HILFSAKTION: «Beim Fischen fluche ich nicht»

Der Appenzeller Kabarettist Simon Enzler will während 50 Tagen nur Fisch essen, den er selber gefangen hat.

Maria Kobler-Wyer
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Immer Bachforellen an der Angel: Simon Enzler. (Bild: zVg)

Immer Bachforellen an der Angel: Simon Enzler. (Bild: zVg)

Simon Enzler liebt Fisch. «Im Sommerhalbjahr esse ich mindestens einmal pro Woche Fisch», sagt der 42-Jährige. Im vergangenen Sommer landete öfters auch Fisch aus dem eigenen Fang auf dem Teller. Enzler hat nämlich das Fischen als neues Hobby für sich entdeckt. Etwa 30-mal hielt er die Angelrute ins Wasser – 17 Fische haben angebissen. Im April geht für Enzler die diesjährige Angelsaison los: Ab diesem Zeitpunkt will er 50 Tage lang nur Fisch essen, den er selber gefangen hat. Denn er macht bei «join-my-challenge.ch» mit – einer Aktion von «Brot für alle» und «Fastenopfer».

Ein junger Appenzeller hat ihn auf die Aktion aufmerksam gemacht. «Die Idee mit dem Fisch war naheliegend, denn bei der Challenge werden Spenden gesammelt für das Projekt für das Recht auf Nahrung», sagt Enzler. Jeder kann die Challenge des Appenzellers mit einer Spende unterstützen. Und wenn zu wenig Spenden zusammenkommen, will Enzler selber für jeden gefangenen Fisch zehn Franken spenden. «Für mich ist die Challenge tatsächlich eine grosse Herausforderung, weil ich noch nicht viel Erfahrung als Fischer habe», sagt er. Deshalb muss er auch nicht lange überlegen, welches sein Lieblingsfisch ist. «Ich muss essen, was ich fange», sagt er. «Bisher hatte ich immer Bach­forellen an der Angel.»

Kein Alkohol, kleine Portionen beim Essen

Beisst kein Fisch an, gibt es für Enzler während seiner Challenge keinen Fisch. Der Kabarettist hat allerdings Übung im Verzicht. Im vergangenen Jahr hat Enzler von Aschermittwoch bis Ostern gefastet. Seit Jahresbeginn schränkt sich Enzler erneut ein: kein Alkohol, kleine Portionen beim Essen, keine Süssigkeiten. «Alkohol gibt es während der Fastenzeit nur im absoluten Notfall wie an meinem Geburtstag im März», sagt der 42-Jährige schmunzelnd. «Und im Restaurant will das Servicepersonal jeweils meiner Frau den kleinen Teller auftischen.» Für ihn selber bringt der Verzicht Vorteile: «Ich fühle mich besser und schlafe erholsamer.»

Enzler fischt am liebsten an der Sitter in der Nähe seines Hauses. «Am Fluss gibt es mehr Abwechslung als am See», sagt der Appenzeller, der die Sitter schon aus Kindertagen kennt. «Ich erlebe meine Heimat neu, entdecke sie mit anderen Augen.» Ihn faszinieren die Ruhe und die Natur. «Beim Fischen will ich nicht diskutieren», sagt der Vater von zwei Buben. Deshalb ist er beim Ausüben seines Hobbys auch am liebsten allein. Sitzt er mit seiner Angelrute am Bach, fokussiert er sich ganz aufs Fischen. Er geniesst es, aufs Wasser zu schauen und in der Natur zu sein. «Das Schöne ist, dass ich während dieser Zeit total abtauchen kann.»

Das Bühnenprogramm entsteht im Büro

Nach Ideen für sein neues Bühnenprogramm, welches er Ende Januar 2019 erstmals auf der Kellerbühne in St. Gallen aufführen wird, sucht er beim Fischen nicht. «Meistens schreibe ich daheim im Büro an meinem Programm.» Im Frühling wird er ein paar Tage in einem Hotelzimmer verbringen, um den Text fertigzuschreiben, im Sommer Anpassungen vornehmen und im Herbst auswendig lernen. Ideen schöpft er aus dem Alltag, aus Gesprächen, Zeitungsartikeln, Bildern, Inseraten. «Oft verwerte ich Sätze, die auf den ersten Blick unspektakulär scheinen.» Was bei keinem Programm von Enzler fehlen darf: Fluchen. Beim Fischen ist das anders. «Dann fluche ich nicht. Ich stosse eher einen Jubelschrei aus, wenn ein Fisch anbeisst», sagt er. «Das tönt dann so: Himmelherrgottsakrament.»

Maria Kobler-Wyer

maria.kobler@tagblatt.ch