St.Galler Grünliberale sehen keine Chance für eigenen Sitz in der Regierung

Die St.Galler GLP-Präsidentin Nadine Cloé Niederhauser begründet den Verzicht auf eine Regierungskandidatur. Die Unterstützung anderer Kandidierender sei noch nicht spruchreif.

Marcel Elsener
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GLP-Präsidentin Nadine Cloé Niederhauser

GLP-Präsidentin Nadine Cloé Niederhauser

Bild: Benjamin Manser

«Profilierte Leute lassen sich nicht so einfach aus dem Hut zaubern.» Das sagte der Präsident der St.Galler Grünen, Thomas Schwager, Ende Oktober im Hinblick auf eine Regierungskandidatur. Mittlerweile haben die Grünen «gezaubert» und mit Rahel Würmli, der ehemaligen Stadträtin von Rapperswil-Jona, ihren Anspruch auf einen Regierungssitz bestätigt.

Wie die Grünen hatten auch die Grünliberalen nach den nationalen Wahlen ein Personalproblem. Zwar eroberten sie mit dem St.Galler Stadtparlamentarier Thomas Brunner einen Sitz im Nationalrat, doch blieben ihre Zugpferde wie der namhafte Infektiologe und Ständeratskandidat Pietro Vernazza oder der Sarganser Gemeindepräsident Jörg Tanner hinter den Erwartungen zurück. Die selbstbewusste Ansage von GLP-Präsidentin Nadine Niederhauser für eine Regierungskandidatur liess das Politpublikum rätseln: Wer ausser vielleicht die Kantonsratsmitglieder Jörg Tanner und Sonja Lüthi, die bei der St.Galler Stadtratswahl 2017 den CVP-Mann ausgestochen hatte, würde ins Rennen steigen?

Absagen von potenziellen Kandidaten

Am Sonntag, ein Tag vor der Mitgliederversammlung, dann der Rückzieher: Die Parteileitung werde entgegen ihrer Ankündigung keinen Vorschlag für eine Nomination machen, weil von den potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten niemand zur Verfügung stehe. Sprich die angefragten Parteiexponenten – laut Niederhauser «nur Frauen und Männer mit langjähriger Politik- und Führungserfahrung» – hatte allesamt abgewinkt. Ohne auf Namen einzugehen, nennt die Präsidentin folgende Gründe für die Absagen: «Ein solcher Wahlkampf ist mit enorm grossem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Zudem sind die Chancen auf Erfolg erfahrungsgemäss eher gering, wenn eine Partei aufgrund ihrer Sitzzahl im Parlament oder ihres Wähleranteils ‹konkordanzmässig› keinen Anspruch auf einen Regierungssitz hat.» Vielmehr wolle sich die GLP auf die Kantonsratswahlen konzentrieren und ihre 2016 verlorenen drei Sitze zurückgewinnen, um wieder Fraktionsstärke zu erreichen. An der Parteiversammlung gab es gegen den Verzicht auf den Regierungswahlkampf keinerlei Einspruch. «Die Mitglieder teilen die Meinung der Parteileitung, dass eine von vornherein chancenlose Kandidatur auch kontraproduktiv wirken könnte», sagt Niederhauser.

Wird die GLP nun die Grüne Rahel Würmli unterstützen? Man werde eine Empfehlung für die Regierungswahlen voraussichtlich erst im Januar diskutieren, meint die GLP-Chefin. Denkbar sei, dass man einige Kandidierende vorgängig zu einem Hearing einlade.