Heile Welt in Gossau

Traditionsbewusste Schweizer aufgepasst: In einem Jahr wird das Nordostschweizerische Jodlerfest seine Zelte in Gossau aufschlagen. Es wird gejodelt, Alphorn geblasen und es werden Fahnen geschwungen. Genau die richtigen Zutaten für ein urchiges Eidgenossen-Fest.

Tim Naef
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Traditionsbewusste Schweizer aufgepasst: In einem Jahr wird das Nordostschweizerische Jodlerfest seine Zelte in Gossau aufschlagen. Es wird gejodelt, Alphorn geblasen und es werden Fahnen geschwungen. Genau die richtigen Zutaten für ein urchiges Eidgenossen-Fest. Mit anderen Worten: Drei Tage Volksfeststimmung und heile Welt. Und damit das auch in Zukunft so bleibt, haben sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen: In einer Broschüre beschreiben sie den typischen Jodlerfestbesucher. Die fehlende weibliche Form an dieser Stelle ist gewollt.

Klischee-Keule vom Feinsten

Der typische Besucher also ist zwischen 5 und 75 Jahre alt. Wie bereits angemerkt ist er männlich. Er stammt aus der Schweiz und wohnt in ländlichen Gebieten. Das Ländliche scheint für die Veranstalter ein zentraler Punkt zu sein, denn auch der ideale Beruf ist ländlicher oder handwerklicher Natur. Festlegen wollen sie sich aber nicht. Wichtig ist nur, dass er bodenständig ist. Und zwar nicht nur der Beruf, sondern auch der Besucher an sich. Weitere Eigenschaften werden fein säuberlich aufgezählt, wobei es sich eher um ein politisches Spiderdiagramm als um Charaktereigenschaften handelt: Er soll traditionelle, konservative sowie monetäre Werte vertreten, neutral sein und das Bankgeheimnis ehren.

Ähnlichkeiten mit einem real existierenden Parteiprogramm mögen reiner Zufall sein. Der OK-Präsident sitzt jedenfalls für die CVP im Kantonsrat.

Hoffen auf Ironie

Hooligans sind derweil nicht erwünscht. Auf friedliches Benehmen wird grosser Wert gelegt. Was bei einem Volksfest auf keinen Fall fehlen darf, ist die Verpflegung. Auch da wissen die Veranstalter, was der Festbesucher will. Während es beim Trinken mit Bier, Saft und Wein traditionell bleibt, wird beim Essen allerdings ein experimenteller Weg eingeschlagen. Zwar gibt es Bratwürste, aber ansonsten geht die Küche in eine multikulturelle Richtung.

Nun bleibt offen, wie ernst die Beschreibung des tatsächlich 50 000mal erwarteten typischen Jodlerfestbesuchers gemeint ist. Wohl eher haben die Veranstalter die Ironie für sich entdeckt. Falls nicht, müssten sie ihre Veranstaltung mangels geeigneter Besucher in einen kleinen Saal verlegen.

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