Hitze treibt Massen auf die Gipfel

Guter Sommer für die Bergregionen: Einige Bergbahnen verzeichnen bis zu 45 Prozent mehr Umsatz. Die Rekordzahlen verdanken die Ostschweizer Bergbahnen aber nicht ausschliesslich dem schönen Wetter.

Aline Bavier
Drucken
Teilen
Hitze beschert gute Zahlen: Auch die jüngsten Gäste freuen sich auf das Drehrestaurant auf dem Hohen Kasten. (Bild: Benjamin Manser)

Hitze beschert gute Zahlen: Auch die jüngsten Gäste freuen sich auf das Drehrestaurant auf dem Hohen Kasten. (Bild: Benjamin Manser)

Der Sommer brachte dieses Jahr den Ostschweizer Bergbahnen nicht nur Traumwetter, sondern auch Traumumsätze. Die ungebrochene Serie von Schönwettertagen lockte aussergewöhnlich viele Tagesgäste in die Höhe, wie die Ostschweizer Bergbahnen übereinstimmend berichten.

Rekord dank schönem Wetter

Für die Ebenalp-Luftseilbahn zeichnen sich dieses Jahr überdurchschnittliche Ergebnisse ab. «Das schöne Wetter hat viele Gäste in die Berge gebracht», sagt Verwaltungspräsident Hubert Gmünder. «Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre machten wir im Jahr 1,84 Millionen Franken Umsatz, wobei letztes Jahr erstmals die 2-Millionen-Grenze erreicht wurde. Dieses Jahr liegen wir per Ende Juli bereits wieder um 15 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt und auch deutlich über den Zahlen des Vorjahres, das auch bei den Frequenzen», sagt Gmünder.

Die Rekordzahlen verdankt die Bergbahn aber nicht nur dem schönen Wetter. Denn die Hauptattraktion der Ebenalp, die Wildkirchlihöhlen, wurden anlässlich des 60. Geburtstags der Ebenalpbahn für eine halbe Million Franken sanft renoviert. Das hat zusätzliche Gäste angelockt und den Umsatz der Bahnen angekurbelt. «Die Bahn macht das Geschäft im Sommer und im Herbst. Das Wintergeschäft ist weniger lukrativ», sagt Gmünder. Auch die Investitionen in die Berggasthäuser Äscher und Ebenalp bringen der Ebenalp den erhofften Erfolg. Falls auch die kommende Herbstsaison so weiterlaufen wird, steuert die Ebenalp auf ein Rekordergebnis zu.

Auch auf dem Hohen Kasten ist man mit den Besucherzahlen sehr zufrieden. Trotz der dortigen Grossbaustelle liegen die diesjährigen Gästezahlen über dem Fünfjahresschnitt. «Bis Ende Juni war das Wetter bekanntlich schlecht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Besucherzahlen leicht tiefer als im Vorjahr», sagt Martin Ebneter, Geschäftsleiter der Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG. «Juli und August stimmte dann das Wetter. Das bescherte uns gute bis sehr gute Zahlen.»

Hauptsaison steht noch bevor

Sommerseilbahnen wie die Kastenbahn generieren die Hälfte des Umsatzes in den Monaten August, September und Oktober. Somit stehen den Bergbahnen jene Monate, welche das Geschäftsergebnis bis Ende Jahr hauptsächlich bestimmen, noch bevor. Laut Ebneter ist vor allem der Wetterbericht und das tatsächliche Wetter ausschlaggebend dafür, ob die Gäste kommen. «Ein eventuelles Gewitter am Abend kann eine Reduktion bis 30 Prozent bei den Gästezahlen auslösen», sagt der Kastenbahn-Geschäftsleiter.

Besucherzahlen stimmen

Dass die Besucherzahlen stark von der Tagesprognose abhängig sind, weiss auch Andreas Marty, Chef Marketing und Verkauf der Säntisbahn. Heuer aber gibt es auch auf dem höchsten Ostschweizer Gipfel kein Grund zum Jammern, denn die Besucherzahlen stimmen.

Noch im letzten Jahr klagten die Besucher der Bergregionen über die verregnete Sommersaison. Jetzt schwärmen alle von den sonnigen Tagen auf dem Säntis. Die Euphorie zeigt sich auch in der Bilanz der Bergbahn. «Wir haben wegen des sonnigen Wetters 45 Prozent mehr Umsatz gemacht, im Vergleich zum Juli 2014. Damals hat es praktisch nur geregnet», sagt Marty. Auch die kommende Wandersaison soll Erfolg versprechen. «Wir erwarten den grossen Besucherandrang an den sonnigen Wochenenden.» Für ein Rekordjahr brauche es aber einen langen goldenen Herbst und einen späten Wintereinbruch, sagt Marty.

Auch die Pizolbahnen erlebten bisher mit 43 000 Eintritten eine erfreuliche Saison. «Wir hatten einen sehr guten Sommer, da die Wanderwege bereits zum Start der Sommersaison schneefrei waren», sagt Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen. Nussbaumer sieht die Verantwortung für den Erfolg vor allem beim Wetter: «Das Wetter ist ausschlaggebend für jegliche Aktivitäten in den Bergen. Allerdings haben wir auch sehr stark an unserem Angebot für Familien mit dem Heidipfad und dem Wasserwald gearbeitet.» Wie gut die Ostschweizer Bergbahn-Saison 2015 wird, kann erst nach der Wandersaison Ende Oktober abschliessend beurteilt werden. Das Rekordjahr 2003 konnte bis jetzt jedenfalls nicht geschlagen werden.