HOCHSCHULPOLITIK: Rektorin schliesst Alleingang aus

Die Fachhochschule Rapperswil werde unter dem künftigen Diktat von St. Gallen geschwächt. So tönt es im Linthgebiet. Die Rektorin hält dagegen – mit klaren Forderungen an die Politik.

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Politikerinnen und Politiker aus dem Linthgebiet sind derzeit auf zwei Begriffe schlecht zu sprechen: Zentralisierung ist der eine, Kantonalisierung der andere. Dass es die beiden an die Spitze der Unmutshitliste ennet des ­Ricken geschafft haben, kommt nicht von ungefähr. Auslöser sind die Pläne der St. Galler Regierung für die neue Fachhochschule Ostschweiz. Die Umstrukturierung der drei Fachhochschulen im Kanton tut not – wegen der veränderten Schweizer Gesetzgebung. Die Regierung hat sich für einen Hochschulrat, einen Rektor und eine Trägerschaft ausgesprochen. Das löst im Linthgebiet Ängste aus, die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) könnte «unter dem Diktat» von St. Gallen geschwächt werden, ihre regionale Verankerung könnte leiden (Ausgabe vom 19. Juli).

Sie kenne niemanden, der die Erfolge der HSR negiere und die Schule schwächen wolle, hatte Rektorin Margit Mönnecke im Frühling im Interview mit dieser Zeitung gesagt. Wie beurteilt sie die Situation heute, nachdem klar ist, wie die künftige Struktur der Fachhochschulen aussehen wird – jedenfalls nach dem Willen der Regierung?

Die lokale Leitung muss entscheiden können

Der Zusammenschluss unter einem Dach biete die Chance, verstärkt mit den beiden andern Fachhochschulen im Kanton zusammenzuarbeiten. Davon könnten die HSR wie die Region profitieren – und zwar dann, «wenn es zu neuen Impulsen und Forschungsclustern kommt und wenn durch die vermehrte, interdisziplinäre Zusammenarbeit neue Studienangebote entwickelt werden können», sagt Margit Mönnecke. Voraussetzung sei ­allerdings, dass «weiterhin die Standortleitung in Rapperswil mit den regionalen Themen ­vertraut und auch befugt ist, die notwendigen Entscheidungen zu treffen», so die Rektorin. Die Hochschule für Technik Rapperswil habe heute eine hohe Autonomie. Sie könne rasch und flexibel auf Veränderungen und Ansprüche von Wirtschaft und Gesellschaft reagieren. «Diese Stärken der HSR müssen bestehen bleiben und ausgebaut werden. Die Schule muss ihre hohe Flexibilität in der neuen Fachhochschule Ostschweiz bewahren können.» Ein verstecktes Plädoyer für ­einen Alleingang? Die HSR ­Rapperswil – wie auch die FHS St. Gallen – könnte eine eigene Akkreditierung beim Bund be­antragen. Margit Mönnecke verneint und verweist auf die «zentrale und sehr begrüssenswerte Forderung» im Bericht der Regierung: «So viel schulstandörtliche Autonomie wie möglich, so viel zentrale Struktur und Steuerung wie nötig.»

Die Hochschule für Technik Rapperswil hat vergangenes Jahr 300 Projekte mit der Wirtschaft durchgeführt und über 100 vom Bund mitfinanzierte realisiert. Für Margit Mönnecke ist klar: Die Rahmenbedingungen der neuen Fachhochschule Ostschweiz müssen so sein, dass diese «für Wirtschaftspartner, Studierende und Mitarbeitende gleicher­massen nutzbringenden Kooperationen weitergeführt werden können».

Zusammenarbeit über Kantonsgrenze hinaus

Zur Befürchtung einiger Kantonsräte, die Regierung könnte eine Kantonalisierung anstreben, mag sich die Rektorin nicht äussern. Diese Frage werde in einem separaten Projekt behandelt, in welches die Schulen nicht involviert seien. Daher nur so viel: Die HSR arbeite nicht nur mit St. Galler Unternehmen zusammen, sondern auch mit Glarnern und Schwyzern. «Diese Region ist für die HSR wichtig.» Sie pflegten seit über 40 Jahren gute Beziehungen und wollten diesen Austausch auch weiter «pflegen und vorantreiben». Hinzu kommt: Es stammen auch zahlreiche Studierende aus diesen Kantonen.

Regula Weik

regula.weik

@tagblatt.ch