HANDWERK: Ein Thurgauer gibt den Takt an

Der Märstetter Matthias Gubler ist der einzige Taktstock-Hersteller der Schweiz. Seit zehn Jahren ist er im Geschäft, auch mit Spezialanfertigungen – denn jeder Kunde dirigiert anders.

Viola Stäheli
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Auf die Balance kommt es an. Matthias Gubler schaut auf den rotierenden Holzstift. Er nimmt einen Drechselstab in die Hände, die Späne fliegen, ein Kratzen ertönt. Mit fliessenden Bewegungen schleift der Blasinstrumentenreparateur das Stück Holz in eine Form, sodass es entfernt einer Birne ähnelt. Der Griff soll später perfekt in der Hand des Dirigenten liegen. Nur dann kann die ideale Balance erreicht werden, damit das Gewicht nicht mehr zu spüren ist – das Wichtigste bei einem Taktstock.

Gubler ist der Einzige in der Schweiz, der Taktstöcke anfertigt. Allerdings hat er sich auf die Holzgriffe spezialisiert. Es wäre kein Problem, auch den Rest aus Holz herzustellen, jedoch hat ein solcher Taktstock einen Nachteil: Er federt stark nach. Die meisten Dirigenten bevorzugen deshalb stabilere Materialien wie Karbon und Fiberglas. Gubler kauft dieses zu, die exakte Anpassung übernimmt er selbst. Dazu gehört nicht nur das Zuschneiden auf die richtige Länge, sondern manchmal auch eine neue Lackierung. Für den Griff schwört der gelernte Schreiner auf heimisches Holz: «Thurgauer Zwetschgen- oder Birkenholz ist einfach unschlagbar.»

Auf die Taktstöcke kam Gubler durch einen Zufall. Stefan Roth, Dirigent des symphonischen Blasorchesters Kreuzlingen, zeigte Gubler seinen kaputten Taktstock und bat ihn um Reparatur. Es folgte stundenlanges Ausprobieren. «Bei den ersten Versuchen habe ich viel zu viel Zeit gebraucht, das rentierte überhaupt nicht», sagt der Mär­stetter und lacht. Doch das Endresultat liess sich sehen, und so standen kurz darauf weitere Dirigenten im Blaswerk Haag in Weinfelden, wo Gubler mittlerweile seit 35 Jahren arbeitet. Sein Spezialgebiet nebst Taktstöcken sind Holzblasinstrumente wie Klarinette, Flöte oder Saxophon.

Inzwischen hat er für die Taktstöcke seiner Eigenmarke Magoo Kunden aus der ganzen Schweiz und dem grenznahen Ausland. Im Jahr stellt der Tüftler rund 50 Stück her. Sein Rezept zum Erfolg: Individualität. Ein Dirigent mit grossen Händen etwa braucht einen gröberen Griff. Hinzu kommt, dass jeder den Taktstock anders hält. «Ich habe aber mittlerweile Standardgrössen, die ich nicht mehr von Hand anfertige, sondern maschinell. Trotzdem ist es mir sehr wichtig, die Wünsche der Dirigenten zu erfüllen», sagt Gubler. Das hat auch Einfluss auf den Preis: Die Standards kosten zwischen 80 und 100 Franken, bei Spezialanfertigungen können es rasch 200 Franken sein.

Hat er denn je einmal selbst dirigiert? «Ja, ich habe bereits in verschiedenen Ensembles gewirkt», sagt Gubler. Er nimmt das geschliffene Stück Holz aus der Umspannung und lächelt. «Da muss ich noch nachschleifen.»­

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch