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Holzöfen: Das Problem mit dem Feinstaub

Das Heizen mit Holz verursacht deutlich mehr Feinstaub als eine Öl- oder
Gasfeuerung. Die Ostschweizer Kantone beschäftigt das Thema seit langem.
Carlo Schuler
In Innerrhoden wird häufig mit Holz gefeuert. (Bild: Getty)

In Innerrhoden wird häufig mit Holz gefeuert. (Bild: Getty)

Jürg Kachelmann nennt das Verbrennen von Holz «eine zutiefst dreckige Technologie». Wer einen Holzofen habe, schreibt der Meteorologe im «Tages-Anzeiger»-Blog, sei in Sachen Feinstaub das «weitaus grösste Umweltproblem».

Dominik Noger, Leiter der Sektion Luftqualität im Kanton St.Gallen, sagt, der richtige Betrieb der Holzfeuerungen sei seit Jahrzehnten Thema. Noch immer wüssten nicht alle Ofenbesitzer, wie korrekt eingefeuert werde. Dies könnte man nachlesen unter www.fairfeuern.ch.

Messungen im windstillen Grabs

Noger ist auch Geschäftsführer von Ostluft, einer Vereinigung der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums, welche die Luftqualität in der Ostschweiz überwacht. Derzeit laufe eine Projektmessung in Grabs. Dort gebe es viele Holzfeuerungen, und vor allem im Winter sei es dort windstill. Am Morgen, am Abend und in den frühen Nachtstunden – wenn stark geheizt wird – seien die Messwerte für Feinstaub und Russ entsprechend hoch. Die Messungen laufen bis Ende Jahr; der Schlussbericht soll 2020 veröffentlicht werden.

Susanne Schlatter vom St.Galler Amt für Umwelt vermutet eine ähnliche Situation im Toggenburg.

«Dies ist im Kanton das einzige lange Tal mit schmaler Talsohle.»

Messungen seien für den Winter 2020/21 geplant.

In Ausserrhoden seit zehn Jahren Kontrollen

«Die Belastung durch Feinstaub im Thurgau unterscheidet sich nicht grundsätzlich von jener in der übrigen Ostschweiz», heisst es beim Thurgauer Amt für Umwelt. Bezieht man die Einzelraumfeuerungen ein, sind es rund 20000 Anlagen, auf denen mit Holz gefeuert wird.

In Ausserrhoden ist gemäss Peter Federer vom kantonalen Amt für Umwelt bereits vor zehn Jahren die visuelle Holzfeuerungskontrolle eingeführt worden. Mit den anderen Ostschweizer Kantonen habe man die Aktion «Fair Feuern» gestartet. Die Umweltbelastung von Holzfeuerungen sei stark von der Art der Heizung und der Bedienung abhängig.

Problem in Dörfern mit geschlossener Bebauung

In Dörfern mit geschlossener Bebauung oder in geschützten Muldenlagen könnten sich die Schadstoffe wegen mangelndem Luftaustausch anreichern. In dichten Bebauungen führten insbesondere kleine Holzfeuerungen immer wieder zu Problemen in der Nachbarschaft.

Albert Kölbener, Leiter der Innerrhoder Fachstelle für Umweltschutz, meint, der Kanton habe einen hohen Anteil an Holzfeuerungen, auch wenn in manchen Fällen die «Hauptheizung» nicht Holz sei. Er geht auch auf das Verbrennen von Schlagabraum im Wald ein, das laut Bundesgesetzgebung erlaubt sei, wenn nur wenig Rauch entstehe.

«Unser Gradmesser ist da die Menge Rauch, welche ein ungestörtes Braten einer Wurst noch zulassen würde. Alles was mehr ist, wird angezeigt und von der Polizei gebüsst.»

Was hält man beim Bundesamt für Umwelt von den Äusserungen des Meteorologen Kachelmann? Rainer Kegel von der Abteilung Luftreinhaltung und Chemikalien erklärt, eine durchschnittliche Holzfeuerung emittiere 100 bis 1000 Mal mehr Feinstaub als eine Öl- oder Gasfeuerung. Der Anteil der Holzfeuerungen am Feinstaubausstoss in der Schweiz bewege sich zwischen 10 und 15 Prozent. Für eine differenzierte Beurteilung sei es notwendig, die gesamte Umweltbelastung zu betrachten.

Tipps vom Bundesamt für Umwelt

«In Holzfeuerungen wird Holz als wichtiger einheimischer und nachwachsender Brennstoff eingesetzt», erklärt Rainer Kegel vom Bundesamt für Umwelt (Bafu). Die schadstoffarme Verbrennung eines festen Brennstoffs wie Holz sei allerdings bedeutend anspruchsvoller als bei flüssigen oder gasförmige Brennstoffen. «Aus Sicht des Bafu ist es in jedem Fall zentral, dass bei der Holzverbrennung einige Punkte beachtet werden, damit keine unnötigen Luftschadstoffe entstehen.» Dies bedeute zum Beispiel, dass nur ausreichend trockenes, naturbelassenes Holz oder garantiert unbehandelte Holzreste verbrannt werden.

Zu beachten sei auch, dass von Hand betriebenen Holzfeuerungen von oben nach unten angefeuert werden sollten und dass während des Abbrennens für genügend Luftzufuhr gesorgt wird. «Mit diesen einfachen Massnahmen wird die Feinstaubbildung bei der Verbrennung von Holz in kleinen Anlagen deutlich verringert.»

Automatische Anlagen – zum Beispiel Heizkessel für Pellets – würden gegenüber handbeschickten deutliche Vorteile in Bezug auf die Verbrennungsqualität aufweisen. Weil der Betreiber bei automatischen Anlagen keinen Einfluss nehmen könne, seien Bedienungsfehler ausgeschlossen. Zudem müssten grössere Holzfeuerungen ab 500 kW Leistung tiefere Staub-Grenzwerte einhalten: «In der Regel sind solche Anlagen mit einem Staubabscheidesystem ausgestattet und werden professionell betrieben und gewartet.»

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