Heisser Auftakt in Frauenfeld

Ein Auftakt nach Mass: Heiss, schwül, laut und mit dem Duft von Rindenhäcksel. Das 16. Open Air Frauenfeld startete gestern mit 45 000 Besucherinnen und Besuchern. D12, Stress und Eminem hiessen die Haupt-Acts.

Michael Hug
Drucken
Star der Schweizer Szene am ersten Festival-Tag: Stress mit Co-Sängerin. (Bild: Coralie Wenger)

Star der Schweizer Szene am ersten Festival-Tag: Stress mit Co-Sängerin. (Bild: Coralie Wenger)

Frauenfeld. Wenn einmal alle da sind, atmet die Thurgauer Kantonspolizei auf. Innert weniger Stunden hat man rund 5000 private Personenwagen auf die offiziellen Parkplatze eingewiesen. «Keine besonderen Vorkommnisse beim Verkehr», meldete Rolf Müller, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei, «auch die Innenstadt von Frauenfeld blieb von Staus verschont.» Auch bei der 16. Durchführung hatten Polizei und Verkehrskadetten die Situation im Griff. Entgegengekommen ist ihnen – wie der ganzen Veranstaltung – das Wetter.

Heiss und schwül war der Auftakttag.

Begehrte Wasserzapfstellen

Joachim Bodmer, Pressesprecher des Open Airs: «Wir haben Wasserzapfstellen installiert, ausserdem gaben wir Eis und Mineralwasser ab.» Der Ansturm auf die Wasserstellen sei zeitweise enorm gewesen, so Bodmer, «die Leute badeten in den Waschtrögen!» Gemäss Kapo-Sprecher Müller zählte das Medical Center 343 Konsultationen, davon mussten 11 Personen im Spital Frauenfeld weiterbehandelt werden.

Darunter war auch eine Person mit schwereren Verletzungen, die von einem noch ungeklärten Vorfall herrührten.

Gemäss Müller habe man ausserdem zwei Ticketfälscher aus Polen festgenommen und zwölf Diebstähle wurden gemeldet. Wasser und Bier waren gestern abend die beiden begehrtesten Flüssigkeiten bei den rund 45 000 Hip-Hop-Fans aus der ganzen Schweiz.

Friedlicher Auftakt

Die zur Verhinderung der bei Regen üblicherweise entstehenden Schlammstrecken gestreuten Holzschnitzel erfreuten in Frauenfeld – im Gegensatz zum Sonisphere vor drei Wochen in Jonschwil – mit ihrem erdigen Geruch. Der zweite Grossanlass dieses Sommers in der Ostschweiz erlebte einen friedlichen Auftakt. Zuweilen mussten die Fans vor der Bühne aus der hitzebedingten Trägheit geweckt werden: «Make some noise!» war die meistgeäusserte Aufforderung der Protagonisten auf der Bühne, «Fuck!» war wohl das meistausgesprochene Einzelwort.

Dieser Tradition ist und blieb auch die Detroiter Band D12 treu. Der Bandname soll den Begriff Dirty Dozen (Dreckiges Dutzend) zum Ausdruck bringen. Doch auf der Bühne stehen nur vier Rapper. Zwei Mitglieder wurden seit Bestehen der Gruppe erschossen, jeder hat – oder hatte – zudem ein Pseudonym, daher die Zahl zwölf.

Zeitweilig tritt mit D12 auch der Superstar des Genres, Eminem auf. Eminem hatte jedoch gestern abend ein Terminproblem. Nachdem er am Donnerstag beim Soundcheck noch dabei war, flog er für einen Auftritt nach San Francisco. Im Privatjet ausgeschlafen, kehrte er für seinen Auftritt gestern um 22:45 Uhr nach Frauenfeld zurück. Der 37jährige Detroiter Rapper Eminem, mit bürgerlichem Namen Marshall Bruce Mathers III und dem alter ego Slim Shady, trat nach zehn Jahren zum erstenmal wieder in der Schweiz auf.

Der mit 80 Millionen verkauften Tonträgern erfolgreichste, elffach mit einem Grammy und einem Oscar für die beste Filmmusik (8 Mile) Geehrte stellte nach vier Jahren eines Tablettenentzugs seine neueste CD «Recovery» vor. Eminem ist unter den amerikanischen Rap-Stars der einzige Weisse, gestern bildete er mit dem Schweizer Star der Szene Stress unter den mehr oder weniger berühmten US-Rappern dunkler Hautfarbe die Ausnahme.

Was für Eminem an der Tagesordnung ist, war für Stress ein besonderer Abend: Ein Auftritt vor 45 000 Fans.

Mehr Bilder auf tagblatt.ch/festivals

Aktuelle Nachrichten