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Hermann Hess: Der virtuose Thurgauer Unternehmer und Investor

Der Thurgauer Hermann Hess gehört zu den erfolgreichsten Unternehmern der Ostschweiz. Der Investor aus Amriswil über Immobilien, Schiffe und Sonaten.
Bruno Scheible/Andreas Ditaranto
Hermann Hess weiss, was er will und was er kann – ohne zu protzen. (Bild: Beat Belser)

Hermann Hess weiss, was er will und was er kann – ohne zu protzen. (Bild: Beat Belser)

Herr Hess, Sie werden im Dezember 68 Jahre alt, sind aber immer noch «voll im Saft» und voller Tatendrang – wann wollen Sie sich zur Ruhe setzen?

Hermann Hess: Es gibt dafür keinen Plan. Ich arbeite für die beiden Unternehmen, bei denen ich Verwaltungsratspräsident, Alleinaktionär beziehungsweise Hauptaktionär bin, zu 40 Prozent. So wird es vorläufig auch bleiben.

Das Familienunternehmen im Textilbereich wandelten Sie in den Neunzigerjahren in ein Immobilienunternehmen um. Wie und wo sind Sie heute mit der Hess Investment AG tätig?

In der ganzen Schweiz sowie in Stuttgart und Berlin. Wir sind spezialisiert auf Gewerbeimmobilien. Sehr oft richtet sich unser Fokus auf problematische Gebäude, die man im Markt neu nutzen und positionieren muss.

Können Sie Beispiele nennen?

Ein Beispiel im Thurgau ist das Einkaufszentrum Amriville, unsere ehemalige Textilfabrik in Amriswil. Oder das Ziil-Center Kreuzlingen, die ehemalige Raichle-Schuhfabrik. Ein drittes Beispiel ist das Ceha-Zentrum ebenfalls in Kreuzlingen, ein früheres EPA-Warenhaus. In den Städten Zürich, Basel und Stuttgart haben wir derzeit Liegenschaften, die wir auf diese Art transformieren.

Sie führen das Familienunternehmen in fünfter Generation. Ist die sechste schon bereit?

Mein Sohn hat erst gerade seinen zwölften Geburtstag gefeiert, meine Tochter ist vierzehnjährig. Es wird also noch eine Weile dauern. Wer weiss, was einmal sein wird.

Sind Sie als Retter und Hauptaktionär der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt auch auf den Schiffen anzutreffen?

Ja, regelmässig. Als Gast auf einem Schiff geniesse ich die Weite des Sees. Ich selber habe kein Boot.

Vergleicht man das deutsche und das Schweizer Bodensee-Ufer, so scheint es, als würde man auf deutscher Seite den Gästen mehr Beachtung schenken und ihnen mit reichhaltigen Gastro-Angeboten und Flaniermeilen auch mehr bieten.

Ja, das wird auch durch Zahlen belegt. Die Zahl der Übernachtungen auf deutscher Seite übersteigt jene auf Schweizer Seite um das Zehnfache. Es wurde und wird in Hotellerie und Gastronomie viel mehr investiert.

Woran liegt das?

Zum einen gibt es in Baden-Württemberg sonst nur wenige Seen, und der Bodensee ist deshalb ein beliebtes Ziel. Zum andern haben die Thurgauer und St. Galler den See früher lange nicht als Erholungszone angesehen. Ein Unterschied mag auch darin liegen, dass sie sich weniger zutrauen.

Wann können denn Sie mit dem Bau des neuen Hotels am Hafen in Romanshorn beginnen?

Das ist ungewiss. Wir haben das Grundstück und sind nun mitten in der Planung und Entwicklung. Es folgen Gestaltungsplan und Abstimmung. Das kann noch bis zu drei Jahre dauern. Wir glauben aber daran, dass ein Hotel an dem Standort auch für Romanshorn von Vorteil sein wird.

Es gibt einige Nostalgiker, die ein Dampfschiff auf dem Bodensee vermissen. Warum will man bei der SBS keines betreiben?

Wir vermissen keines (schmunzelt). Es gab Dampfschiffe, die SBB als frühere Besitzerin hatten einst mehrere betrieben. Diese wurden dann ausgeschlachtet und im See versenkt. Sieht man heute Dampfschiffe – etwa auf dem Vierwaldstättersee –, so ist ihr Betrieb nur dank eines grossen Freundeskreises möglich, der Geld spendet. Für uns als KMU ist der Betrieb eines Dampfschiffes zu aufwendig.

Sie sind FDP-Mitglied. Zum Freisinn alter Schule gehört in der Regel auch eine Karriere im Militär. Sie bekleideten «nur» den Rang eines Korporals ...

Ich wollte weitermachen und Offizier werden. Der Schulkommandant meinte allerdings mit Blick auf mein Musikstudium, ich sei nicht gemacht für eine Militärlaufbahn. Das war, kurz nach dem Tod meines Vaters, eine sehr schmerzliche Erfahrung.

Sie sind ausgebildeter Pianist – entspannt Sie die Musik?

Klavierspielen ist für mich in erster Linie eine andere Arbeit. Als Pianist habe ich kürzlich in Mammern, Bottighofen und Lindau drei Konzerte gegeben zusammen mit der Violinistin Oriana Kriszten. Sie ist festes Mitglied des Sinfonieorchesters St. Gallen, und wir haben Mozarts Sonaten für Klavier und Violine gespielt.

Das erfordert Übung ...

O ja. Ich übe viel, in der Konzertphase sind es drei Stunden täglich. Aber es macht Freude, ich laufe wieder zur Form auf, die ich früher gehabt habe.

Will man Sie googeln, schlägt die Suchmaschine «Hermann Hesse» vor. Mögen Sie die Bücher Ihres «Namensvetters»?

Ich habe alles von ihm gelesen – allerdings in jungen Jahren. Ich lese gerne Thomas Mann und Joseph Conrad, auch Schiller, Goethe und Shakespeare. Ich interessiere mich aber insbesondere für Geschichtsbücher. Ausserdem lerne ich gerne Gedichte auswendig – das ist eine gute Gedächtnisübung.

Beschreiben Sie sich selbst anhand dreier Attribute ...

Ich bin ein ernsthafter, kreativer und konsequenter Mensch – in dem Sinne, dass ich an den Themen dran bleibe.

Spenden für Kultur

Aus Anlass des 140-jährigen Bestehens des Familienunternehmens unterstützt die Hess- Investment-Gruppe vier kulturelle Institutionen mit insgesamt 140 000 Franken: das Presswerk in Arbon, das Kino Roxy in Romanshorn, die Stiftung Kulturforum in Amriswil sowie die Stiftung Kartause Ittingen.

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