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Heute vor 10 Jahren entging die Stadt St.Gallen haarscharf einer Tragödie: Als das Dach der GBS-Turnhalle einstürzte

Am 24. Februar 2009 knallte es im St.Galler Tal der Demut: Das Dach der GBS-Turnhalle stürzte ein. Ein Rückblick auf den grossen Schock und seine Folgen.
Linda Müntener
24. Februar 2009: Um sechs Uhr morgens stürzte das Dach der Turnhalle im Tal der Demut ein.

24. Februar 2009: Um sechs Uhr morgens stürzte das Dach der Turnhalle im Tal der Demut ein.

Es ist ein kalter Februarmorgen, sechs Uhr, Schnee liegt im Tal der Demut, als die Stadt St.Gallen nur knapp einer Katastrophe entgeht. Das Dach der GBS-Turnhalle stürzt ein, unter der Last der Schneedecke. Die Wucht des Aufpralls lässt eine Aussenwand bersten, schleudert Bauteile meterweit weg. «Es klang wie eine Lawine. Etwa 20 Sekunden lang, am Schluss ein Knall», schildert ein Hauswart den Dacheinsturz. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt oder gar getötet. Die Halle ist leer. Anderthalb Stunden später hätte der Turnunterricht beginnen sollen. 80 Schülerinnen und Schüler haben grosses Glück.

10 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit dieses Ereignis die Stadt St.Gallen in die internationalen Schlagzeilen brachte. Ein Blick zurück.

Die Schäden

Die Halle liegt am Morgen des 24. Februar 2009 in Trümmern. Das komplette Dach, 50 Meter lang und 35 Meter breit, ist am Boden. Noch 30 Meter entfernt sind Fetzen gelber Isolationsmatten zu sehen. Die Eingangstür ist aus den Angeln gehoben, in der Halle liegen verbogene Stahlträger, der Fitnessraum ist mit Glassplittern übersät – Sachschaden in Millionenhöhe.

Die Dreifachturnhalle im GBS Riethüsli nach dem Einsturz des Daches. (Bilder: Archiv)
12 Bilder

Als im Februar 2009 das Dach der GBS-Turnhalle im Riethüsli einstürzte

Die Reaktionen

Entgeistert, fassungslos, bestürzt. Die Reaktionen an der Unfallstelle sind alle gleich. Um 7.30 Uhr ist bereits das Fernsehen vor Ort und Regierungsrat Willi Haag sagt in die Mikrofone, was er und weitere Personen im Laufe des Tages immer wieder wiederholen: Dass man «riesiges, unglaubliches Glück» gehabt habe. Regierungsrat Stefan Kölliker spricht von «Sprachlosigkeit, Betroffenheit und Ratlosigkeit». Der Schock bei den Schülern und Lehrern, die an diesem Morgen Turnen auf dem Programm hatten, sitzt tief. Rektor Lukas Reichle und sein Team setzen die drei Sozialarbeiter der Schule für die Betreuung der Betroffenen ein. Für Kantonsbaumeister Werner Binotto ist der Einsturz ein «Rätsel». Es sei die neuste Halle des Kantons und nach den neusten Erkenntnissen gebaut.

Die Ursachen

Die Staatsanwaltschaft beauftragt die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt Empa mit einem Gutachten über die Unfallursache. Neun Monate nach dem Einsturz, im November 2009, gibt sie bekannt: Der Schnee allein war nicht die Ursache. Die eingebauten Dachträger waren zu schwach gewesen. Pikant: In der Planung der Dreifachturnhalle für das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum im Riethüsli waren anfänglich verstärkte Träger vorgesehen, mit denen es «nicht zum Einsturz» gekommen wäre. Beim Bau allerdings wurden die zu schwachen Dachträger verwendet.

November 2010, eineinhalb Jahre nach dem Unglück: Was von der Halle übrig blieb. (Bild: Ralph Ribi, 10. November 2010)

November 2010, eineinhalb Jahre nach dem Unglück: Was von der Halle übrig blieb. (Bild: Ralph Ribi, 10. November 2010)

Die Schuldfrage

Zwei Jahre vergehen, bis die Staatsanwaltschaft mitteilt, dass das Verfahren gegen zwei am Bau beteiligte Personen eingestellt wird. Grund: Das Baudepartement hatte auf die Klärung der Schuldfrage verzichtet, da der Kanton den schnellen Wiederaufbau der Halle einem langen Verfahren über die Schuldfrage vorzog. Zudem zahlte die Versicherung zweier möglicher Haftpflichtiger zehn Millionen Franken, womit dem Kanton Kosten von drei Millionen bleiben. «Die Expertenergebnisse führten in der Baubranche zu einer Sensibilisierung, so dass sich solche Fehler in der Zukunft nicht wiederholen sollten», teilt die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen mit.

Der Wiederaufbau

Projektmanager Ferdinand Hohns, Bauchef Willi Haag und Architekt Daniel Stauffacher beim Spatenstich. (Bild: Ralph Ribi, 16. März 2012)

Projektmanager Ferdinand Hohns, Bauchef Willi Haag und Architekt Daniel Stauffacher beim Spatenstich. (Bild: Ralph Ribi, 16. März 2012)

Langwierige juristische und versicherungstechnische Abklärungen zu Haftungsfragen und diverse Gutachten und Gegengutachten verzögern den Wiederaufbau der Turnhalle. Im März 2012, drei Jahre nach dem Unglück, beginnen schliesslich die Arbeiten. Doch beim Spatenstich fahren keine grossen Maschinen auf. Bauchef Willi Haag sagt vor den Medien, er wolle einen «Neustart in Demut», in Anspielung auf den Namen des Tals.

April 2013: In und rund um die Turnhalle laufen die Arbeiten für den Wiederaufbau. (Bild: Urs Bucher, 16. April 2013)

April 2013: In und rund um die Turnhalle laufen die Arbeiten für den Wiederaufbau. (Bild: Urs Bucher, 16. April 2013)

Seit Sommer 2013 wird in der Halle wieder geturnt. Sie besteht teilweise aus der ursprünglichen Bausubstanz. Die Farbe im Innern ist allerdings neu: Waren Wände und Boden früher hellblau, sind sie heute grün. Eine bewusste Entscheidung des Kantons: Wer die Halle betritt, soll nicht mehr an den Einsturz erinnert werden.

Die neue Dreifachsporthalle nach Abschluss der Bauarbeiten – neu ist die grüne Bodenfarbe. Sie soll nicht mehr ans Unglück erinnern. (Bild: Michel Canonica, 3. Juli 2013)

Die neue Dreifachsporthalle nach Abschluss der Bauarbeiten – neu ist die grüne Bodenfarbe. Sie soll nicht mehr ans Unglück erinnern. (Bild: Michel Canonica, 3. Juli 2013)

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