Hohe Stimmbeteiligung: Hornkühe, fremde Richter und Sozialdetektive locken viele Ostschweizer an die Urne

Für die Abstimmungen vom Sonntag zeichnet sich eine hohe Stimmbeteiligung ab. Ein Blick in die Ostschweizer Abstimmungsbüros zeigt allerdings: Ohne nationale Vorlage herrscht Flaute an den Wahlurnen.

Tim Naef
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In St.Gallen liegt die Wahlbeteiligung im Schnitt bei 40 bis 45 Prozent. (Bild: Hanspeter Schiess)

In St.Gallen liegt die Wahlbeteiligung im Schnitt bei 40 bis 45 Prozent. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Hornkuh- und die Selbstbestimmungsinitiative sowie das Gesetz zur Überwachung von Versicherten bewegen die Ostschweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Dieses Fazit kann man bereits vor der Abstimmung am Sonntag ziehen.

«Aktuell haben bereits über 40 Prozent der St.Galler Stimmbevölkerung abgestimmt», sagt Stephan Wenger, Leiter Bevölkerungsdienste der Stadt St.Gallen. «Bis zur eigentlichen Abstimmungen erwarten wir eine Beteiligung von 49 bis 52 Prozent.»

Viele Abstimmungscouverts in Herisau

Auch in Herisau sieht es nach einer hohen Stimmbeteiligung aus. «Bei uns sind bisher überdurchschnittlich viele Abstimmungscouverts eingegangen», sagt Thomas Walliser Keel, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde Herisau. Genaue Zahlen könnten zwar erst am Sonntag geliefert werden, «bis zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber sicher die höchste Stimmbeteiligung in diesem Jahr».

Im Kanton Thurgau hält man sich bedeckt. Die Stadt Frauenfeld will auf Anfrage keine Auskunft oder Prognosen über die Stimmbeteiligung abgeben. Die genauen Zahlen würden am Sonntag veröffentlicht werden.

EU- und Ausländerthemen bringen die Menschen an die Urne

Die hohe Stimmbeteiligung dürfte mit den nationalen Vorlagen zusammenhängen. «Stehen lediglich städtische oder kantonale Abstimmungen oder Wahlen an, ist die Beteiligung meist unter dem Mittel», sagt Stephan Wenger. Durchschnittlich würden in der Stadt St.Gallen zwischen 40 und 45 Prozent an die Urne gehen.

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Stimmbeteiligung der Stadt St.Gallen seit 2016

Stimmbeteiligung zwei Tage vor der Abstimmung
Effektive Stimmbeteiligung
0204060DatumFebruar 16' (Für Ehe und Familie - gegen die HeiratsstrafeApril 16' (keine nationale Vorlage)Juni 16' (Pro Service Public)September 16' (AHVplus: für eine starke AHV)November 16' (Atomausstiegsinitiative)Februar 17' (erleichterte Einbürgerung & USR III)Mai 17' (Energiegesetz)September 17' (Altersvorsorge 2020)November 17' (keine nationale Vorlage)März 18' (Abschaffung Billag-Gebühren)Juni 18' (Geldspielgesetz)September 18' (Ernährungssouveränität)November 18' (Selbstbestimmungsinitiative)

Von einer Rekordbeteiligung kann allerdings nicht gesprochen werden. «Ende der 1980er Jahre lag die Stimmbeteiligung bei der Armeeabschaffungsinitiative beispielsweise bei rund 70 Prozent», sagt Wenger. Auch die EWR-Abstimmung von 1992 habe überdurchschnittlich viele Menschen abstimmen lassen.

Generell sind es die links- wie rechtspopulistischen Themen, welche die Stimmbürger/innen polarisieren und damit an die Urne locken würden. «Derzeit stimmt bei Abstimmungen rund um das Thema Migration meist über die Hälfte der Bevölkerung ab», so Wenger.