HEFENHOFEN: Pferde des mutmasslichen Tierquälers erholten sich auf der Alp

Glück für jene Pferde, welche der mutmassliche Thurgauer Tierquäler im Sommer auf eine Alp geschickt hat. Während ihre Artgenossen auf dem Hof in Hefenhofen hungerten, konnten sie sich in den Bergen erholen. Das Teiltierhalteverbot galt für die Sömmerungen nicht.

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Neben den rund 250 auf seinem Hof beschlagnahmten Tieren hatte der Tierquäler von Hefenhofen weitere 19 Rinder und 53 Pferde in Graubünden. (Bild: CHRISTIAN MERZ (KEYSTONE))

Neben den rund 250 auf seinem Hof beschlagnahmten Tieren hatte der Tierquäler von Hefenhofen weitere 19 Rinder und 53 Pferde in Graubünden. (Bild: CHRISTIAN MERZ (KEYSTONE))

Der mutmassliche Tierquäler von Hefenhofen hat nebst den rund 250 auf seinem Hof beschlagnahmten Tieren weitere 19 Rinder und 53 Pferde in Graubünden. Wie das Bündner Amt für Tiergesundheit am Donnerstag mitteilte, kamen diese Tiere Mitte Juni schlecht ernährt in Graubünden an. Nachdem die Bündner Anfang Woche von den Thurgauer Behörden informiert worden waren, wurden sämtliche Tiere kontrolliert, die sich auf sieben Alpen und einem Bauernhof befinden.

Aktuell gehe es den meisten Tieren gut, sagte der stellvertretende Bündner Kantonstierarzt Giochen Bearth zu einem Bericht in der «Südostschweiz». «Es scheint, dass sie sich seit der Ankunft erholt haben.» Drei Pferde in Davos befänden sich allerdings in einem «grenzwertigen Gesundheitszustand.» Sie würden tierärztlich betreut und untersucht. Die Abklärungen betreffen den Ernährungszustand und eine allfällige Verwurmung.

Tierhaltung auf Alpen erlaubt

Ob noch in weiteren Kantonen Tiere des mutmasslichen Tierquälers gesömmert würden, werde momentan abgeklärt, teilte das Thurgauer Veterinäramt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Der Kanton sei über die Sömmerungen informiert gewesen. Diese dienten dem Tierwohl und seien deshalb nicht dem Teiltierhalteverbot unterstanden. Was mit den Tieren Ende Sommer passiere, werde noch abgeklärt, sagte der Thurgauer Kantonstierarzt.

Am Montag hatte die Polizei beim vorbestraften Tierhalter in Hefenhofen 93 Pferde beschlagnahmt. 60 hätte er gemäss einem ab Herbst 2013 geltenden Teiltierhalteverbot halten dürfen. Dass der Bauer viel mehr Tiere hielt und viele in einem desolaten Zustand waren, bemerkte das Veterinäramt trotz Kontrollen nicht.

Allein im vergangenen Winterhalbjahr haben externe Fachpersonen den Hof in Hefenhofen fünf Mal kontrolliert, wie die Thurgauer Staatskanzlei auf Anfrage bekannt gab. Ein bis fünf Tage vorher wurden die Kontrollen jeweils angekündigt. Die Kontrolleure hatten laut dem Veterinäramt Zugang zum gesamten Hof. Man habe nach jahrelangen Querelen mit dem Tierhalter eine deeskalierende Strategie gewählt. Diese sei jedoch gescheitert, räumten der Kantonstierarzt und Regierungsrat Walter Schönholzer ein.

Sonderbewilligung der Polizei

Ein Sprecher der Kantonspolizei bestätigte mehrere Medienmeldungen, wonach die Polizei dem Tierhalter am Wochenende erlaubt habe, ohne Nummernschild herum zu fahren. Angesichts der Mahnwachen von Tierschützern und des medialen Rummels vor Ort habe die Polizei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes das Fahren ohne Nummernschild auf Gemeindegebiet erlaubt. «Die Fahrzeughalterin wohnt auf dem Hof und wurde bedroht und gestalkt», begründete Andy Theler, Medienverantwortlicher der Kantonspolizei Thurgau, die Erlaubnis.

Tiere evakuiert

In der vergangenen Woche war publik geworden, dass auf dem Hof des Tierhalters in Hefenhofen in den letzten Monaten mehrere Pferde verendet waren. Weitere Tiere waren abgemagert und mussten verschimmeltes Brot fressen, wie eine Frau, die seit Jahren auf dem Hof verkehrte, mit Fotos dokumentierte.

Am Montag wurde der Tierhalter von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die rund 250 Tiere auf dem Hof wurden beschlagnahmt und im Verlauf des Dienstags durch Polizei und Armee evakuiert. Die Pferde wurden im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere nach Schönbühl BE untergebracht. Die andern Tiere wurden unter Beizug von Tierhändlern evakuiert.
Das Veterinäramt erliess gegen den Tierhalter ein sofortiges Tierhalteverbot. Am Dienstag verfügte der Amtsarzt für den 49-Jährigen eine fürsorgerische Unterbringung. Dagegen kann der Tierhalter innerhalb von zehn Tagen Beschwerde einreichen. Ob der Mann davon Gebrauch machen wird, ist offen. Sein Anwalt war am Donnerstag nicht erreichbar. (sda)