Interview

Harte gegen weiche Töne: SVP Thurgau nominiert ihren Regierungskandidaten 

Am Donnerstagabend entscheidet die Thurgauer SVP, wen sie für die Nachfolge von Regierungsrat Jakob Stark ins Rennen schickt: Den Oberthurgauer Urs Martin oder den Hinterthurgauer Urs Schrepfer.

Christian Kamm, Silvan Meile
Drucken
Teilen
Bereit zum Duell: Urs Martin (links) und Urs Schrepfer. (Bild: Andrea Stalder)

Bereit zum Duell: Urs Martin (links) und Urs Schrepfer. (Bild: Andrea Stalder)

Urs Martin: «Ich kann und will den Kanton vorwärtsbringen»

Was wäre Ihr Slogan, wenn Sie sich für die Nominationsversammlung einen zurechtlegen müssten?

Urs Martin: Ein polyvalenter Schnelldenker, der in allen Departementen einsetzbar wäre.

Als Kantonsrat beweisen Sie immer wieder Dossiersicherheit. Sie können auch unbequem sein und legen den Finger selbst dann auf die Wunde, wenn es die eigene Regierungsrätin betrifft.

Als Kantonsrat hat man eine andere Aufgabe wie ein Regierungsrat. Ich bin nie unbequem, um des Unbequemseins willen. Ich stelle mir aber jeweils die Frage: Was finde ich richtig? Als Kantonsrat muss ich eine Vorlage kritisch betrachten. Das kann dazu führen, dass ich in Konflikt mit Regierungsvertretern der eigenen Partei komme. Falls ich aber deswegen einfach das vertrete, was die Kollegen in der Regierung vertreten, komme ich in Konflikt mit meinen eigenen Werten.

Das kann gerade als Regierungsrat passieren, Stichwort Kollegialitätsprinzip.

Nein. Als Regierungsrat vertritt man den ganzen Kanton. Dort wird eine Frage zuerst sauber ausdiskutiert. Ich bin eben der Meinung, dass es der Politik nicht guttut, wenn alle schon mit einem Kompromiss in die Diskussion starten.

Zuerst müssen doch die Positionen bezogen, dann hart um die besten Lösungen gerungen und am Schluss der Kompromiss mitgetragen werden.

Einen solchen kann ich sehr wohl professionell vertreten. Das beweise ich beispielsweise als Präsident der Justizkommission, ohne dass jemand merkt, dass es nicht unbedingt meine persönliche Haltung ist. Ich kann die unterschiedlichen Aufgaben erfüllen, ohne jemanden zu enttäuschen.

Wie überzeugen Sie die SVP-Delegierten?

Bei mir weiss man, was man hat. Mit 18 Jahren bin ich aus Überzeugung in die SVP eingetreten, habe breite Führungserfahrung, arbeite in leitender Funktion in der Privatwirtschaft und habe nebenbei mein eigenes Beratungsunternehmen. Unter anderem war ich auch Sekretär der SVP-Bundeshausfraktion. Mit meiner Erfahrung kann und will ich den Kanton vorwärtsbringen. Ich bin viel gereist und finde es ist wichtig, jemanden in der Regierung zu haben, der die Welt gesehen hat und die Vorzüge unseres gut funktionierenden Landes erkennt. Team- und Fairplay mit meiner Parteikollegin und den anderen Regierungsräten sind für mich selbstverständlich.

Müsste nicht als umtriebiger Kantonsrat mit Bundeshauserfahrung eine Karriere als eidgenössischer Parlamentarier Ihr Ziel sein?

Nein. Ich kandidierte 2011 für den Nationalrat und war damals enttäuscht, dass es nicht reichte. Heute bin ich sehr froh, weil ein Nationalratsmandat nicht mit Familie und aktuellem Beruf vereinbar wäre. 

Urs Schrepfer: «Vorangehen und Leidenschaft zeigen»

Was wäre Ihr Slogan, wenn Sie sich für die Nominationsversammlung einen zurechtlegen müssten?

Urs Schrepfer: Ehrlich, bodenständig und gradlinig, das passt.

Sie wirken als Politiker gelassen und abgeklärt. Kann Urs Schrepfer auch laut werden?

Die Leute, die mit mir zusammenarbeiten, wissen, dass ich auch auf den Tisch klopfen kann. Aber das sind interne Situationen. Wenn gerungen und schliesslich ein Kompromiss gefunden worden ist, sind laute Töne nach aussen nicht nötig.

Als Regierungsrat ist man oft an Abenden und Wochenenden unterwegs. Was hat Ihre Frau zur Kandidatur gesagt?

Sie kennt mich nicht anders. Wir sind bald 25 Jahre zusammen. Als wir uns kennen lernten, war ich im Eishockey engagiert und vier bis fünf Abende in der Woche im Training oder an Matches. Dann wurde ich Schulpräsident und Schulleiter. Mein Pensum sieht heute schon so aus, dass ich drei bis vier Abende unterwegs bin.

Sie sind Pädagoge und haben sich als Bildungspolitiker profiliert. Ihre Partei ist mehr an Gewerbe-, Ausländer- oder Finanzpolitik interessiert. Passt das trotzdem zusammen?

Ich denke schon. Man kann ein Thema nicht mehr für sich allein beurteilen.

Heute ist alles so miteinander vernetzt, dass die Sachfragen übergreifend und breit angegangen werden müssen. Ein Gartenhag-Denken wäre falsch.

Aufgrund meiner Ausbildung war es naheliegend, politisch vor allem Bildungsfragen zu bewirtschaften. Alles andere interessiert und fasziniert mich aber ebenso.

Welches wäre Ihr Wunschdepartement?

Das habe ich nicht. Jedes Departement wäre eine Herausforderung und zu Beginn ein richtiger Chrampf. Aber ich fühle mich dem gewachsen − unabhängig vom Departement. Wie überzeugen Sie die SVP-Delegierten? Haben Sie einen Trumpf im Ärmel? Meine Stärken kennt man bereits. Ich habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass ich sorgfältig arbeite und engagiert bin. Ich verfolge eine bodenständige Politik, die auf Eigenverantwortung, Eigenständigkeit, aber auch auf Verhältnismässigkeit beruht.

Regieren heisst nicht zuletzt führen: Nach welchen Grundsätzen führen Sie?

Es geht vor allem ums Bewusstsein, dass man es mit Menschen zu tun hat. Hier gilt immer: Verhalte dich so, wie du erwartest, dass sich andere dir gegenüber verhalten. Das ist die Basis für ein gutes Miteinander und eine lösungsorientierte Führung. Darüber hinaus sollte man Vorbild sein. Also vorangehen und Leidenschaft zeigen. Gefragt ist Hingabe mit Härte und Herz.