Heimatgefühle mit Augenringen

«Rägebogesiedlig» in der Sternenbühne: Stahlberger mussten für ihr Konzert früh aufstehen. Ein Einblick in die kollektive Gemütsverfassung vor dem Auftritt am Sonntagmittag.

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Einrichten auf der Sternenbühne: Michi Gallusser (links) und Manuel Stahlberger – und Dominik Kesseli sitzt schon am Schlagzeug. (Bild: Urs Bucher)

Einrichten auf der Sternenbühne: Michi Gallusser (links) und Manuel Stahlberger – und Dominik Kesseli sitzt schon am Schlagzeug. (Bild: Urs Bucher)

Ein paar Seifenblasen schweben durch das leere Zelt. Manuel Stahlberger verfolgt ihren federleichten Flug mit müdem Blick: «Ich bin ein bitzeli neben den Schuhen.» Aber das Konzert, das in einer halben Stunde beginnt, werde ihn «schon aufwecken», murmelt der St. Galler in seinen Dreiwochenbart und schlurft mit einem Mikroständer davon. In Eile scheint er nicht zu sein.

Aufgekratzt sei die Stimmung, so Michi Gallusser. Der Gitarrist schaut verschlafen unter seinen Rastazöpfen hervor, während er sein Effekt-Brett positioniert. Verzerrer, Phaser, Kompressoren sind darauf montiert. Warum kein digitaler Effekter, klein und handlich, so wie ihn Christian Kesseli für seine Gitarren hat? «Ich mag die analogen Geräte. Die tönen anders, wenn sie heiss werden.»

Während Bühnen-Bienen hin und her eilen, da ein Kabel einstecken und dort ein Mikrophon montieren, schlägt Dominik Kesseli entspannt auf Trommeln und Becken ein. Soundcheck. Nach dem Schlagzeug kommt die Gitarre. Dann der Bass. Ausserdem die zwei Orgeln, Wurlitzer, Keyboard. Die fünfköpfige Band hat mindestens zehn Instrumente. Als Stahlberger zur Probe ein paar Akkorde auf der Ukulele spielt, hallen vorfreudige Schreie durch das kühle Zelt. Erste Frühaufsteher trudeln um halb zwölf ein – mit ihren Katern und Augenringen.

Stahlberger sind bereit für sie – Instrumente gestimmt, Liederliste eingeprägt. Gelächter. Die Bühne als Heimat, von der Stahlberger singt, aber nicht so genau weiss, wo sie zu finden ist? «Isch Heimat äs Gfühl, oder isch es echt en Ort?» Möglich wär's, hier im Sittertobel, einem Ort, wo Gefühle so intensiv in der Luft hängen wie der saure Geruch von biergetränktem Stroh. «Es ist lässig, hier zu spielen. Doch zu Hause fühle ich mich im Palace», sagt der Sänger.

«Jetzt werd ich kribbelig», sagt Gallusser. Fünf Minuten noch. Helfer deponieren Bier, Wasser, weisse Schweisstücher. Stahlberger wird die Bierdose später in einem Anflug von Übermut in die Menge werfen. Ebenso die Wasserflasche, ein Gitarrenplättchen und einen Schlagzeug-Stick. Vorbei an Seifenblasen, die zum hellen Klang der Ukulele tanzen. Das Zelt ist voll, und alle hüpfen in der «Rägebogesiedlig». Tobias Hänni

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