Website zitieren. Dies habe dann der Stadtrat zu entscheiden.

Die Juso fordert, dass der Stadtrat von Wil sofort mit der Regierung von Dobrzen Wielki Kontakt aufnimmt. «Der Stadtrat soll klar kommunizieren, dass er bereit ist, die Partnerschaft aufzuheben, falls Dorbzen Wielki homophob agiert.»