HEINZ DE SPECHT: "Wir zeigen ungefragt ihr Gesicht"

In seinem Lied "Nur din Job" attackiert das Trio Heinz de Specht "Blick"-Reporter, die über den Vierfachmord in Rupperswil berichtet haben. Bandmitglied Roman Riklin über das Video, das im Internet ein grosser Erfolg ist.

Katharina Brenner
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Roman Riklin ist vor allem bekannt für seine Musicals. (Bild: Michel Canonica)

Roman Riklin ist vor allem bekannt für seine Musicals. (Bild: Michel Canonica)

Herr Riklin, haben Sie in den vergangenen Tagen wütende Anrufe von "Blick"-Journalisten erhalten?
Roman Riklin: Natürlich nicht. Für  Ringier ist es wahrscheinlich am besten, wenn sie das Ganze totschweigen. Die einzige gute Antwort wäre: Wir bereuen unser Vorgehen, entschuldigen uns bei den Angehörigen der Opfer und wir bessern uns. Das ist aber natürlich zu viel verlangt.
 
Bewegen Sie sich rechtlich auf der sicheren Seite mit dem Video?
Riklin: Es handelt sich um eine satirische Kritik. Satire darf vieles. Zudem berichten wir von Tat-sachen. Die Reporter stehen mit ihren Namen für ihre Berichterstattung ein. Wir zeigen zusätzlich ungefragt ihr Gesicht. Und wir arbeiten im Video mit denselben Mitteln wie die "Blick"-Reporter, indem wir etwa Balken vor ihre Augen setzen. Die Adresse, die wir am Schluss zeigen, ist übrigens keine Privatadresse, sondern die offizielle Adresse der "Blick"-Redaktion im Mittelland.

Die Sprache von "Nur din Job" ist relativ derb im Vergleich zu anderen Liedern von Heinz de Specht.
Riklin: Dass wir ein Wort wie Arschloch verwenden, ist untypisch, aber in diesem Fall passend. Es ist uns immer wichtig, mit unseren Konzerten nicht nur zu unterhalten, sondern auch eine Haltung zu zeigen.
 
Welche Rückmeldungen haben Sie für das Video bekommen?
Riklin: Wir haben ausgesprochen viele und nur positive Rückmeldungen erhalten. Die Mehrheit der Leute findet wohl, dass wir recht haben mit der Kritik.

Haben Sie damit Ihr Ziel erreicht?
Riklin: Nein. Das Ziel wäre, dass Boulevardjournalisten ihre Arbeitsweise ändern. Das wünsche ich mir, aber ich glaube nicht, dass das passiert. Und ich glaube auch, dass viele Leser gar nicht wissen, mit welchen Methoden Boulevardjournalisten arbeiten. Wenn es uns gelingt, dass sich der eine oder andere Konsument fragt, ob es okay ist, "Blick" und "Schweizer Illustrierte" zu lesen, oder sein Leseverhalten ändert, dann wäre das sehr viel. "Nur din Job" war für uns auch ein emotionales Anliegen.

Inwiefern?
Riklin: Mein Bandkollege Christian Weiss hat das Lied geschrieben. Er ist mit einer Person befreundet, die einem der Opfer von Rupperswil extrem nahe stand. "Blick"-Journalisten haben die Person und ihre Kinder massiv bedrängt und belästigt.

Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht?
Riklin: Ich bin ein paar Mal falsch zitiert worden. Das kann ärgerlich sein, ist aber keineswegs vergleichbar mit der Belästigung von trauernden Angehörigen.

Sie sind nicht nur Mitglied von Heinz de Specht, sondern entwickeln auch Musicals. "Ost Side Story" wird in Zürich im Herbst nochmals gezeigt, weil es beim Publikum so gut ankam. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Riklin: Wenn ich das wüsste, wäre ich nur noch erfolgreich. Ich kann nur mutmassen. Offensichtlich haben die Leute Spass, wenn sie unser kabarettistisches Klamauk-Musical sehen. Es spielt mit den Kantönligeist-Klischees. Die Leute lachen gerne über ihre eigene Spiessigkeit. Die Integration der Einwanderer – in "Ost Side Story" von FCSG-Fans – scheitert bereits an der Kantonsgrenze. Diese Überzeichnung der realen Zustände hat auch eine politische Dimension.

Und die lautet konkret?
Riklin: Dass Vorurteile gegenüber Volksgruppen immer schlecht sind. Im Musical steckt der Stoff von "Romeo und Julia" und der "West Side Story". Wir müssen mehr miteinander leben, statt Ängste gegen alles Fremde zu schüren. Ich denke aber, dass die meisten Zuschauer diese Ebene im Stück leider gar nicht sehen.

Auszug aus "Nur din Job"

Wenn du, wenn's Toti git, gierig zu dim Loch us chrüchsch
Wenn denn wuchelang am Tatort um d'Hüser schlichsch
Wenn d'Nachbäre vo Opfer go uusquätsche gasch
Und nöd mal d'Familie und d'Fründe in Rueh lasch
Wenn du die bedrängsch am Telefon und au dihei
Und wenn d'au nöd ufhörsch, wenn's zehn mol säged: "Nei."

Refrain:
Denn bisch du kes Arschloch und au kei dummi Sau
Denn bisch kenn Riesetrottel und au kei Trottelfrau
Denn bisch nöd pietätlos, bisch nöd mal bsunders grob
Nei, denn bisch Blick-Reporter und machsch und machsch ja nur din Job

Wenn d' die, wo nöd mit dir rede wend, dezue zwingsch
Wenn d' ne drohsch, dass d'susch irgend es Grücht
über sie bringsch
Wenn d' wild und völlig haltlos über Täter spekuliersch
Und unbescholtni Lüt als verdächtig präsentiersch
Wenn'd seisch, mer söll der s'Foti vom Verhaftete jetz geh
Will d' susch eifach würsch es Bild vom e Unschuldige neh:
(Refrain)

Und wenn d'bi de Gedenkfiir vor de Chille umestahsch
Und die Aaghörige nöd mal det ungstört truure lasch
Wenn d'ne blödi Frage stellsch und nöd hei gasch bevor d'Erinnerigsbilder bim Altar kopiere chasch, wenn die denn ohne z'fröge uf Titelsiite tuesch und ab so vill Dreischtigkeit nöd selber chotze muesch (Refrain)