Höhere Hürden für die Opfer-Therapie

FRAUENFELD. Im Kanton Thurgau sind im vergangenen Jahr die Gesuche um Opferhilfe stark zurückgegangen. Gemäss Geschäftsbericht des Regierungsrates sind noch 23 Gesuche um Kostengutsprache für Soforthilfe und längerfristige Hilfe eingegangen. 2013 waren es 69.

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FRAUENFELD. Im Kanton Thurgau sind im vergangenen Jahr die Gesuche um Opferhilfe stark zurückgegangen. Gemäss Geschäftsbericht des Regierungsrates sind noch 23 Gesuche um Kostengutsprache für Soforthilfe und längerfristige Hilfe eingegangen. 2013 waren es 69. Auch verglichen mit den weiter zurückliegenden Jahren ist der Rückgang drastisch: 2012 ersuchten 49 Opfer von Straftaten um eine finanzielle Hilfe, 2011 waren es 74 Gesuche.

Weiter 900 Fälle bei Opferhilfe

Als Ursache sieht der Generalsekretär des Departements für Justiz und Sicherheit, Stephan Felber, den allgemeinen Rückgang der Gewalttaten gemäss Kriminalstatistik. Im Kontrast dazu steht der gleichbleibende Andrang bei der Opferhilfe. Mit 918 Fällen waren es 2014 fast gleich viele wie 2013. Gemäss der Geschäftsleiterin der Fachstelle Opferhilfe Thurgau, Elisabeth Rietmann, bewegen sich die Fallzahlen auch langfristig im Bereich von 900 jährlich. Den Rückgang der Finanzgesuche erklärt sie sich nicht nur mit der Kriminalstatistik. Auch die restriktivere Bewilligungspraxis wirke sich aus. «Der Kanton setzt höhere Anforderungen an die Qualifikation von Therapeuten», sagt Rietmann. Das Justizdepartement verlange oft, dass eine Therapie von einer Krankenkasse anerkannt werde. Rietmann steht der Praxisverschärfung kritisch gegenüber: «Nicht jedes Opfer einer Straftat braucht einen Psychiater, oft genügt eine psychologische Therapie.» Angesichts der höheren Hürde verzichteten manche Opfer darauf, ein Gesuch zu stellen.

Nicht nur das Geld zählt

Dass die Fälle der Opferhilfe unverändert geblieben sind, erklärt die Sozialarbeiterin damit, dass «Opferhilfe nur zum kleinen Teil aus Geld besteht». Die fünf Opferberaterinnen böten psychologische und soziale Unterstützung an und leisteten medizinische und juristische Hilfe. Wird keine finanzielle Hilfe verlangt, gibt es kein Gesuch an den Kanton. Einen längerfristigen Grund für den Rückgang der Opferhilfe-Gesuche sieht Rietmann auch in der polizeilichen Wegweisung sowie der Einführung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb). Die Opferhilfe hat seither weniger mit minderjährigen Opfern zu tun; ihr Anteil ist von rund 33 auf 20 Prozent gesunken. (wu)