Hemberg platzt aus allen Nähten

Die Wiederaufnahme des Bergrennens auf den Hemberg und das schöne Wetter zogen über 10'000 Zuschauer ins Neckertal – fast zu viele: Der Verkehr in der Region brach stellenweise zusammen.

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Das Bergrennen und das ideale Wetter liessen über 10 000 Besucher ins Neckertal strömen. (Bilder: Urs Bucher)

Das Bergrennen und das ideale Wetter liessen über 10 000 Besucher ins Neckertal strömen. (Bilder: Urs Bucher)

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Das Wetter hatte über Nacht gedreht; damit änderten sich für alle Beteiligten die Bedingungen radikal. Mancher Rennsportfan aus der Schweiz, manche Familie aus der Region, die bis dahin noch gezögert hatten, machten sich am Sonntagvormittag auf ins Neckertal, um das Bergrennen auf den Hemberg, das 22 Jahre nicht mehr stattgefunden hatte, zu erleben.

Kurz nach Mittag mussten die Organisatoren den Ansturm auf das 1000-Seelen-Dorf teilweise stoppen, so wurde die nördliche Einfallsachse in St. Peterzell für Neuankömmlinge um etwa 13 Uhr komplett gesperrt. Nicht weil wie im Fussball das Stadion voll gewesen wäre – in einer Naturarena gibt es theoretisch keine Obergrenze –, sondern weil die Infrastruktur am Rand des Zusammenbruchs stand.

Mehr als 10'000 Zuschauer

Am Abend schliesslich schätzte das OK die Zahl der Zuschauenden auf «über 10 000, aber unter 15 000». Stundenlange Kolonnen vor den Bier- und Bratwurstständen, massive Zuschauerströme auf der einzigen Dorfkreuzung und komplett überfüllte Shuttlebusse waren die äusseren Anzeigen eines sich abzeichnenden Kollapses. Zwar war auf den Zuschauerzonen am Rande der Rennstrecke davon nichts zu spüren. Hier war die Stimmung jederzeit gut, man freute sich ob des aussergewöhnlichen Rennsportereignisses in der malerischen Bergkulisse des Vor-Alpsteins. Doch wer in der Hitze Durst oder Hunger verspürte, dessen Nerven und Fitness im recht steilen Gelände wurden strapaziert.

Das neue Bergrennen Hemberg fand auf einer neuen Strecke statt. Die Distanz von 1,7 Kilometern legten die Schnellsten unter den Amateur- und Profifahrern in rund einer Minute zurück. Zugelassen waren Formel-Rennwagen wie auch strassengängige Autos. Einige ehemalige Fahrer wie der Unternehmer Fredy Lienhard oder der mehrmalige Sieger dieses Bergrennens, Fredy Amweg, oder der Lokalmatador Edy Kobelt, der den Bewerb bei zehnmaliger Teilnahme fünfmal gewonnen hat, nahmen in ihrer Kategorie teil, und zwar ungeachtet ihres fortgeschrittenen Alters, sind doch alle drei bereits in Pension oder nahe daran. Erinnert wurde auch daran, dass in den Siebzigerjahren auch der verstorbene Formel-1-Fahrer Clay Regazzoni zweimal am Bergrennen Hemberg teilgenommen hatte.

Sieben Jahre Vorbereitung

Sieben Jahre dauerte der Relaunch des ehemals traditionellen Bergrennens. Die minutiöse Planung des neuen und unbefangenen OKs mündete in einem nicht erwarteten Publikumserfolg. Dem OK gelang es, das Rennen in der Bevölkerung zu verankern. Das ganze Dorf, die Vereine, die Bauern, alle liessen sich auf das Wagnis ein, betrieben Marktstände, reihten sich in die lange Liste der 370 Helfenden ein oder organisierten die grosse Dorfparty am Samstagabend. Natürlich gab es auch Gegner der Grossveranstaltung, so hielt die Co-Präsidentin der Grünen Partei Toggenburg, Daniela Vetsch, den Anlass für einen «ökologischen Schwachsinn». Doch weil die potenzielle Gegnerschaft von Anfang an über alle Schritte informiert wurde, blieb es bei verbaler Opposition.

Ausnahmezustand

Am Renntag selbst herrschte im malerischen Dörfchen der Ausnahmezustand. Das ganze Gemeindegebiet war von der Polizei für jeglichen privaten Verkehr von ausserhalb gesperrt worden. Der Transfer zu den Parkzonen in den Nachbardörfern wurde mit Shuttlebussen sichergestellt. Der Sonntagsgottesdienst fiel aus sowie auch die Möglichkeit, im Weiler Bächli seine Stimme zu den Wahlen und Abstimmungen abzugeben. Die Wahlurne hätte auf zu grossen Umwegen ins Gemeindehaus gebracht werden müssen. Bereits früh am Morgen trieben Jäger allfälliges Wild aus den Wäldern am Renngelände. Entschädigt wurden die Einwohnenden mit einem Gratiseintritt im Wert von 29 Franken. Wer Motorenlärm, Abgasgeruch und Menschenaufläufe nicht mochte, verliess kurzerhand am frühen Morgen das Dorf.
Michael Hug

Formel-Rennwagen waren zum Bergrennen zugelassen . . . (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Formel-Rennwagen waren zum Bergrennen zugelassen . . . (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

. . . aber auch strassengängige Autos nahmen teil. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

. . . aber auch strassengängige Autos nahmen teil. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Die schnellsten schafften die 1,7 Kilometer in unter einer Minute. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Die schnellsten schafften die 1,7 Kilometer in unter einer Minute. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))