Haag in Öl – von einem Luzerner

Jetzt auch Willi Haag: Er hängt als Ölbild für die Ewigkeit in der Galerie der ehemaligen St. Galler Regierungspräsidenten in der Pfalz.

Marcel Elsener
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Jetzt auch Willi Haag: Er hängt als Ölbild für die Ewigkeit in der Galerie der ehemaligen St. Galler Regierungspräsidenten in der Pfalz. Der Ende Mai zurückgetretene Bauchef war schnell, wenn auch nicht ganz so schnell wie Finanzchef Martin Gehrer: Der war schon eine Woche vor seinem Ausscheiden aus der Regierung in die Galerie eingereiht worden (Ostschweiz am Sonntag vom 12. Juni).

Voller Verständnis und Milde

Was sofort auffällt: Haags Porträt tanzt nicht frech aus der Reihe wie jenes von Gehrer, der sich – von einem Holländer – abstrahiert in Blau malen liess. Nein, Haag, der als Gemeindepräsident und FDP-Kantonsrat 2000 in die Regierung gewählt wurde und deren Präsidium 2005 und 2010 innehatte, verpflichtete sich brav der Tradition: Der Wittenbacher gibt kein neues Bild von ihm ab. Jedoch gewiss ein schönes – er wirkt darauf, wie man sich einen Landammann vorstellt: voller Verständnis, Güte, Milde. Vor allem Milde. Altersmilde? Gut möglich, schliesslich entstand das Bild, wie wir annehmen, nach Haags nervenaufreibendem letztem Kraftakt: der garament erfolgreichen Revision des Baugesetzes. Ein Grund wohl auch für den entschlossen optimistischen Gesichtsausdruck.

Alles wahrlich staatsmännisch: Haag in Öl verzichtet auf jegliche witzigen Features. Die musste er, wie man hört, ja am Abschiedsabend seiner Baudepartementsmitarbeiter in Buchs über sich ergehen lassen: «Al Capone» hiess das Motto der engagierten Eventagentur, ein wenig Chicago spielen und die Gangstersau rauslassen nach all den 16 anstrengenden Jahren mit so viel Verantwortung.

Luzern und Leuenberger

Lassen wir das und kommen zum Bild zurück. Es schwingt ein wenig Melancholie mit. Jedoch gibt nicht der Ausdruck Haags zu denken, sondern seine Künstlerwahl. Bekanntlich darf jeder Ex-Regierungschef seinen Maler selber aussuchen. Haag wählte, sein gutes Recht, Bruno Müller-Meyer. Nun stören wir uns weder am Doppelnamen noch zweifeln wir an den Fähigkeiten dieses Künstlers. Vielmehr ist es die Herkunft Müller-Meyers, die uns stutzig macht, wenn nicht gar madig: Luzern!

Ausgerechnet. «Wir sind enttäuscht über diese Entwicklung. Die Befürchtungen werden nun leider bestätigt», sagte die St. Galler Regierung erst im Februar. Und meinte Luzern – aber nicht die Vergabe eines Porträts ihresgleichen dorthin, sondern den Entscheid der NZZ, die Medienhäuser in St. Gallen und Luzern publizistisch zusammenzuführen. Ein schlechtes Signal für die Ostschweiz, klagte die Regierung.

Was bedeutet jetzt das Signal von Willi Haag? Dass wir im St. Gallischen keinen Müller oder Meier haben, der halbwegs anständig einen Wittenbacher malen kann? Also bitte. Dass der Luzerner Müller-Meyer auch schon den Zürcher Moritz Leuenberger gemalt hat, macht die Sache auch nicht besser.