Hätte er die Kinder sehen dürfen?

Für den Vater, welcher mutmasslich seine Töchter tötete, wäre ein mündliches Kontaktverbot nicht verbindlich gewesen. Einen Hinweis auf eine potenzielle Gewalttätigkeit gab es nicht.

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GRABS. Er dürfe seine beiden Töchter nicht mehr sehen, habe die Mutter beschlossen, nachdem sie vom Strafverfahren wegen sexueller Nötigung erfahren habe. Dies führte laut Aussage einer Verwandten gegenüber «Tele Züri» zur Tat, bei welcher der Vater am vergangenen Sonntag mutmasslich seine beiden Kinder tötete.

Nur: Die Äusserungen der Mutter hätten für den Vater keine rechtliche Verbindlichkeit, sagt Rechtsanwalt David Zünd von SwissLegal asg.advocati in St. Gallen. «Man könnte bis zur Klärung der Vorwürfe ein Kontaktverbot aussprechen – vorausgesetzt das Kindeswohl wäre gefährdet.»

Strafverfahren ausreichend

Dies müsse allerdings von einer offiziellen Stelle wie der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde beschlossen werden. Ein laufendes Strafverfahren wegen sexueller Nötigung könnte Grund genug sein für ein Kontaktverbot.

Keine Anzeige wegen Drohung

Ob dem Mann der Kontakt zu den Kindern per richterlichem Beschluss verboten war, wird von der Staatsanwaltschaft St. Gallen nicht kommentiert. Von den Drohungen des Vaters – «Wenn du mir das Liebste nimmst, sollst Du es auch nicht haben» – wusste man bei der Staatsanwaltschaft nichts, wie der stellvertretende Medienbeauftragte Andreas Baumann sagt. «Wäre wegen der Drohung eine Anzeige eingegangen, hätte die Staatsanwaltschaft Ersatzmassnahmen wie ein Kontaktverbot beantragen können. Es gab aber keinen Hinweis auf eine potenzielle Gewalttätigkeit.» (nil)