«Höchst unerfreulich, nicht akzeptabel»

Paul Schlegels Ausstände und Betreibungen bringen ihn als Kantonsrat, Nationalratskandidat und Expo-Vereinspräsident in Verruf. Eine solche Zahlungsmoral sei inakzeptabel, meint die FDP. Gestern abend musste er sich vor dem Parteiausschuss erklären.

Marcel Elsener
Merken
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Paul Schlegels fragwürdige Zahlungsmoral beschäftigt vor allem seine Partei: Kaum hatte die «Weltwoche» die happigen Vorwürfe publiziert, bestellte die FDP ihren Werdenberger Kantonsrat und Nationalratskandidaten vor einen Parteiausschuss nach St. Gallen.

Schlegel sollte sich vor der kantonalen FDP-Spitze unter der Leitung von Fraktionschef Reinhard Rüesch erklären. «Wir haben ihn sofort aufgeboten», sagt Wahlkampfleiter Sven Bradke namens der FDP. Schlegel erhalte «rechtliches Gehör», man wolle den Vorwürfen auf den Grund gehen und dargestellt erhalten, «was stimmt und was nicht».

«Muss man nicht diskutieren»

Die angeblichen Verfehlungen seien «höchst unerfreulich», sagt Bradke. «Eine solche Zahlungsmoral ist für einen Unternehmer nicht akzeptabel. Da muss man nicht lange darüber diskutieren.» Bis man wisse, welche Vorwürfe zutreffen, gelte jedoch die «Unschuldsvermutung», ergänzt der Wahlkampfleiter. Und es müsse geklärt werden, ob Schlegel in seinem Unternehmen – Schlegel Group – allein verantwortlich sei. Ob der als «initiativ, leutselig und volksnah» bekannte Kantonsrat als Nationalratskandidat noch tragbar sei, müsse sich Schlegel «auch selber überlegen». Die Partei werde nun keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber «alle Möglichkeiten prüfen», meint Bradke – ohne ein Wort wie Rückzug der Kandidatur oder gar weitere Konsequenzen in den Mund zu nehmen.

Gemäss Stand der Dinge dürfe man immerhin annehmen, dass «niemand zu Schaden gekommen ist». Dass Schlegel, laut eigenen Angaben «Initiator» der Landesausstellung 2027 in der Ostschweiz, in jedem Fall als Expo-Vereinspräsident zurücktreten müsse, betrachtet Bradke nicht als Parteisache.

Zurückhaltung auf allen Seiten

Und was meint Carmen Haag, Präsidentin Steuerausschuss Expo 2027, zu den Vorwürfen gegen den Expo-Lobbyisten? Sie habe die Ausführungen der «Weltwoche» zur Kenntnis genommen, sagt die Thurgauer Regierungsrätin. «Selber haben wir keinerlei Informationen zu den Vorgängen.» Sie könne derzeit nur festhalten, «dass der Verein Expo 2027 ein wichtiger Partner für uns ist und die Zusammenarbeit – auch mit Paul Schlegel – bislang reibungslos funktioniert hat.» Zu einem Imageschaden für das Expo-Projekt meint Haag: «Ich lege Wert darauf, dass der Verein eine eigenständige Organisation ist und wir uns nicht in die inneren Angelegenheiten des Vereins einmischen.»

Ebenso zurückhaltend äusserten sich angefragte Kantonsräte, sofern diese über die Sache informiert wurden. SVP-Präsident Herbert Huser etwa sagte, er kenne die Vorwürfe noch nicht im Detail, doch sei über Schlegel «schon länger» gemunkelt worden, auch wegen der Höhe seiner Spesen. «Er hat sich selber ins Schaufenster gestellt.»