Gutgläubigkeit führt zu Geldstrafe

Ein 61jähriger Schweizer wehrte sich am Kreisgericht St. Gallen erfolglos gegen eine Geldstrafe. Er hatte einem jungen Patienten seine Autos überlassen, obwohl dieser keinen Führerschein besass.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Seine Gutgläubigkeit kommt den 61jährigen Mann teuer zu stehen. Zum Verlust von rund 11 000 Franken für ein verkauftes Auto, ist er vom Kreisgericht St. Gallen zu einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen à 600 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt worden. Zudem muss er die Verfahrenskosten von 1450 Franken bezahlen.

Zweimal gestraft

Zur Gerichtsverhandlung kam es, weil der Beschuldigte den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft nicht akzeptierte. Diese hatte gegen ihn eine bedingte Geldstrafe von 7000 Franken und eine Busse von 1400 Franken ausgesprochen.

Der Vorwurf lautete auf «mehrfaches Überlassen eines Motorfahrzeuges an einen Führer ohne erforderlichen Ausweis». Er sehe ein, dass er einen Fehler gemacht habe, doch seien für ihn der Strafvorwurf und das Strafmass unverständlich, begründete der Mann seine Einsprache. Mit einer Verurteilung werde er doppelt bestraft, da ihn der Patient bereits mit einem Autoverkauf geprellt habe.

Plötzlich nichts mehr gehört

Keine Minute habe er daran gezweifelt, dass der junge Mann im Besitz eines Führerausweises sei. Er habe sich als grosser Autofan gezeigt und erzählt, dass er früher einen BMW gefahren sei. Von der Grossmutter über die Eltern bis zur Tante kenne er die Verwandtschaft des jungen Mannes seit vielen Jahren, erklärte der Beschuldigte weiter. Nach einem Unfall sei auch er zur Nachbehandlung in seine Praxis gekommen. Bei einer der Konsultationen bat der 18,5jährige Patient offenbar darum, den Mercedes des Beschuldigten waschen zu dürfen. Zwei- oder drei- mal brachte der junge Mann den Wagen sofort zurück.

Ein anderes Mal übergab er das teure Auto erst, als er dazu aufgefordert wurde und nach mehreren Tagen. Trotzdem liess sich der 61jährige Mann darauf ein, dass sein Patient für ihn sowohl seinen Mercedes als auch den Zweitwagen verkaufte, um sie durch einen neuen Wagen zu ersetzen. Vom ersten Fahrzeug bekam er den Verkaufserlös anstandslos überreicht. Nach dem Verkauf des zweiten Autos hörte und sah er nichts mehr vom jungen Mann, geschweige denn vom Bargeld aus dem Autoverkauf.

«Stutzig» geworden

Bereits einige Zeit vorher sei er stutzig über das Verhalten des Patienten geworden. Er habe sich immer mehr in sein Leben gedrängt. Unter anderem bat er ihn, seine Freundin für zwei Wochen bei ihm wohnen zu lassen, was der Beschuldigte erlaubte.

Der Geprellte wandte sich schliesslich an die Polizei, verzichtete aber zunächst auf eine Anzeige. Einige Wochen später kam mit dem Strafbefehl gegen ihn die böse Überraschung. Die Geldstrafe mit der langen Probezeit könne er nicht verstehen, betonte der Beschuldigte vor Gericht, zumal er ein unbescholtener Bürger sei, der lediglich den Fehler gemacht habe, auf einen Hochstapler hereinzufallen. Der junge Mann habe sich als wortgewandter, heller Kopf gezeigt, der über viele technische Begabungen verfüge.

Die Einzelrichterin gab dem Beschuldigten zu verstehen, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibe, als ihn schuldig zu sprechen. Das Strassenverkehrsgesetz spreche dazu eine eindeutige Sprache.

Es schreibe vor, dass man sich vergewissern müsse, ob ein Führerschein vorhanden sei, bevor man sein Auto jemandem überlasse.

Bedingte Geldstrafe reduziert

Der Beschuldigte habe gewusst, dass der Patient noch sehr jung sei und hätte sich schon deshalb erkundigen müssen, ob er tatsächlich die Fahrerlaubnis habe. Da sie aber das Verschulden als wirklich sehr gering einstufe, reduziere sie die bedingte Geldstrafe und verzichte auf das Ausfällen einer Busse.

An der Probezeit lasse sich nichts ändern, da es sich bereits um die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdauer handle, sagte die Einzelrichterin. Der junge Patient wird sich in einem separaten Gerichtsverfahren verantworten müssen.

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