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HEILBAD UNTERRECHSTEIN: "Nicht ungeschickt, schlicht daneben"

Das Ausserrhoder Kantonsgericht hat festgestellt, dass das Heilbad Unterrechstein Menschen mit Behinderung diskriminiert hat. Ein richtiger Entscheid, findet der Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr. Er ist Vizepräsident von Pro Infirmis und hat selber eine Behinderung.
Christian Lohr wäre es lieber, Prozesse wie jener gegen das Heilbad Unterrechstein wären gar nicht erst nötig. (Bild: Benjamin Manser)

Christian Lohr wäre es lieber, Prozesse wie jener gegen das Heilbad Unterrechstein wären gar nicht erst nötig. (Bild: Benjamin Manser)

Sind Sie zufrieden mit dem Urteil des Ausserrhoder Kantonsgerichts?
Für mich ist das ein absolut richtiges Urteil. Das Gericht konnte ja kaum anders entscheiden. Die Haltung, die das Heilbad Unterrechstein an den Tag gelegt hat, ist nicht mehr zeitgemäss. Menschen mit einer Beeinträchtigung sind gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft.

Nationalrat Christian Lohr (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))

Nationalrat Christian Lohr (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))

Die klagenden Organisationen, zu denen auch Pro Infirmis gehört, erhoffen sich vom ersten Urteil dieser Art eine Signalwirkung. Inwiefern?
Die gesetzlichen Grundlagen, gegen Diskriminierung vorzugehen, sind schon länger da. Es ist wichtig zu sehen, dass das nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Das Urteil ist ein klares Zeichen zugunsten der Akzeptanz von Menschen mit einer Beeinträchtigung: In unserem Land wird Diskriminierung nicht toleriert.

Gehören solche Klagen zu den Kernaufgaben von Organisationen wie Pro Infirmis?
Es ist sicher wichtig, dass sich Behinderten-Organisationen in solchen Fällen einmischen. Besser wäre, wenn sich die Betroffenen selber wehren könnten. Und natürlich wäre es mir am liebsten, wenn solche Gerichtsprozesse gar nicht stattfinden müssten. In diesem Fall war das Verhalten des Heilbad Unterrechsteins aber nicht einfach ungeschickt, sondern schlicht daneben. Deshalb war es wichtig, dass wir die Sache durchgezogen haben.

Haben Sie die Ereignisse vor fünf Jahren aufgrund Ihrer Behinderung auch persönlich betroffen gemacht?
Natürlich. Ich fühle mich immer persönlich betroffen, wenn Menschen mit einer Beeinträchtigung ausgegrenzt und nicht als gleichwertig angesehen werden. Das tut auch einem Nationalrat weh. Die Einsicht, dass ein solches Verhalten ein No-Go ist, ist noch nicht überall durchgedrungen.

Empfinden Sie dementsprechend auch persönliche Genugtuung über das Urteil des Kantonsgerichts?
Keine persönliche Genugtuung in dem Sinne, es dem Heilbad Unterrechstein gezeigt zu haben. Wenn dieses Urteil aber dazu beiträgt, Berührungsängste im Alltag abzubauen und den Umgang mit Menschen mit Behinderung zu normalisieren, dann sehr wohl. Wir wollen nicht gegen die Gesellschaft kämpfen, sondern Teil davon sein. (jw)

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