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«Herber Verlust»: Reaktionen zum Abgang des St.Galler Fachhochschul-Rektors Wörwag – Kritik an «Zersplitterung»

Die überraschende Rücktrittsankündigung von FHS-Rektor Sebastian Wörwag befeuert die Debatte um die neue Ostschweizer Fachhochschule. Kantonsräte sehen die Regierung in der Verantwortung.
Katharina Brenner
Rektor Sebastian Wörwag hat seinen Weggang von der Fachhochschule St.Gallen angekündigt. (Archivbild: Ralph Ribi)

Rektor Sebastian Wörwag hat seinen Weggang von der Fachhochschule St.Gallen angekündigt. (Archivbild: Ralph Ribi)

Seit 2003 leitet Sebastian Wörwag die Fachhochschule St.Gallen. Jetzt will er weg. Spätestens im Herbst 2020 werde er die Schule verlassen, schreibt er in einer internen Mitteilung an die Mitarbeitenden.

Arno Noger, FDP-Kantonsrat und Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Arno Noger, FDP-Kantonsrat und Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Der Abgang von Sebastian Wörwag sei «ein herber Verlust». Er habe die Fachhochschule St.Gallen (FHS) «sympathisch und kompetent repräsentiert» und «sehr gut im Netzwerk der Bildungsinstitutionen positioniert», sagt Arno Noger, FDP-Kantonsrat und Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Nogers Partei- und Ratskollege, Stadtpräsident Thomas Scheitlin, sagt, er «bedaure es sehr», dass Wörwag die FHS verlasse. «Mit seiner weitsichtigen, überlegten Art und seinem innovativen Geist» habe er sehr viel für den Bildungsstandort geleistet.

Linke befürchten Doppelspurigkeiten

Wörwag machte in seinem Schreiben die aktuellen Entwicklungen rund um die Neuordnung der Fachhochschule verantwortlich. SP-Kantonsrat Peter Hartmann findet es denn auch wichtig, die Gründe für diesen Rücktritts anzuschauen. Er kritisiert die «Zersplitterung» der neuen Fachhochschule Ost, sie habe «zu wenig Profil».

Zur neuen Ostschweizer Fachhochschule gehören die Standorte St.Gallen, Rapperswil und Buchs. Seit Januar steht fest, dass das Rektorat für alle Standorte in Rapperswil sitzen wird, ebenso die Leitung des Informatik-Departements. Das Departement Technik hat mehrere Abteilungen an unterschiedlichen Standorten.

IHK-Direktor unterstützt Standort Rapperswil

Die SP-Grünen-Fraktion kritisierte in einem Vorstoss «Doppelspurigkeiten». In ihrer Antwort schreibt die Regierung von einer «fachlich optimierten Lösung». Bestehende Kompetenzen würden so «optimal eingesetzt». Ferner kritisieren SP und Grüne den Sitz von Rektorat und der Leitung der Informatik in Rapperswil. In St.Gallen liege der «Hotspot in der Informatik». Rapperswil dagegen werde nicht «als Zentrum einer zukünftigen Metropolitanregion St.Gallen-Bodensee-Rheintal» wahrgenommen, sondern sei nach Zürich ausgerichtet.

Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Für Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell, ist der Standort des Rektorats in Rapperswil «folgerichtig und nicht anzugreifen». Die Hochschule habe dieselbe Grössenordnung wie jene in St.Gallen. Jeder politische Entscheid sei auch ein regionalpolitischer. Ziel der Fachhochschule Ost müsse sein, Lehrgänge wie Informatik in einem Departement zu entwickeln, aber auch an anderen Standorten anzubieten.

Vergleich mit Firma und mehreren Büros

Laut SVP-Fraktionspräsident Michael Götte darf der Sitz des Rektorats in einem grossen Verbund wie der Fachhochschule Ost keine Rolle spielen – «ähnlich einer grossen Firma mit mehreren Büros».

«Diese Flexibilität erwarte ich von einem Rektor im Kanton St.Gallen.»

Von Wörwags Entscheid zeigt er sich überrascht. «Mit seinen rhetorischen Fähigkeiten und seinem Wissen» wäre er «ein klarer Kandidat für das Amt des Rektors der Fachhochschule Ost gewesen».

Michael Götte, Fraktionspräsident der SVP. (Bild: Regina Kühne)

Michael Götte, Fraktionspräsident der SVP. (Bild: Regina Kühne)

Götte ist mit SP-Präsident Max Lemmenmeier Mitglied der vorberatenden Kommission des Kantonsrats zur Errichtung der neuen Fachhochschule. Sie kommt am Montag zusammen. Übereinstimmend sagen sie, dass zur Vorlage noch immer Unterlagen fehlen. Personalrechtliche Fragen, die berufliche Vorsorge sowie Anreizsysteme für Professoren seien nicht geklärt.

Götte gibt ein Beispiel: Wenn an der Hochschule in Rapperswil Professoren Projekte aus der Wirtschaft akquirieren, könnten sie Beteiligungen daran geltend machen. Andere Standorte handhaben das anders.

«Diese Fragen müssen wir klären. Nach den Erfahrungen an der Universität St.Gallen sind wir gebrannte Kinder.»

Max Lemmenmeier, SP-Präsident. (Bild: Ralph Ribi)

Max Lemmenmeier, SP-Präsident. (Bild: Ralph Ribi)

Lemmenmeier findet, das Bildungsdepartement habe nichts gelernt aus den Vorkommnissen an der Uni. «Wenn es die Unterlagen bis kommende Woche nicht nachreicht, erwägen wir, einen Auftrag an die Regierung zu stellen», so Götte. Erste und zweite Lesung würden dann möglicherweise im Juni stattfinden – und die Volksabstimmung über die neue Fachhochschule «auf jeden Fall» im November dieses Jahres.

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