Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Herrchen im Hotel, Haustier im Heim: Ostschweizer Tierpensionen platzen aus allen Nähten

Wer sein Haustier nicht in die Ferien mitnehmen kann, lässt es fremdbetreuen – oder setzt es im schlimmsten Fall aus. Heime und Tierschutzorganisationen sind derzeit speziell gefordert. Teils herrscht Frust über den Egoismus von Haltern.
Daniel Walt
Nicht immer können Hunde mit in die Ferien - sie werde dann meist in Tierheimen betreut. (Bild: Keystone)

Nicht immer können Hunde mit in die Ferien - sie werde dann meist in Tierheimen betreut. (Bild: Keystone)

Sommer, Sonne, Sonnenschein: Herrchen und Frauchen geniessen ihre Ferien am Strand. Und irgendwo an einer Autobahnraststätte versteht ein angebundener Hund die Welt nicht mehr. Das Bild von Bello, einst geliebt und jetzt verlassen, prägt seit Jahren die Debatte über ausgesetzte Haustiere. Zumindest in der Schweiz entspricht es allerdings nicht mehr der Realität. «Dieses Problem kennen wir nicht mehr», heisst es unisono von den Polizeikorps in der Ostschweiz.

«Die Chippflicht für Hunde dürfte hauptverantwortlich für den Rückgang solcher Fälle sein», erklärt stellvertretend Dionys Widmer von der St.Galler Stadtpolizei. Hintergrund: Wer seinen Hund einst gechippt und registriert hat, kann es sich nicht mehr erlauben, ihn einfach so auszusetzen.

Wesentlich einfacher funktioniert das bei Meerschweinchen, Hase, Ratte & Co. Erich Feineis, Präsident des Tierschutzvereins Stadt St.Gallen und Umgebung:

«Wir sind insbesondere in den Sommerferien mit ausgesetzten Kleintieren konfrontiert.»

Diese werden laut Feineis meist an einem Waldrand zurückgelassen. Die Dunkelziffer sei hoch, sagt er. «Sind die Tiere zahm, können wir sie einfangen. Andernfalls rennen sie davon und werden zur Beute von Füchsen. Ihre Überlebenschance in freier Natur ist gleich null.»

Das Tier wird lästig

Es gebe Menschen, die ein Tier wie ein Wegwerfprodukt behandelten, stellt Erich Feineis fest. Ins gleiche Horn stösst Beatrice Baumann, Präsidentin der in Mattwil ansässigen Tierhilfe Schweiz. Sie ist seit über 30 Jahren im Tierschutz tätig – der gedankenlose Umgang mit Lebewesen bringt sie aber auch heute noch auf die Palme. Sie sagt:

«Die Dummheit und der Egoismus der Menschen sind grenzenlos.»

Irgendwo auf der Welt finde man seinen Traumhund oder die Traumkatze. Man schaffe sich das Tier an, ohne sich über die Vorschriften zu informieren oder mit dem Vermieter zu klären, ob man es überhaupt halten dürfe. Die Folge: Bald wird das Tier lästig. Man gibt es dann bei einer Tierschutzorganisation ab – oder setzt es im schlechtesten Fall aus. «Beides passiert mittlerweile über das ganze Jahr – besonders extrem ist es aber im Vorfeld der Kündigungstermine von Wohnungen und in den Sommerferien», sagt Baumann.

Alles ausgebucht

Verantwortungsvolle Tierhalter kümmern sich sorgfältig darum, wer ihren Liebling während einer Ferienabwesenheit versorgt. Mit Vorteil tun sie dies schon Monate zuvor, denn: Die Ostschweizer Tierpensionen platzen derzeit aus allen Nähten. «Keine Chance mehr», heisst es beispielsweise bei Elsbeth Lanz aus Berneck. Sie kann maximal acht Hunde gleichzeitig beherbergen – «ab Ende April ist für die Sommerferien im Normalfall nichts mehr zu wollen».

Gleich tönt es im Katzenhotel von Roland Röthlisberger aus Oberneunforn. Er muss derzeit pro Tag zwei bis drei Katzenbesitzer abweisen, die kurzfristig noch ein Ferienplätzchen für ihr Tier suchen. Selbst grosse Tierheime wie das Sitterhöfli in Engelburg sind derzeit voll belegt – rund 50 Katzen und ebenso viele Hunde sind dort aktuell in den Ferien. Und auch jene Halter, die erst in den Herbstferien wegfahren, müssen sich langsam sputen: Im Pfotenhotel von Ruth Germann in Hundwil werden die Plätze für den Oktober bereits knapp.

Hunde im Rheintal ausgesetzt

«Tendenziell sind die Leute mittlerweile etwas verantwortungsvoller geworden. Sie suchen ein Plätzchen für ihr Tier», sagt Nicole Rohner, Präsidentin des Tierschutzvereins Rheintal. Sie bestätigt zwar die Aussage, dass weniger Hunde als früher ausgesetzt werden. Trotzdem komme es im Rheintal ab und an vor, dass Hunde aufgefunden würden. «Sie wurden beispielsweise in Deutschland gechippt», sagt sie.

Rohners Vermutung: Entweder wurden die Tiere mit auf die Ferienfahrt genommen und unterwegs dann entsorgt. «Oder dann fahren Menschen aus dem grenznahen Ausland extra über die Grenze und setzen die Tiere hier in grösserer Entfernung aus, damit diese auch sicher nicht mehr heimfinden.» Solche Fälle treiben Nicole Rohner auch nach jahrelanger Arbeit im Tierschutz noch die Tränen in die Augen. Sie sagt:

«Einfach nur traurig, wozu Menschen fähig sind.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.