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HOCHSCHULPOLITIK: Thurgau und Schwyz wehren sich gegen St.Galler Fachhochschul-Pläne

Die neue Organisation der Fachhochschulen wird für den St.Galler Bildungschef zum Spiessrutenlauf. Die Nachbarkantone Thurgau und Schwyz sind von seinen Plänen nicht begeistert – und die St.Galler Idee bröckelt zusehends.
Regula Weik
Der Kanton Thurgau ist an der Fachhochschule in St.Gallen (Bild) interessiert, der Kanton Schwyz nicht – umgekehrt ist es bei der Fachhochschule in Rapperswil. (Bild: Klaus Stadler)

Der Kanton Thurgau ist an der Fachhochschule in St.Gallen (Bild) interessiert, der Kanton Schwyz nicht – umgekehrt ist es bei der Fachhochschule in Rapperswil. (Bild: Klaus Stadler)

Die Thurgauer und die St.Galler Regierung sind sich derzeit nicht grün – jedenfalls dann nicht, wenn es um die Zukunft der Fachhochschule Ostschweiz geht. Die St.Galler Regierung will die drei Fachhochschulen im Kanton unter eine gemeinsame Führung stellen; die Schulstandorte in Buchs, Rapperswil und St.Gallen sollen jedoch bestehen bleiben. Und sie möchte künftig eine einzige, interkantonale Trägerschaft für sämtliche drei Schulen.

Der Thurgauer Regierung passt dieser Vorschlag nicht; sie will eine abgespeckte Version. Die Exekutive des Nachbarkantons sträubt sich nicht grundsätzlich gegen einen Zusammenschluss der Fachhochschulen – allerdings schwebt ihr ein solcher ohne Rapperswil vor. Das geht aus ihrer Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss hervor; darin spricht sie sich klar gegen das von der St.Galler Regierung favorisierte Modell aus, alle drei Schulen unter ein Dach zu stellen.

Thurgau will nicht Mitträger in Rapperswil werden

Der Kanton Thurgau will also nicht Mitträger der Fachhochschule Rapperswil werden. Sein Hauptinteresse gilt der Fachhochschule St.Gallen, deren Mitträger er heute bereits ist, und die «durch den Zusammenschluss mit dem NTB Buchs entscheidend gestärkt werden könnte», so die Thurgauer Regierung. Sie habe sich konstruktiv in die Debatte über die künftige Trägerschaft der Fachhochschulen eingebracht – allerdings auch von Beginn weg deutlich gemacht, dass sie «mit der vom Kanton St.Gallen vorgegebenen Prämisse, wonach die drei Schulen unter einer Trägerschaft zusammengeschlossen werden sollen, nicht einverstanden ist». Sie habe stets klar signalisiert, dass sie ein Modell mit zwei unabhängigen Schulen und zwei separaten Trägerschaften wünsche.

Die Haltung der Thurgauer Regierung ist zum einen wohl in der geografischen Nähe zur Fachhochschule St.Gallen begründet; aktuell besuchen ungefähr 250 Studierende, mehrheitlich aus dem Oberthurgau, die hiesige Schule. Gleichzeitig sind fast 1300 Thurgauer an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur eingeschrieben. Aus der Regierungsantwort lässt sich aber noch ein zweiter Grund herauslesen. Da heisst es nämlich: «Ziel des Thurgau ist es, im Rahmen einer echten Partnerschaft und mit einem qualifizierten Mitbestimmungsrecht weiterhin zu einer attraktiven Ostschweizer Fachhochschullandschaft beizutragen.» Will heissen: Der Kanton fürchtet wohl, beim Zusammenschluss aller drei Schulen an ernsthafter Mitsprache zu verlieren. Der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass St.Gallen gegenüber den mitbeteiligen Kantonen den Lead übernehmen will. Diese hätten «weniger Kosten, weniger Risiko – aber eben auch weniger Mitwirkung», hatte er bereits vor zwei Jahren im Interview mit dieser Zeitung festgehalten.
Überlegt sich der Thurgau unter dieser Prämisse gar, aus der Trägerschaft auszusteigen? Die Thurgauer Bildungschefin Monika Knill mag sich derzeit nicht dazu äussern. Die Regierung habe ihre Haltung in der Antwort auf den Vorstoss klar zum Ausdruck gebracht. «Je nach Entscheid des St.Galler Kantonsparlaments wird zuerst die St.Galler Regierung zu entscheiden haben, ob es zu inhaltlichen Anpassungen kommt – oder nicht», so Monika Knill. Die Thurgauer Regierung werde ihre Position dann aufgrund des definitiven St.Galler Vorschlages überprüfen. Indizien, wie sie sich entscheiden könnte, gibt es möglicherweise schon am Mittwoch. Der Thurgauer Grosse Rat tagt und auf seiner Traktandenliste steht der Vorstoss zur neuen Struktur der Fachhochschule Ostschweiz.

Strebt der Bildungschef eine Kantonalisierung an?

Alle drei oder doch nur zwei Fachhochschulen unter einem Dach? Diese Frage wird das St.Galler Kantonsparlament in der Septembersession beschäftigen. Und bereits wurde auch Kritik laut, die Regierung wirke nicht ernsthaft bemüht, eine Konkordatslösung zu erreichen und die Mitträger weiterhin im Boot zu halten. Die klare Ansage des Thurgau dürfte diesen Stimmen Aufwind geben. Bildungschef Kölliker hat sich stets dagegen verwahrt, er arbeite auf eine Kantonalisierung hin. Die Skepsis ist dennoch geblieben. Er habe in den vergangenen Jahren «leider alles unternommen, um einen Alleingang des Kantons St.Gallen herbeizuführen», hatte etwa Yvonne Suter, CVP-Kantonsrätin aus Rapperswil, vor wenigen Wochen moniert. Sie steht damit nicht allein. Er halte nichts von einer «teuren St.Galler Selbstverwirklichung», hatte damals auch Peter Göldi, CVP-Kantonsrat aus Gommiswald, festgehalten. Einer Lösung ohne die beteiligten Kantone könne er nicht zustimmen. Der Auftrag des St.Galler Parlaments an die Regierung sei klar gewesen: Die bisherigen Konkordatskantone sollen eingebunden werden. Dies habe die Regierung offensichtlich nicht ganz so ernsthaft angegangen. Kölliker wiegelt ab. Er habe sich kürzlich mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Linthgebiet getroffen; das Gespräch sei gut verlaufen.

Doch von ennet des Ricken schlägt dem St.Galler Bildungschef nicht nur kantonsintern Skepsis entgegen. Die Schwyzer Regierung findet sich in einer mit dem Thurgau vergleichbaren Situation – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Schwyz fordert auch künftig eine eigenständige Fachhochschule Rapperswil. Das Interesse ihres Kantons sei «ausschliesslich auf die Schule in Rapperswil fokussiert», hielt die Schwyzer Regierung in ihrer Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss Mitte Juli fest. Von den knapp 150 Schwyzer Studierenden an den drei St.Galler Fachhochschulen sind 90 Prozent in Rapperswil eingeschrieben.

Vorberatende Kommission abwarten

Unter dem Strich lehnen somit Thurgau und Schwyz den Zusammenschluss aller drei Fachhochschulen ab – wenn auch unterschiedlich motiviert. In einem Punkt allerdings treffen sich die beiden Regierungen. Auch die Schwyzer Exekutive fürchtet bei einer Grossfusion und nur noch einer Trägerschaft ein geringeres Mitspracherecht. «Die Mitträger würden weitgehend zu Beitragszahlern degradiert», hält sie fest. Definitiv zugeschlagen, so signalisieren die südlichen Nachbarn, ist die Türe noch nicht. Mit Thurgau und Schwyz im gleichen Boot sitzt auch Appenzell Innerrhoden.

Bildungschef Kölliker mag sich zu den Vorbehalten und zur Skepsis der Nachbarkantone im Moment nicht äussern. «Wir sind gegenwärtig mitten in der Beratung durch die vorberatende Kommission», hält er fest. «Es ist nicht opportun, sich während der Gespräche der Kommission medial zu äussern.» Ein Minimum lässt er dann doch durchblicken: Danach sind «gerade die Fragen, welche die Nachbarkantone betreffen, wohl zentral».

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