Hinter jedem erfolgreichen Sportler steht ein starkes Trainergespann: Wie die Brüder Wyler Zehnkämpfer Simon Ehammer an die Weltspitze brachten

Karl und René Wyler haben Zehnkämpfer Simon Ehammer zum Leichtathleten des Jahres geformt. Die beiden Trainer aus Teufen wurden durch den Leichtathletikverband Swiss Athletic ebenfalls geehrt.

Hans Koller
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Karl Wyler (links) und sein Bruder René fördern seit Jahrzehnten junge Leichtathleten.

Karl Wyler (links) und sein Bruder René fördern seit Jahrzehnten junge Leichtathleten.

Bilder: PD

Die Wahl des Zehnkämpfers Simon Ehammer zum Schweizer Leichtathlet des Jahres 2020 ist eine logische Folge seiner fantastischen Leistungssteigerung. Ehammer ist in der Weltspitze angekommen. Sein zweiter Rang in der Weltjahresbestenliste der Zehnkämpfer überragte die vielen guten Schweizer Leichtathletikresultate in diesem Jahr.

International fand insbesondere Beachtung, dass Ehammer bereits mit 20 Jahren zur Weltspitze aufgeschlossen hat, denn für gewöhnlich erreichen Zehnkämpfer erst nach dem 25. Altersjahr ihre Höchstleistungen. Ausrufezeichen setzte der Steiner aber auch in den Einzeldisziplinen. Dabei überragten seine Leistungen im Weitsprung. Ehammer gelangen zwei Sprünge über 8 Meter. Damit gehört er zur erweiterten internationalen Spitze.

Simon Ehammer ist 2020 der zweitbeste Zehnkämpfer der Welt.

Simon Ehammer ist 2020 der zweitbeste Zehnkämpfer der Welt.

Bild: PD

Trainer des Jahres

Karl Wyler, der mit seinem Bruder René zum Trainer des Jahres gekürt wurde, wurde nach der Bekanntgabe mit Gratulationen überhäuft. Es habe gedauert, bis er begriff, welche Ehre ihm zuteilwurde. Die Wertschätzung für seine 40-jährige Tätigkeit bereitet ihm grosse Freude. Sein Bruder René fieberte während des Votings mit seinem Schützling Ehammer mit und war schliesslich überrascht und zugleich erfreut über seine eigene Ehrung.

Bereits während der Aktivzeit begonnen

Karl und René Wyler starteten früh mit ihrer Trainertätigkeit. Bereits während ihrer erfolgreichen Zehnkämpferkarriere stiegen sie beim Nachwuchs des TV Teufe als Leiter ein. Die jüngste Abteilung im Verein stellt für die beiden noch heute die Grundlage und das Reservoir dar, um Athleten wie Simon Ehammer oder Miryam Mazenauer an die Spitze führen zu können.

Karl Wyler erinnert sich gerne an die Höhepunkte seiner Trainerkarriere. Um die Jahrtausendwende führte er seine Athleten an den Europacup im Mannschaftswettkampf (SVM) und Stabhochspringerin Iris Niederer durfte er an die Weltmeisterschaften begleiten. Über Durststrecken redet Karl Wyler kaum, viel mehr hat ihn die Entwicklung der letzten Jahre gefreut, in denen mehrere seiner Athleten wieder um nationale Medaillen gekämpft haben. Besonders stolz ist er über den vorläufigen Höhepunkt an den diesjährigen nationalen Mehrkampfmeisterschaften. An diesen avancierte der TV Teufen mit vier Medaillen, zwei davon aus Gold, zum erfolgreichsten aller teilnehmenden Vereine.

Leiter der Sportlerschule Appenzellerland

René Wyler kann sich häufig über Erfolge freuen. Als Leiter der Sportlerschule Appenzellerland reitet er auf einer Welle. Beinahe im Wochentakt werden nationale oder gar internationale Erfolge gefeiert. Einen besonderen Eindruck hinterlassen haben die Betreuung von Handbikerin Sandra Graf zum Olympiasieg und sein Grundlagentraining, dank dem Appenzeller Schwinger bisher fünf eidgenössische Kränze gewannen. Aktuell freut es ihn besonders, Miryam Mazenauer zur besten Schweizer Kugelstosserin beflügeln zu können. Mit ihren bisher gezeigten Leistungen liegen gar internationale Ziele in Reichweite.

Sie bevorzugen es, bescheiden zu bleiben

Auf Fragen nach ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit antworten die beiden Brüder zögerlich. Sich selber zu rühmen, liegt ihnen nicht. Viel lieber bleiben sie bescheiden und gehen mit wenigen Worten auf gegenseitige Stärken ein. Motivatoren seien sie sicherlich beide, sagen sie. Denn sonst wären die Leichtathletikriege und die Sportlerschule nicht so erfolgreich. Weiter heben sie ihren respektvollen Umgang miteinander und eine gute Diskussionsbasis hervor. Zur erfolgreichen Zusammenarbeit gehöre aber auch eine klare Aufgabenteilung. Nach 35-jähriger Zusammenarbeit werde diese zudem durch ein «blindes Verständnis» auf der Basis ähnlicher Philosophien erleichtert.

Gemäss René hätte Karl ein akribisches Auge, mit dem er Abläufe optimieren könne. Und René sei laut Karl der exakte Planer, sei es beim Erstellen von Trainingsplänen oder im Krafttraining, zudem analysiert er wissenschaftliche Erkenntnisse und setzt diese um. Es gebe aber auch ausführliche Diskussionen über «Neues», sagen die beiden. Als Beispiel erwähnt René Wyler den Wechsel der Kugelstosstechnik hin zum Drehstoss, den er bei Simon Ehammer vorantrieb. Karl sei eher skeptisch gewesen und befürchtete, dass andere Disziplinen darunter leiden könnten. Nach zwei Monaten zog das Trainergespann schliesslich Bilanz und Ehammer wuchtet die Kugel nun mittlerweile wieder mit der traditionellen Wechselschritttechnik.

Akribisches Grundlagentraining

Auch nach 35 Jahren auf dem Sportplatz finden sich die beiden immer, mit dem Ziel, Erfolg zu haben. Die gegenseitigen Ergänzungen spiegeln sich auch in der Zusammenarbeit zwischen der Sportlerschule Appenzellerland und dem TV Teufen. Die aktuellen Erfolge sind möglich, weil an beiden Orten optimale Arbeit geleistet wird. Die Sportlerschule legt die Basis, die im Verein im Training und an den Wettkämpfen erfolgreich umgesetzt wird. Das akribische Grundlagentraining setzt einen starken Verein voraus, damit Spitzenleistungen möglich sind.

Karl Wyler ist aber auch stolz auf die soziale Komponente im Verein. In seiner ganzen Trainertätigkeit legte er grossen Wert auf Teamwettkämpfe, bei denen die Spitzenathleten gemeinsam mit weniger ambitionierten Athleten um Medaillen kämpfen. Es ist ihm ein grosses Anliegen, mit grossen Teams an den Wettkämpfen dabei zu sein. «Für einen erfolgreichen Verein braucht es alle», sagt Karl Wyler. Er weiss, wovon er spricht. Denn grossartige Einzelerfolge entsprangen in Teufen immer nur dank erfolgreicher Vereinswettkämpfe.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Wenn die beiden Brüder über «ihre» Leichtathletik berichten, wird klar, dass ihre Erfolgsgeschichte weitergeht. «Nach einem anstrengenden Tag ist es jeweils schön, zu sehen, wie bis zu 30 Athleten mit zufriedenen Gesichtern die Trainings verlassen», sagt Karl Wyler. Und natürlich sei es ein schöner Lohn, wenn es dank des Aufwands Medaillengewinne zu feiern gebe. Karl Wyler verschweigt dabei, dass in seinem nächstjährigen Terminkalender die Betreuung eines Olympioniken stehen könnte. René Wyler bleibt für die Zukunft analytisch: «Es wäre toll, ein System zu erfinden, das Erfolge garantiert», sagt er und schmunzelnt. Mehr solche Athleten wie Simon Ehammer an die Spitze zu führen, das wäre toll. Eines wird aus dem Gespräch mit den Trainern des Jahres klar: Die Erfolgsgeschichte in Teufen geht weiter.