Historisches Museum Thurgau bleibt im Schloss Frauenfeld – in Arbon entsteht zusätzlich ein Museum für neuere Thurgauer Geschichte

Das Historische Museum bleibt im Schloss Frauenfeld und die volkskundliche Sammlung im St.Katharinental. Aber auch Arbon wird zum Museumsstandort: Dort wird die neuere Thurgauer Geschichte präsentiert. Einen Entscheid gibt es auch in Sachen Kunstmuseum und Kartause Ittingen.

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Das Historische Museum bleibt in Frauenfeld, in Arbon kommt ein neuer Standort dazu.

Das Historische Museum bleibt in Frauenfeld, in Arbon kommt ein neuer Standort dazu.

pd

(red) Wegweisende Entscheide zur Zukunft zwei kantonaler Museen hat der Thurgauer Regierungsrat am Donnerstag verkündet: Das Historische Museum wird um einen Standort in Arbon ergänzt. Und beim Kunstmuseum Thurgau verzichtet der Regierungsrat auf einen grösseren Erweiterungsbau. Dafür soll das Gebäude in der Kartause Ittingen saniert und optimiert werden.

Mehr als zehn Jahre lang habe man Erweiterungsmöglichkeiten für das Historische Museum Thurgau im Schloss Frauenfeld geprüft. Vorgabe sei gewesen, die neuere Thurgauer Geschichte des 19. und 20.Jahrhunderts angemessen präsentieren zu können und Raum für Sonderausstellungen, Kulturvermittlung und Veranstaltungen zu schaffen. Dafür ist eine Projektgruppe «Historisches Museum» eingesetzt worden.

Aufgrund des Berichts dieser Projektgruppe hat der Regierungsrat jetzt einen Grundsatzentscheid gefällt:

  • Der Standort Schloss Frauenfeld soll für Präsentationen der älteren Thurgauer Geschichte (Historisches Museum Thurgau I) mit dem dazugehörigen Schaudepot St.Katharinental beibehalten werden. Damit verbunden soll die Planung für die Sanierung des Schlosses Frauenfeld aufgenommen werden.
  • Ein ergänzendes Historisches Museum Thurgau II für die Präsentation der neueren Thurgauer Geschichte und die Prüfung eines Sonderausstellung-Raumes für alle kantonalen Museen soll in Arbon beheimatet werden.

Es sei vorgesehen, dafür Mittel aus dem Millionenerlös der TKB-Partizipationsscheine zu verwenden. Für die Umsetzung dieses Richtungsentscheides habe der Regierungsrat verschiedene Projektorganisationen eingesetzt. «Die Berichte zum Standort Arbon sowie zur möglichen Sanierung und Optimierung des Schlosses Frauenfeld sollen bis im Frühling 2021 vorliegen», heisst es in der Mitteilung.

Standort im Saurer-WerkZwei-Areal

Die Museumsstadt Arbon werde somit in absehbarer Zeit um eine weitere Attraktion reicher, heisst es in einer Stellungnahme aus dem Arboner Stadthaus. Als Arboner Standort für das Historische Museum favorisiert der Kanton das Saurer-WerkZwei-Areal: Entweder in der Webmaschinenhalle oder im nebenan gelegenen «Neuen Magazin» soll das Museum dereinst Gäste empfangen.

Neben dem Historischen Museum für jüngere Geschichte will der Kanton in Arbon zudem einen grossen interdisziplinären Ausstellungsraum für alle sechs Thurgauer Museen einrichten. Dieser soll für unterschiedliche Wechselausstellungen genutzt werden. «Dies lässt sich mit den in Arbon zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten optimal umsetzen – es passt perfekt ins Gesamtkonzept», lässt sich Stadtpräsident Dominik Diezi in der Medienmitteilung zitieren.

Diezi ist überzeugt, dass in Arbon die Bedingungen für ein kantonales Museum geradezu ideal sind:

«Es freut mich, dass dies in Frauenfeld berücksichtigt und auch die touristische Komponente gewichtet wurde. Diese ausgewogene dezentrale Lösung ist ein Gewinn für den gesamten Kanton Thurgau.»

Der östliche Kantonsteil erhalte ein attraktives kantonales Museum, und zugleich werde der Museumsstandort Frauenfeld durch die Sanierung des dortigen Schlosses gestärkt. Viele Oberthurgauer Politikerinnen und Politiker hätten sich in den vergangenen Jahren mit viel Herzblut für den Museumsstandort Arbon engagiert. Die Freude sei deshalb gross.

Kein Erweiterungsbau für das Kunstmuseum

Seit vielen Jahren auf der politischen Agenda ist auch die Weiterentwicklung des Kunstmuseums Thurgau in der Kartause Ittingen. Im März 2019 sei dafür eine Projektgruppe eingesetzt worden. Als erstes Ergebnis hätten der Kanton Thurgau und die Stiftung Kartause Ittingen die vertraglichen Grundlagen für das Kunstmuseum und das Ittinger Museum neu geregelt. Der Regierungsrat habe den Bericht der Projektgruppe zur Kenntnis genommen.

Das Kunstmuseum ist in der Kartause Ittingen untergebracht.

Das Kunstmuseum ist in der Kartause Ittingen untergebracht.

Bild: Andrea Stalder

Die baulichen Abklärungen und Variantenstudien hätten gezeigt, dass die Voraussetzungen für eine Erweiterung gemäss bisherigem Raumkonzept von mindestens 600 m2 kaum erfüllbar seien. Die zahlreichen Kompromisse aufgrund der hohen Schutzwürdigkeit der Bauten würden eine zielgerichtete Investition verhindern. «Der Regierungsrat hat sich deshalb für die Sanierung und Optimierung des Kunstmuseums Thurgau in den bestehenden Räumlichkeiten ausgesprochen», heisst es in der Mitteilung.

Ein Studienauftrag solle jetzt ausgeschrieben werden mit folgenden Fragestellungen:

  • Wie können die bestehenden Räumlichkeiten saniert, optimiert und allenfalls massvoll ergänzt werden?
  • Wie lässt sich darin ein stringentes, zukunftsgerichtetes Museumskonzept für des Kunstmuseum Thurgau umsetzen?

Eine erste Reaktion auf die Museumsstrategie aus der Thurgauer Politik kommt von SVP-Kantonsrat Hermann Lei. Der Frauenfelder freut sich, dass die Kartause Ittingen nicht mit einem Erweiterungsbau verunstaltet werde, wie er auf Twitter schreibt.

Zusammenfassend heisst es in der Mitteilung des Kantons: «Die bisherigen Museumsstandorte bleiben erhalten und werden durch einen zusätzlichen Standort im Oberthurgau gestärkt. Das ist im Interesse aller Thurgauerinnen und Thurgauer.»

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