Reparatur
Schmuckschatulle, Vogelhaus oder Familienbibel: 17 ehrenamtliche Fachleute führten im Aadorfer Repaircafé 100 Reparaturen durch

Zweimal im Jahr kann das Repaircafé im Aadorfer Gemeindezentrum aufgesucht werden, wenn es etwas zu reparieren gilt. Die Gelegenheit dazu nutzten viele.

Kurt Lichtensteiger
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Die Vorstandsmitglieder Erich Stör, Andrea Suter und Kurt Egger.

Die Vorstandsmitglieder Erich Stör, Andrea Suter und Kurt Egger.

Bilder: Kurt Lichtensteiger

Rund 200 Repaircafés gibt es in der Schweiz. In kurzer Zeit hat sich die Institution zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Auch in Aadorf. Wer etwas kostenlos reparieren lassen wollte und gleichzeitig der heutigen Wegwerfmentalität den Kampf ansagen mochte, sah sich am vergangenen Samstagmorgen gut bedient.

17 ehrenamtlich tätige Fachleute, so unter anderem ein IT-Spezialist, ein Buchbinder, ein Messer- und Scherenschleifer, ein Elektriker sowie zwei Textilfachfrauen, allesamt Frauen und Männer aus den Bereichen Elektronik, Mechanik, Holz-, Näh- und Textilarbeit, sassen ab 10 Uhr im Eingangsbereich des Gemeindezentrums und harrten der Gegenstände, die da kommen würden.

Und bald landeten die ersten Schadenfälle auf den Arbeitstischen. Prüfenswerte Blicke oder ein genauerer Augenschein ergaben meist sogleich Aufschluss, ob sich eine Reparatur lohnen würde oder nicht. Erfahrungsgemäss können über 60 Prozent aller Schadenfälle behoben werden. Nicht verwunderlich, denn es sind Profis am Werk, die einen reichen Erfahrungsschatz mitbringen, gepaart mit handwerklichem Geschick. Nicht selten erwies sich die Reparatur als Ergebnis einer einvernehmlichen Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und den Fachkräften vor Ort.

Die beiden Textilfachfrauen hatten viele Aufträge.

Die beiden Textilfachfrauen hatten viele Aufträge.

Bilder: Kurt Lichtensteiger

Eine gute Sache

Als erwartete Patienten entpuppten sich Gegenstände aus dem Alltagsgebrauch, seien dies Küchengeräte, Unterhaltungselektronik, Kinderspielzeuge, Staubsauger, Kleider oder Schmuck- und Dekoartikel. Oft sind es ausgesprochene Lieblingsgegenstände, an denen eine emotionale Bindung hängt. So wie etwa bei einer beschädigten Familienbibel, einer Schmuckschatulle, einem alten Vogelhaus oder alten Holzspielsachen, die auf eine erfolgreiche Reparatur erhoffen lassen.

Insgesamt sollen an diesem Samstag rund 100 Gegenstände begutachtet und allenfalls geflickt worden sein, verriet Andrea Suter, Vorstandsmitglied von Repaircafé Hinterthurgau. Der Verein werde unterstützt von der Stiftung für Konsumentenschutz, aber auch von den politischen Gemeinden und Kirchgemeinden, die ihre Räumlichkeiten und Infrastruktur für die gute Sache zur Verfügung stellen würden. Dauert die Erledigung des Wünschbaren länger, so kann der Gegenstand später abgeholt werden.

Die Wartezeit kann aber auch vor Ort bei lockerer Stimmung verbracht werden. Dies bei Kaffee und Kuchen, ebenfalls von freiwillig Helfenden zubereitet. Wer sich für die gefälligen Dienste mit einem Obolus bedankt, tut natürlich nichts Unrechtes. Weitere Gelegenheit dazu gibt es am 11. März von 10 bis 14 Uhr in Münchwilen und am 13. Mai in Eschlikon.