Hausbesuche, die es nie gab: Hebamme aus Herisau muss vor Gericht

Eine Hebamme aus Herisau hat überteuerte Rechnungen ausgestellt. Und das über Jahre hinweg. Nun muss sie sich vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe: Betrug, Urkundenfälschung und üble Nachrede.

Astrid Zysset
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Die Hebamme ist geständig, ungerechtfertigte Auszahlungen von den Krankenkassen erwirkt zu haben.

Die Hebamme ist geständig, ungerechtfertigte Auszahlungen von den Krankenkassen erwirkt zu haben.

Julian Stratenschulte / DPA

Sie ist keine Unbekannte. In den Medien war S. P. * schon mehrfach präsent. Konsumentenschutzsendungen und Zeitungen berichteten über sie, als Hebamme, die überteuerte Rechnungen ausstellte. Und das über Jahre hinweg. In den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden war sie aktiv. Gemäss SRF haben ihr St.Gallen, Bern und Solothurn die Bewilligung entzogen, als freiberufliche Hebamme zu arbeiten.

Am Dienstag steht sie vor dem Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden. Die Vorwürfe: Betrug, Urkundenfälschung und üble Nachrede. Die Angeschuldigte ist geständig, die Voraussetzungen für die Verhandlung im abgekürzten Verfahren sind erfüllt. Das von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagene Urteil hat S. P. akzeptiert. Sie wird zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Franken verurteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre. Zuzüglich wird ihr eine unbedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 30 Franken auferlegt. Und sie muss die Verfahrenskosten tragen.

Hausbesuche verrechnet, die es nicht gab

Die Angeschuldigte arbeitete zwischen 2012 und 2017 als Hebamme mit eigenem Unternehmen in Teufen. Sie führte Geburtsvorbereitungskurse durch, bot Wochenbettbetreuungen und Stillberatungen an. Ihre Hebammenleistung rechnete sie direkt mit den Krankenkassen der Schwangeren beziehungsweise Wöchnerinnen ab. Bei den Hausbesuchen stellte S. P. jedoch einen höheren Zeitaufwand für die Betreuung in Rechnung, als sie tatsächlich aufwendete. Vereinzelt hatte sie auch Hausbesuche verrechnet, die sie nie getätigt hatte. Und ihren Spesen lag wiederholt der Höchstbetrag der Fahrentschädigung zu Grunde, anstatt die effektiven Fahrkosten.

Auf diese Weise erwirkte die Angeschuldigte ungerechtfertigte Auszahlungen von Krankenkassen im Gesamtbetrag von 22'500 Franken. In einem schiedsgerichtlichen Verfahren vor dem Trogner Obergericht wurde im September 2018 ein Vergleich getroffen, der besagt, dass S. P. diese Summe den Krankenkassen zurückerstattet.
Geständig ist die Angeschuldigte auch betreffend des Verkaufs einer gefälschten Prada-Jacke. Diese veräusserte sie im Juni 2014 für 3500 Franken.

Der Vorwurf der Urkundenfälschung liegt darin begründet, als dass die Angeschuldigte eine Inventurliste mit einer Schuldanerkennung ergänzte. Im Detail: S. P. schloss im Namen ihrer damaligen Firma im Juli 2015 einen Zusammenarbeitsvertrag mit einer Mitarbeiterin. Dieser stellte sie Arbeitsmaterial zur Verfügung. Ein paar Monate später wurde das Arbeitsverhältnis wieder aufgelöst. Es entstand ein Streit über die Rückgabe des Arbeitsmaterials. Die Mitarbeiterin stellte sich auf den Standpunkt, alles ordnungsgemäss zurückgegeben zu haben. S. P. verlangte hingegen Schadenersatz. Im Rahmen eines Rechtsöffnungsverfahrens hatte sie dann auf einer Inventurliste, die mit der Unterschrift der Mitarbeiterin versehen war, nachträglich einen Zusatz eingefügt, der besagt, dass die Mitarbeiterin vollumfänglich für das Material haftet. Dasselbe machte S. P. für einen Vertrag zur Materialabgabe.

Eine weitere Mitarbeiterin bekam ebenfalls die Folgen ihrer Kündigung zu spüren: S. P. meldete sich im Januar 2015 beim neuen Arbeitgeber der besagten Mitarbeiterin und sprach von «notorischen Lügen», Unzuverlässigkeit und möglichen Strafanzeigen, die der Mitarbeiterin angelastet werden können. Zudem hatte S. P. die neue Lebenspartnerin ihres Ex-Freundes beleidigt.

Urteil erfolgt als Zusatzstrafe

Im Mai 2017 ist S. P. vor dem Regionalgericht Berner Oberland wegen Urkundenfälschung, Betrugs, übler Nachrede und Nötigung schuldig gesprochen worden. Sie wurde zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt, die Probezeit beträgt drei Jahre. Die jetzt verhandelten Vorwürfe geschahen zeitlich vor den Delikten im Berner Oberland, weshalb das Urteil vom Ausserrhoder Kantonsgericht als Zusatzstrafe zu gewichten ist.

* Name der Redaktion bekannt