Freizeit
400 Jugendliche lassen ihre Party im prunkvollen Bürgersaal steigen

Die Jugendlichen feierten die «Winter Night» bei Gesprächen, zu Musik und Drinks in Frauenfeld. Dabei steht nicht nur die Party, sondern auch die Politik im Vordergrund.

Manuela Olgiati
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Die vom Jugendrat Frauenfeld organisierte Party im Grossen Bürgersaal im Rathaus.

Die vom Jugendrat Frauenfeld organisierte Party im Grossen Bürgersaal im Rathaus.

Bild: Benjamin Manser

DJ Marco sorgt am Samstagabend im Bürgersaal mit seiner klingenden Infrastruktur auf der Bühne für den mitreissenden Sound. Die Partygäste bewegen sich zur Musik. Mit der Idee, das Rathaus für die Jugendlichen zu öffnen und somit Zugang zur Politik und Verwaltung zu gewähren, kommen die Mitglieder des Jugendrats bei den jungen Gästen an. Oliver Ammann, der Co-Präsident des Jugendrates Frauenfeld, sagt:

«Wir hoffen auf weitere Mitglieder im Jugendrat.»

Die Stimmung ist ausgelassen gut. Elegant gekleidete junge Männer und Frauen versammeln sich um kleine Stehtische und diskutieren miteinander. Besucher Pasci sagt: «Ich habe mir einen Song gewünscht.» Nun hole er sich einen Drink an der Bar. Ein politisches Engagement müsse jedoch gut überlegt sein. An diesem Anlass geht es um Kontakte knüpfen und neue Leute kennen lernen, sagt Felipe, ein weiterer Besucher. Ein Kantischüler grübelt über sein knappes Budget. Ein Bier koste ihn vier Franken, plus ein Flaschendepot von zwei Franken, rechnet er vor. Politik interessiere ihn.

Mehr Bedeutung für die Jugend

«Seit der Gründung des Jugendrats hat die Stimme der Jugend in der Stadt Frauenfeld mehr Bedeutung erhalten», sagt die 18-jährige Vidhuscha Sounderrajan. Vidhuscha ist bekannt als Gewinnerin im Jahr 2018 im ersten Rang der «Kids-Voice-Tour» im Zürcher Letzipark. An der «Winter Night» singt sie sehr zur Freude der Partygäste einige Lieder.

Kinder- und Jugendrat sind wichtig in Frauenfeld

Frauenfeld erhielt vor zwei Jahren einen Jugendrat. Denn seither sind auch die Jugendlichen in die Entwicklung der Stadt miteinbezogen. Vor zehn Jahren erhielt Frauenfeld das Unicef-Label, das die Stadt als «kinderfreundliche Gemeinde» auszeichnete. Als Massnahme richtete die Stadt 2015 ein Kinderrat ein. Die Mitglieder des Kinderrates wollten nach ihrer Amtszeit weiter aktiv die Stadt mitgestalten, doch sie hatten keine Möglichkeit dazu. Daher kam die Fachstelle vor vier Jahren diesem Wunsch nach und entwickelte den Rahmen für den zweijährigen Pilotversuch des Jugendrates. Mit dem Jugendrat steht eine Anschlusslösung für engagierte Jugendliche. Ziel für Sereina Bonde, die Leiterin, und Silvan Maier von der Fachstelle Kinder- und Jugendanimation 20gi ist es, politische Themen verständlich anzusprechen und so die Jugendlichen für das Mitwirken in der eigenen Stadt zu begeistern. Rund zehn Jugendrätinnen und Jugendräte im Alter von 14 bis 21 Jahren sind derzeit aktiv. (mao)

Zwei Jahre nach der Gründungsversammlung macht der Jugendrat an gleicher Wirkungsstätte ein weiteres Mal auf sich aufmerksam. Auch die Gründung des Jugendrates war im Bürgersaal. Entstanden ist die Idee zur «Winter Night» mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Stadtrat. «Die Bürgergemeinde Frauenfeld gab grünes Licht», sagt Maier. Stadträtin Barbara Dätwyler Weber, Vorsteherin des Departements für Gesellschaft und Soziales, hilft engagiert.

Ausgelassene Stimmung im Grossen Bürgersaal im Rathaus.

Ausgelassene Stimmung im Grossen Bürgersaal im Rathaus.

Bild: Benjamin Manser

Dätwyler bereitet an der Bar Drinks zu. Sie sagt: «Es läuft rund. Wir erhalten viele positive Rückmeldungen. Unseren Partygästen gefällt das Ambiente.» Auch Silvan Maier von der Fachstelle Kinder- und Jugendanimation 20gi nickt zufrieden. Maier sagt:

«Bereits um 20.30 Uhr waren rund 100 jugendliche Gäste anwesend.»

Bis um Mitternacht kamen 400 Partygäste im Alter von 16 bis 21 Jahren. Mit dieser Party wird die Pilotphase des Jugendrates beendet und gleichzeitig soll der Anlass Startschuss für einen fest etablierten Jugendrat in der Stadtverwaltung sein.»

Schon früh engagieren

In der Zwischenzeit bewegte der Jugendrat viel. Jugendräte haben mit Reden an der Labelübergabe zur kinderfreundlichen Gemeinde ihre Lebenswelt und deren Herausforderungen dargestellt. Co-Präsident Oliver Ammann sagt: «Wir bekamen bei der Versammlung des Gemeinderates Antworten auf Fragen und konnten zur Gestaltung der Innenstadt unsere Ideen einbringen. Jugendräte erklärten, dass man sich hier auch vor dem 18. Lebensjahr engagieren kann. Mit der «Winter Night» ist die erfolgreiche Pilotphase beendet. Gleichzeitig diente der Anlass als Startschuss für einen fest etablierten Jugendrat in der Stadtverwaltung mit hoffentlich neuen Jugendräten.

Stadträtin Barbara Dätwyler Weber bei der Arbeit hinter der Bar.

Stadträtin Barbara Dätwyler Weber bei der Arbeit hinter der Bar.

Bild: Benjamin Manser