Hinter Gittern kommt es teurer

Jugendliche Straftäter können hohe Kosten verursachen, wie der umstrittene Fall Carlos zeigt. In geschlossenen Anstalten sind es noch mehr, sagt die Gründerin des Forensischen Instituts Ostschweiz, Monika Egli-Alge.

Thomas Wunderlin
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Frau Egli, können Sie verstehen, dass die Betreuung eines jugendlichen Straftäters 29 000 Franken im Monat kostet?

Monika Egli-Alge: Ja, das kann ich gut nachvollziehen.

Finden Sie es nicht teuer?

Egli: Doch, das ist ein ungeheurer Betrag. Aber es hat mich nicht so erschreckt, weil ich weiss, dass die geschlossene Führung ebenso teuer sein kann.

Auch für den Kanton Thurgau?

Egli: Auch der Kanton Thurgau muss Jugendliche geschlossen unterbringen, zum Beispiel im Gefängnis Limmattal. Das kostet 30 000 Franken im Monat oder mehr.

Mehr als eine Plazierung in einer Wohnung wie im Fall Carlos?

Egli: Ja.

Weshalb?

Egli: Eine Institution, die geschlossene Plätze anbietet, muss Kriterien erfüllen. Zum Beispiel bei den baulichen Massnahmen. Man kann nicht nur die Türen verschliessen, auch die Fenster müssen gesichert sein. Der Jugendliche soll sich nichts antun können. Es muss einen Spazierhof haben. Bei Jugendlichen soll es einen Blick nach draussen haben. Es braucht auch sozialpädagogisch ausgebildetes Personal für die Betreuung. Man kann nicht einen Jugendlichen wochenlang im Kantonalgefängnis einsperren wie einen Erwachsenen und nichts mit ihm machen. Ein Jugendlicher ist noch in Entwicklung. Da muss man schauen, dass der Schaden nicht zu gross wird. Dazu kommt die Therapie.

Billiger geht es nicht?

Egli: Die 30 000 Franken sind schon ein Spitzenwert. So wie ich unser Justizsystem im Thurgau und in der übrigen Schweiz erlebe, so überlegt man sich sehr genau, was nötig ist und was nicht. Ich habe nicht ein einziges Mal erlebt, dass man leichtfertig Geld ausgibt. Wenn wir als Gutachter eine Massnahme empfehlen, dann haben wir zwar nicht in erster Linie die Kosten im Blick. Das ist nicht unsere Aufgabe. Aber es geht uns auch nicht darum, Luxus zu empfehlen. Wir gehen von den vorhandenen Angeboten aus. Eine Sonderbehandlung wie im Fall Carlos haben wir noch nie empfohlen.

Was halten Sie davon?

Egli: In Unkenntnis des Falls kann ich sagen: Eine Sonderbehandlung kann notwendig sein.

Kann eine Sonderbehandlung nach Ihrer Meinung auch ein Kampfsport-Training umfassen?

Egli: Die Meinungen der Fachleute scheiden sich hier. Man muss genau prüfen, ob Kampfsport für einen Jugendlichen mit einer Gewaltproblematik gut oder schädlich ist.

Kommt Thaibox-Training dann in einer Therapie eher in Betracht, wenn ein Jugendlicher sagt, er wolle daran teilnehmen?

Egli: Das ist mir eigentlich relativ gleich. Der Jugendliche, der so schwere Straftaten begangen hat, ist nicht in der Situation, etwas zu wünschen.