Hanfdealer fordern mildere Strafe

Zwei Männer wurden im vergangenen Jahr zu Freiheitsstrafen von über vier Jahren verurteilt. Sie hatten in St. Gallen ein florierendes Cannabisgeschäft betrieben. Nun fordern sie ein geringeres Strafmass.

Claudia Schmid
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Zwei heute 33 und 34 Jahre alte Männer bauten in jungen Jahren ein florierendes Drogengeschäft auf. Nun müssen sie sich in St. Gallen vor Kantonsgericht verantworten. Zuerst verkauften sie die Drogen selber, später stellten sie in verschiedenen Hanfshops in St. Gallen Verkäufer ein. Bei Polizeikontrollen sollten diese sagen, sie würden das Geschäft in eigenem Namen und auf eigenes Risiko betreiben. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Menge der zwischen 2003 und 2007 gehandelten Drogen auf rund 250 Kilogramm Cannabis mit einem Umsatz von über zwei Millionen Franken. Drogenhandel ist allerdings nicht der einzige Vorwurf, den sich die Männer gefallen lassen müssen. Der erste Beschuldigte, ein Schweizer mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien, musste sich zudem wegen Hehlerei, mehrfacher versuchter Nötigung und falscher Anschuldigung verantworten. Zum einen ging es darum, dass er Männer bedrohte, um sie zu falschen Aussagen zu bewegen. Zum andern soll er einen Mitarbeiter genötigt haben, von dem er dachte, er habe im Hanfshop nicht richtig abgerechnet.

Der jüngere Beschuldigte, ein in der Schweiz wohnhafter Kroate, wurde auch wegen Freiheitsberaubung unter erschwerten Umständen angeklagt. Er war am Rande in eine Entführungsgeschichte verwickelt. Dabei ging es um einen Mann, der einen Lamborghini veruntreute und aus dem illegalen Geschäft eine grössere Summe herausholte. Eine Gruppe von Kollegen hörte von der Geschichte, entführte den Mann und erpresste Geld von ihm.

Staat fordert mehrere hunderttausend Franken

Das Kreisgericht St. Gallen hatte die beiden im Mai 2015 zu Freiheitsstrafen von viereinhalb Jahren und vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Es verpflichtete sie, dem Staat eine Ersatzforderung von 240 000 und 270 000 Franken zu zahlen. Können sie den Betrag nicht aufbringen, sollen Liegenschaften in Bosnien verwertet werden, in die sie investiert hatten. Dagegen erhoben sie Einsprache. An der Berufungsverhandlung von gestern Dienstag ging es weniger um die Schuldsprüche als vielmehr um die Höhe der Freiheitsstrafen und der Ersatzforderungen. Als sie das Hanfgeschäft gestartet hätten, sei er 21 Jahre alt gewesen, sagte der Schweizer vor Kantonsgericht. Heute sei er 34 Jahre alt, vierfacher Familienvater und ein anderer Mensch. Eine lange Haftstrafe zerstöre sein Leben. Sein Komplize betonte, nach einem längeren Gefängnisaufenthalt sei er nun daran, sein Leben in den Griff zu bekommen. Er hoffe, dass er nicht erneut hinter Gitter müsse.

Die beiden Verteidiger bezeichneten das Strafmass und die Ersatzforderungen der Erstinstanz als viel zu hoch. Man müsse bedenken, dass es sich bei der Droge um Cannabis und nicht etwa Heroin handle. Zu Beginn der Straftaten seien die beiden Beschuldigten gerade mal 20 und 21 Jahre alt gewesen. Eine derart hohe Ersatzforderung, wie sie den beiden auferlegt worden sei, gefährde die Wiedereingliederung und könne von den Beschuldigten gar nicht abbezahlt werden. Der eine Verteidiger forderte für seinen Mandanten lediglich eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten und eine Ersatzforderung von 20 000 Franken.

Der Staatsanwalt forderte im Gegenzug für den einen Beschuldigten eine Verschärfung der Strafe und für den anderen die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Der Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen wird in den nächsten Tagen erwartet.