Hochbetrieb im Spital und Chaos auf den Strassen: Die Kehrseite des sonnigen Bergwetters 

Allein das Spital in Chur hat seit Heiligabend 300 Verletzte behandelt. Knochenbrüche sind die Schattenseite der sonnigen Festtage auf den Skipisten. In Wildhaus flog die Rega einen Einsatz. 

Katharina Brenner, Noemi Heule
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Der Wintersport birgt Risiken. Hiesige Betreiber haben über die Festtage allerdings kaum Unfälle verzeichnet.

Der Wintersport birgt Risiken. Hiesige Betreiber haben über die Festtage allerdings kaum Unfälle verzeichnet. 

Benjamin Manser

Reger Betrieb bei den Bergbahnen bedeutet – und das ist die Schattenseite der sonnigen Festtage – auch reger Betrieb in den Spitälern. Im Kantonsspital St.Gallen blieb es zwar vergleichsweise ruhig, die Notfälle summierten sich dafür in jenen Spitälern, die näher an den Skigebieten liegen. Allen voran im Kantonsspital Graubünden.  

300 Verletzte behandelte das Spital in Chur allein seit Heiligabend. 200 von ihnen mussten operiert werden, die Hälfte wegen Knochenbrüchen, wie Christoph Sommer, Chefarzt Unfallchirurgie sagt. Ungewöhnlich sei dieser «Massenandrang» allerdings nicht, zwischen Weihnachten und Neujahr herrsche auf der Notfallstation jeweils Hochbetrieb. Die Zahlen bewegten sich im Rahmen der Vorjahre, «die ebenfalls sehr arbeitsintensiv waren.» Das Spital hat das Personal denn auch um das doppelte bis dreifache aufgestockt. Skifahrer, Snowboarder und Schlittler werden laut Sommer mit Knochenbrüchen aller Art eingeliefert: Vom Bein- über den Beckenbruch bis hin zu Wirbelbrüchen.

Rega verzeichnete 100 Einsätze in den letzten Tagen

In ein bis zwei Prozent aller Wintersportunfälle auf Schweizer Pisten kommt die Rega zum Einsatz. Auch für die Rettungsflugwacht waren die vergangenen Tage arbeitsintensiv. Zwischen dem 31. Dezember und dem 2. Januar flog sie rund 100 Einsätze in Skigebieten. Regionale Daten erhebt die Rega nicht, wie oft sie im gesamten vergangenen Jahr ausrückte, ist noch nicht bekannt. Im Jahr 2018 zählte sie insgesamt 1403 Einsätze auf Schweizer Pisten. Die allermeisten dieser Rettungen gehen auf einen Alarm der Pistenpatrouille zurück. Die Rega-Helikopter fliegen jeweils vom Skigebiet ins am nächsten gelegene geeignete Spital. Behandelt werden dort vor allem Schulter- und Armverletzungen. Sie machen knapp ein Drittel der Verletzungen bei Rega-Einsätzen aus.

Am 2. Januar flog die Rega einen Einsatz in Wildhaus. Ansonsten ziehen die hiesigen Betreiber eine positive Unfall-Bilanz. Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus, sagt:

«Die Leute fahren eher vorsichtiger,
wenn die Pisten voll sind.»

In Malbun spricht man von «überraschend wenigen Unfällen».

Festes Schuhwerk und ein Helm fürs Schlitteln

Nicht nur auf Skipisten passieren Unfälle, sondern auch auf Schlittelbahnen. Auf der mit sieben Kilometern längsten Abfahrt der Ostschweiz am Kronberg hat es in dieser Saison noch keine Unfälle gegeben – es hat aber auch noch überhaupt keine Abfahrten gegeben. Bisher lag zu wenig Schnee. Im Schnitt würden pro Jahr rund 15 Unfälle passieren, sagt Sabrina Huber, Leiterin Marketing und Kommunikation ad interim der Kronbergbahn.

«Viele unterschätzen, was schlitteln heisst, und sind nicht richtig angezogen.»

Verdrehte und verstauchte Fussgelenke oder Knieverletzungen seien die Folge. Huber empfiehlt deshalb feste Schuhe, die den Knöchel schützen, und einen Helm. Und noch etwas sei wichtig, das ebenso für die Piste gelte: aufeinander Rücksicht nehmen.

Die Polizei wird nur bei gravierenden Skiunfällen einbezogen. 2019
registrierte die Kantonspolizei St.Gallen zwei Fälle. In den vergangenen Tagen ging keine Meldung ein. Spurlos gingen die Festtage dennoch nicht an den Beamten vorbei. Sie mussten das Verkehrschaos bewältigen, dass sich rund um die Skigebiete ereignete. Allen voran in den Flumserbergen, wo sich die Fahrzeuge bis auf die Autobahn stauten.

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