HEIMKEHR: Die «Landshut» soll an den Bodensee kommen

Die Entführung der Lufthansa-Maschine «Landshut» hielt im Herbst 1977 während fünf Tagen die ganze Welt in Atem. Nun bemüht sich das Dornier-Museum darum, das berühmte Flugzeug nach Friedrichshafen zu holen.

Nils Köhler, Kerstin Mommsen, Fabiane Wieland
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Die Boeing 737 "Landshut" am 15. Oktober 1977 auf dem Flughafen Dubai, am zweiten Tag der Entführung. (Bild: STR (AP))

Die Boeing 737 "Landshut" am 15. Oktober 1977 auf dem Flughafen Dubai, am zweiten Tag der Entführung. (Bild: STR (AP))

Diese Bilder gingen 1977 um die Welt: Auf dem Rollfeld im somalischen Mogadischu glänzt ein Passagierflugzeug in der heissen Sonne, aus der hinteren Tür wird die Leiche des Flugkapitäns Jürgen Schumann über eine Notrutsche heruntergelassen. Die Boeing 737 der Deutschen Lufthansa mit dem Namen «Landshut» ist Symbol des Deutschen Herbstes – einer Zeit, in der die Bundesrepublik vom Linksterrorismus der Roten-Armee-Fraktion (RAF) massiv herausgefordert wurde. Am Ende wurde das Flugzeug von einer Spezialeinheit gestürmt, drei der vier Entführer wurden erschossen. Die Passagiere und alle Crewmitglieder ausser dem Captain überlebten.

Heute rottet die «Landshut»  auf einem Flugzeugfriedhof am brasilianischen Flughafen Fortaleza vor sich hin. Doch es gibt Pläne, den Flieger nach Friedrichshafen zu holen. Geht es nach dem Willen David Dorniers, könnte die «Landshut» das Schmuckstück im Dornier-Museum werden. Der Museumsdirektor bestätigte, dass es «rege Gespräche» mit dem Auswärtigen Amt in dieser Frage gebe. Er selbst habe die Idee dazu gehabt. «Ich habe auch schon davon gehört, dass Friedrichshafen als Standort für die Landshut bevorzugt wird, kann die Quelle dafür aber nicht nennen», sagt Dornier.


Unterstützung vom Aussenminister

Das Auswärtige Amt äussert sich derzeit nicht zu den Spekulationen. Aus gut informierten Kreisen ist aber zu hören, dass der Aussenminister deutlich gemacht habe, dass ihm viel an der «Landshut» liege. Daher sei es das Ziel, ein Ergebnis zu präsentieren, das der historischen Bedeutung der «Landshut» Rechnung trage. Für David Dornier ist klar, dass die «Landshut» der Öffentlichkeit zugänglich sein müsse. Dafür sei das Dornier-Museum wie geschaffen. Hinter der Initiative, das Flugzeug nach Deutschland zu  holen, steckt der Mainzer Historiker Martin Rupps. Er hat ein Buch über die «Überlebenden von Mogadischu» geschrieben. Das Auswärtige Amt soll das Flugzeug bereits für 20000 Euro gekauft haben. Um es vor der Verschrottung zu retten, sagt Rupps. Denn mit dem Verkauf des brasilianischen Flughafens an den Airport Frankfurt habe auch der  Verlust der Maschine gedroht.

Am 18. Oktober soll es nun nach 40 Jahren eine zentrale Gedenkveranstaltung geben, an der auch der Bundespräsident teilnehmen wird. Weil die Zeit knapp ist, könne für den Transport auch keine Ausschreibung mehr gemacht werden, sagt Rupps. Daher setze Berlin auf Privatinvestoren. Die Hälfte der 1,5 Millionen Euro sei bereits aufgebracht. Bedingung des Auswärtigen Amts an den künftigen Besitzer: Dieser müsse für Unterkunft und laufende Kosten der Maschine aufkommen. Laut David Dornier gibt es bereits Initiativen, das Geld aufzubringen: «Verschiedene Partner wie die Lufthansa, das Dornier-Museum und das Auswärtige Amt arbeiten daran, das Projekt per Fundraising zu realisieren» Die Kosten für den Rücktransport aus Brasilien und die Restaurierung müsse aber der Bund zahlen. Friedrichshafen ist laut Martin Rupps einer der beiden Standort-Favoriten. Der andere sei Flensburg.