Hitlergruss im Swisscoy-Einsatz: Militärgericht spricht Thurgauer Leutnant frei

Das St.Galler Militärgericht hat einen Thurgauer Swisscoy-Offizier entlastet. Er war wegen Verstosses gegen die Rassismusstrafnorm angeklagt. Verurteilt wurde er wegen Trunkenheit. 

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(KEYSTONE/Christian Beutler)

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Ein 26-jähriger Thurgauer musste sich im Juni vor dem Militärgericht St.Gallen verantworten. Laut Anklage der Militärjustiz hatte der Leutnant gegen die Rassismusstrafnorm verstossen, wie der «Sonntagsblick» schreibt. Während seines Einsatzes bei der Schweizer Truppe Swisscoy im Kosovo sei der Mann mehrmals durch Hitlergrüsse und «Sieg Heil»-Rufe aufgefallen. So habe er an einem Abend im Feldlager in Prizren eine Bar betreten, in der sich zwanzig Armeeangehörige aus der Schweiz, Deutschland und Österreich befanden. Am Tresen habe er den Arm zum Hitlergruss ausgestreckt und «Heil Hitler!» geschrien. Die umstehenden Soldaten seien gemäss Anklageschrift «sichtlich entsetzt» gewesen. Ein Mitarbeiter der Bar habe den Mann aus dem Lokal weisen wollen – worauf dieser ihn mit dem Handrücken ins Gesicht geschlagen habe.

«Keine rechtsextreme Gesinnung»

Das Militärgericht verurteilte den Offizier zwar wegen Trunkenheit, sprach ihn jedoch vom Vorwurf des Verstosses gegen die Rassismusstrafnorm frei, wie der «Sonntagsblick» weiter schreibt. Auch den Offiziersgrad darf der Mann behalten. Eine schriftliche Urteilsbegründung liege nicht vor. Der Anwalt des Leutnants erklärte den Freispruch gegenüber «Sonntagsblick» damit, dass der Mann gemäss Gericht «nicht wissentlich und willentlich» rechtsextremes Gedankengut verbreitet habe und bei ihm keine rechtsextreme Gesinnung festgestellt wurde. Die Militärjustiz schreibt allerdings in ihrer Anklage, dem Leutnant seien die historischen Hintergründe dieser Grüsse bekannt gewesen, ebenso die Ideologien, für die diese Gesten und Worte stehen. (av)