Hörhauser Schreinerei ringt nach Grossbrand um Zukunft – nun soll ein Nachlassvertrag den Konkurs verhindern

Die Hans Eugster AG in Hörhausen hat finanzielle Probleme. Ein Nachlassvertrag soll den Konkurs verhindern. «Wir hoffen auf einen positiven Entscheid, sodass das Unternehmen weitergeführt werden kann», sagt Geschäftsführer Ronny Eugster.

Rahel Haag
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Anfang November 2019 hat ein Feuer die Lager- und Produktionshalle der Schreinerei Eugster weitgehend zerstört.

Anfang November 2019 hat ein Feuer die Lager- und Produktionshalle der Schreinerei Eugster weitgehend zerstört.

(Bild: Andrea Stalder)

Die finanziellen Probleme traten mit dem Jahresabschluss 2018 zu Tage. Und die Situation sollte sich für die Schreinerei Eugster in Hörhausen nicht bessern. Anfang November wurde die Lager- und Produktionshalle der Hans Eugster AG ein Raub der Flammen. Dennoch gibt sich Geschäftsführer Ronny Eugster vor dem Bezirksgericht Frauenfeld am Montagvormittag zuversichtlich. Verhandelt wird der Nachlassvertrag der Hans Eugster AG. Das Verfahren läuft bereits seit dem 10. Mai 2019.

«Wir konnten die Auslastung sichern», sagt Ronny Eugster. Er hat per 1. Mai 2019 die Geschäftsführung des Unternehmens übernommen. Aktuell zähle die Firma 35 Mitarbeitende. Auswirkungen der Coronakrise seien noch keine spürbar. Aktuell laufe die Bauwirtschaft noch.

«Zudem können wir nach dem Brand am Umbau unserer Halle arbeiten.»

Auf die Frage der Einzelrichterin, ob die Firma einen Spezialkredit beantragen wolle, sagt er: «Das ist aktuell kein Thema.» Sollte sich die Situation aber ändern, werde man die Sache prüfen – auch Kurzarbeit zu beantragen, könnte dann eine Option sein.

450'000 Franken für die Nachlassdividende

Der Nachlassvertrag soll den Konkurs der Firma verhindern. «Die Gläubiger haben dem Nachlassvertrag zugestimmt», sagt Michael Städeli, Sachwalter der Hans Eugster AG, vor Gericht. Auch mit den ehemaligen Verwaltungsräten habe eine Lösung gefunden werden können.

Sollte das Bezirksgericht den Nachlassvertrag akzeptieren, müsste das Unternehmen seinen Gläubigern nur eine sogenannte Nachlassdividende, sprich einen Teil der ursprünglichen Forderung, bezahlen. Die verbleibenden Schulden würden der Firma nachgelassen.

Für die Nachlassdividende stünden der Hans Eugster AG 450'000 Franken zur Verfügung. Zum Schluss der Verhandlung sagt Eugster:

«Wir hoffen auf einen positiven Entscheid, sodass das Unternehmen weitergeführt werden kann.»

Das Urteil des Bezirksgerichts wird an diesem Vormittag nicht mündlich eröffnet, stattdessen soll es in den kommenden Tagen schriftlich erfolgen.

Nach dem Brand bereits 600'000 Franken erhalten

Was den verheerenden Schaden betrifft, den der Grossbrand im vergangnen November verursacht hat, ist bereits ein Betrag von 600'000 Franken an das Unternehmen geflossen. Dieser stamme aus der Sachschadenversicherung. Ausstehend seien weitere 300'000 Franken zur Deckung des Betriebsunterbruchs. Dieses Geld sei von der Versicherung zwar gesprochen, aber noch nicht ausbezahlt worden. Städeli spricht von einer zähen Sache.

«Es hat nach dem Brand nahezu monatelang gedauert, bis die Zusage der Versicherung kam.»

Keine Untersuchung gegen Eugster AG betreffend Brandstiftung

In der Nacht auf den 6. November des vergangenen Jahres war in der Lager- und Produktionshalle der Schreinerei Eugster in Hörhausen ein Feuer ausgebrochen. Insgesamt standen 125 Feuerwehrleute im Einsatz. Der Sachschaden belief sich auf mehrere hunderttausend Franken, verletzt wurde bei dem Grossbrand niemand.

Nur zwei Tage nach dem Brand teilte die Kantonspolizei Thurgau mit, dass sie einen 56-jährigen Mann verhaftet habe. Er stand in dringendem Tatverdacht, den Brand in Hörhausen verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen hatte daraufhin eine Strafuntersuchung geführt und für den 56-jährigen Thurgauer Untersuchungshaft beantragt.

«Nach 72 Tagen ist der Verdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen worden», sagt Michael Städeli, Sachwalter der Hans Eugster AG. Der Mann sei nicht geständig. Die Staatsanwaltschaft habe derweil keine Hinweise gefunden, dass der Brand von Organen der Hans Eugster AG oder ihr nahestehenden Personen verursacht worden ist. «Entsprechend wird keine Untersuchung gegen die Firma geführt», sagt Städeli. (rha)

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