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Interview

«Heute ist mein Lachen unverkrampft» - seit 40 Jahren ist Gabriela Rickli-Gerster ein begehrtes Model

Gabriela Rickli-Gerster steht mit viel Lebenserfahrung auf dem Laufsteg und vor der Kamera. Gefragt ist die Vorarlbergerin auch heute - mit bald 65 Jahren.
Interview: Bruno Scheible, Desirée Müller
Gabriela Rickli-Gerster arbeitet im In- und Ausland als Model. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Gabriela Rickli-Gerster arbeitet im In- und Ausland als Model. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Sie werden bald 65 Jahre alt und sind ein gefragtes Classic Model. Wie wollen die Kunden Sie sehen?

Gabriela Rickli-Gerster: Von Werbung bis hin zu High-Fashion will der Kunde, der mich bucht, eine Frau, die selbstbewusst und mit viel Lebenserfahrung entweder über den Laufsteg geht oder in die Kamera schaut. Kunden vertrauen darauf, dass ich durch mein Aussehen, meine Ausstrahlung und mein Alter ihr Produkt glaubwürdig verkaufen kann.

Wie würden Sie selber das Schönheitsideal im Älterwerden beschreiben?

Meine Mutter entspricht meinem Schönheitsideal im Alter! Hellwach im Kopf, etwas eitel, aber sich selber nicht zu ernst nehmend.

Die Schauspielerinnen Jane Fonda (82) und Iris Berben (68) werben beide für eine Kosmetiklinie von L’Oréal. Sie können also noch lange weiterarbeiten ...

Ihr Wort in Gottes Ohr (lacht). Natürlich würde ich mich freuen, noch lange in dem Business arbeiten zu können, weil ich es liebe, auf dem Laufsteg und vor der Kamera zu stehen. Ich bin aufs Alter hin eine echte Rampensau geworden. Mit 20 war ich sehr schüchtern und versuchte immer, «schön» zu sein.

Jetzt weiss ich, dass man mich wegen meiner grauen Haare bucht, weil ich meine Fältchen um die Augen habe – und eben nicht mehr 20 bin.»

Heute ist mein Lachen unverkrampft, und mein Ziel ist nicht mehr perfekt zu sein. Das ist so befreiend!

Fotografen nennen Sie die «Königin der Ladymodels». Wie stolz sind Sie auf diese Auszeichnung?

Ich finde, dass jede Frau eine «Königin» ist oder zumindest, wie eine behandelt werden möchte, da bin ich keine Ausnahme. Aber wissen Sie, «stolz» ist nicht so mein Ding. Ich würde eher sagen, dass ich es mit Demut sehe, mit 65 noch so fit sein zu dürfen und noch gebucht zu werden.

In Altstätten führte Gabriela Rickli-Gerster während 14 Jahren eine Künstleragentur. (Bild: Maurizio Montani)

In Altstätten führte Gabriela Rickli-Gerster während 14 Jahren eine Künstleragentur. (Bild: Maurizio Montani)

Was möchten Sie Frauen vermitteln?

Den jungen Frauen kann ich zeigen, dass sie selber bestimmen, wie sie alt werden wollen, und den «Alten» kann ich vormachen, dass man nie aufgeben darf, an seine Träume zu glauben und dafür zu arbeiten.

Wer wie Sie einen Namen in der Branche hat, der hat auch seinen Preis. Verraten Sie uns Ihre Gage?

Nein. Sie können mich ja über meine Agentur buchen, dann werden Sie die Gage erfahren …

Wie halten Sie sich für Ihren Beruf fit?

Ich lebe seit 40 Jahren vegetarisch und in den letzten Jahren schon fast vegan. Das macht Körper, Geist und Seele leicht und hält die Haut schön und den Körper fit. Ich schaue ausserdem darauf, dass ich täglich auf meine 10000 Schritte an der frischen Luft komme. Zweimal in der Woche bin ich auf dem Power Plate. Auch mache ich täglich meine Yogaübungen – aber da schwänze ich schon mal, wenn ich auf Reisen bin.

Wohin führt Sie Ihre Arbeit?

In letzter Zeit nach Hamburg und London. Auch nach Holland, Belgien und Dänemark. An der Londoner Fashion Week lief ich kürzlich für Vivienne Westwood über den Laufsteg.

Vor 40 Jahren begannen Sie Ihre Modelkarriere in den USA: Was hat sich seither in der Modewelt und in der Werbung am meisten verändert?

Durch die sozialen Medien und TV-Shows wie zum Beispiel «Germanys next Topmodel» ist ein Boom entstanden, den es zur damaligen Zeit nicht gab.

«Modeln war damals ein Beruf wie jeder andere und man war kein ‹Star› deswegen. »

Heute hat es mehr von allem: mehr Models, mehr Fotografen, mehr Hair- und Make-up-Artists, mehr Stylisten.

Wie behaupten Sie sich heute in einer Welt, die doch im Wesentlichen geprägt ist von einem verbissenen Wettbewerb vieler junger Models?

«Behaupten» tue ich mich gar nicht. Ich bin einfach da. Ich habe weltweit hervorragende Modelagenturen, die mich vermitteln. Wer mich will, will mich, und wer nicht, nicht. Das sehe ich völlig entspannt. Kunden sagen mir, dass sie durch mich eine Umsatzsteigerung von bis zu 25 Prozent erzielten, weil Frauen sich von mir angesprochen fühlen. Was will ich noch mehr. Das ist doch ein grosses Kompliment, denn Frauen sind sehr kritisch.

Die gebürtige Vorarlbergerin ist verheiratet und lebt in Vaduz. (Bild: Oliver Rust)

Die gebürtige Vorarlbergerin ist verheiratet und lebt in Vaduz. (Bild: Oliver Rust)

Sie sprachen sich in einem früheren Interview gegen Schönheitsoperationen aus ...

Ok, das war früher. Heute denke ich darüber etwas anders. Ich habe vor ein paar Jahren die Augenlider straffen lassen, weil mir die überschüssige Haut auf den Augendeckeln lag. Das liess mich traurig aussehen und das wollte ich nicht mehr. So eine OP hätte ich mir vor 40 Jahren einfach noch nicht vorstellen können. Ich bin allerdings nach wie vor gegen Botox, weil das meines Wissens immer noch an Tieren getestet wird und daher kommt das für mich schon aus Tierschutzgründen nicht in Frage. Ausserdem möchte ich meine Mimik behalten.

Ist es ein Stress, stets top gestylt sein zu müssen?

Das muss ich nicht. Dort, wo ich wohne, sehen mich die Leute häufig im Yogadress oder wenn ich gerade mit meinem Mann vom Laufen komme, noch schnell auf der Post bin oder beim Einkaufen. Da fühle ich mich nie verpflichtet, gestylt herumzulaufen.

Was wünschen Sie älteren Frauen, aber auch den älteren Männern von heute?

Ein schmerzfreies, lustvolles, freudvolles und interessantes Leben und dass uns allen die Suppe aus der Schnabeltasse im Altersheim erspart bleibt.

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