Historiker mit knappem Zeitplan

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Im Frühjahr 2015 kam durch einige Zeitungsartikel allmählich ans Tageslicht, was sich im Appenzeller Kinderheim Steig bis in die 1980er-Jahre abgespielt hatte. Die Innerrhoder Regierung beschloss, die Geschichte möglichst rasch von einem Profi aufarbeiten zu lassen (Ausgabe vom 4. Juli). Diesen Profi fanden sie in der Person von Urs Hafner, promovierter Frühneuzeit-Historiker. Hafner, gebürtiger St. Galler mit Jahrgang 1968, hat in Bern studiert und lebt noch heute dort. Mittlerweile arbeitet er als freier Historiker und Journalist. Anfangs der Nullerjahre war er regelmässig in der «WOZ»-Redaktion anzutreffen, heute schreibt er vor allem für die «NZZ» – und längst nicht nur über Historisches: In seinen Analysen befasst er sich auch regelmässig mit dem Veganismus. Die Aufarbeitung der Gräueltaten im Kinderheim Steig nahm Hafner nicht allein in Angriff: Ihm zur Seite stand Mirjam Janett von der Uni Basel. Janett schreibt gerade eine Dissertation über die Fremdplatzierungspraxis in der Schweiz von 1940 bis 1980 und war damit die ideale Ergänzung für den thematisch breit interessierten Hafner. Der politische Druck war gross, für die Untersuchung musste ein knappes Jahr reichen. Die beiden Historiker setzten trotz des knappen Zeitplans nicht auf Aktenstudium, sondern fast ausschliesslich auf Interviews. Herausgekommen ist ein 160-seitiger Bericht ganz im Stil von Hafner: detailliert, exakt, nüchtern und hochrelevant. (hrt)