Hitze, Fleisch und Leidenschaft an der Offa St.Gallen: Grillieren ist ein Volkssport

Die Teilnehmer der Einzelgrill-Meisterschaften am Offa-Samstag liessen sich von den eisigen Temperaturen nicht unterkriegen und grillierten passioniert. Am besten machte es Martin Rütti aus Flawil.

Michael Hasler
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Hitze, Fleisch und Leidenschaft: die Schweizer Einzelgrill-Meisterschaften an der Offa St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Hitze, Fleisch und Leidenschaft: die Schweizer Einzelgrill-Meisterschaften an der Offa St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Gerade den Besuch im selbsternannt so hippen wie nachhaltigen Innenstadt-Café hinter sich, ist der Besuch der Offa am Samstag um die Mittagszeit bei ausladenden 5 Grad nicht eben ein Event, für den man Stunden Schlange stehen würde. Muss man glücklicherweise auch nicht, denn noch ist es vergleichsweise ruhig im Eingangsbereich der Messe.

Während sich die Bise durch den Mantel gräbt, wummern einem die gefühlt exakt gleichen Schlagerbässe um die Ohren, wie man sie schon vor ein oder auch zwei Jahrzehnten zu überhören versuchte. Olfaktorisch kämpfen Käseschnitten gegen Bratwurst und Pizza an. Natürlich springen irgendwelche Pferde in irgendeinem Wettbewerb über Hürden und während der Suche nach den Einzelgrill-Meisterschaften will man bei fünf Grill- oder Feuerschalenanbietern gleich mehrfach falsch abbiegen.

Wettkampf inklusive Kinderwagen

Nach ein paar Minuten schliesslich bestärkt einen die Stimme eines Moderators, nun doch bei den künftigen Champions des Grillsports angekommen zu sein. Acht von ihnen hantieren hinter Gasgrillen, bearbeiten ihre Schweinsnierstücke und köcheln parallel dazu Basmatireis. Weil es für die nächste und übernächste Wettkampfrunde noch freie Plätze gibt, sprechen die Hostessen des fleischverarbeitenden Sponsors (eine davon ist lustigerweise eine Vegetarierin) Besucherinnen und Besucher direkt an – mit Erfolg.

Für die zweite Runde schreiben sich sofort drei Frauen ein; die eine wird den Wettkampf inklusive Kinderwagen – mit zwei mehr oder weniger schlafenden Kindern – bestreiten. Obwohl die BBQ Single Masters 2019 den jeweils Gruppenersten dieses Qualifikationsturniers zur Teilnahme der Schweizer Meisterschaften bemächtigen, wird bald einmal klar, dass es sich hier bei den allermeisten Teilnehmenden um «Breitensportler» handelt. Drei davon haben sich in den Startminuten bereits in den Finger geschnitten.

Der Modus sieht vor, dass die Teilnehmenden der gleichen Runde jeweils mit den gleichen Zutaten ein Grill-Menu umsetzen. 20 Minuten der Zeit steht ihnen für die Vorbereitung zur Verfügung, während der sie sich an den bereitgestellten Zutaten und Gewürzen frei bedienen können. Die restliche Zeit gilt dem Grillieren. Die Dreier-Jury bewertet die in «Foodtainern» eingereichten Menus dann während etwa 20 Minuten anhand von verschiedenen Kriterien im Punktesystem. Zu jenen gehören beispielsweise der Gärgrad und Biss des Fleisches und natürlich auch der Geschmack der Sauce. Nach knapp anderthalb Stunden kommt es für die erste Runde zur Rangverkündigung inklusive Siegerpodest.

Ein unaufhaltsamer Boom

Obwohl sich der hart arbeitende Moderator alle Mühe gibt, dem Wettkampf zumindest einen Funken Spannung einzuverleiben, ist der Spassfaktor als neutraler Zuschauer eher – nun ja – überschaubar. Spannender ist die soziologische Frage, wer sich überhaupt mit den Besten der Schweiz im Grillieren messen will? Klar, ein «Volkssport» ist dies schon lange – mit unaufhaltsamer Wucht.

Gemäss Recherchen von Coop und «Bilanz» nehmen die Verkäufe von Grills jährlich im zweistelligen Prozentbereich zu und haben die 200'000er-Grenze geknackt. Schweizerinnen und Schweizer grillieren übrigens über ein Jahr hinweg betrachtet etwa an jedem neunten Tag. In der ersten Wettkampfrunde sticht einem Martin Rütti aus Flawil sofort ins Auge. Der 55-Jährige hat sich ein Stirnband um den Kopf geschlungen und tritt kurzärmlig an. Sein T-Shirt offenbart gar einen lokalen Sponsor. Bereits eine Stunde vor dem Start sei er hier gewesen, berichtet er. Und gibt zu, nervös zu sein und am Abend davor noch einmal an den Gärstufen herumstudiert zu haben.

Seine Runde gewinnt er überlegen. Und das Geheimnis für den Erfolg? «Ich kann Geschmäcker und Zutaten im Kopf komponieren, so ähnlich wie ein Künstler.» So klingen Sieger.

Grillieren und den Abfall liegen lassen: «Es ist eine Frage der Erziehung»

Wer den Abfall liegen lässt, dem ist es egal. Wer später bei der Benutzung der Grillstelle davon betroffen ist, den graust es. Von Abfall übersäte Grillstellen an idyllischen Orten sind zur unschönen Realität geworden. Ein Beispiel ist die Grillstelle Rosental. Sie befindet sich an der Grenze zur Gemeinde Wängi und wird von der Gemeinde Münchwilen unterhalten - zweimal pro Woche.
Hans Suter