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Grüningers Spuren im Rheintal

St.Galler und Vorarlberger Grüne fordern eine Paul-Grüninger-Rheinbrücke. In der Tat fehlen ausser einer Tafel an seinem Wohnhaus in Au und einem Weg in Hohenems Rheintaler Ehrenplätze für den Polizeichef, der Tausende Flüchtlinge rettete.
Marcel Elsener
Das Grab von Paul Grüninger und seiner Gattin Alice auf dem Friedhof seiner langjährigen Wohngemeinde Au. (Bild: Ralph Ribi)

Das Grab von Paul Grüninger und seiner Gattin Alice auf dem Friedhof seiner langjährigen Wohngemeinde Au. (Bild: Ralph Ribi)

«Das Leben wird nach den Taten gezählt, nicht nach den Tagen.» Die Inschrift am Friedhof in Au ist wie geschaffen für einen berühmten Einwohner der Gemeinde, der hier begraben liegt: Paul Grüninger (1891–1972), der St. Galler Polizeihauptmann, der in den Kriegsjahren 1938/39 mit Menschlichkeit gegen das Bundesgesetz handelte und damit Tausende Flüchtlinge vor der Nazi-Diktatur rettete. In Au hatte der einstige Junglehrer seine Frau Alice Federer kennengelernt, und dorthin kehrte er zurück, nachdem er als Polizeichef mit Schimpf und Schande entlassen und verurteilt worden war.

Das Grab und eine Tafel in Au

Das Grab Grüningers und seiner Gattin liegt an der Rückwand des Friedhofs, linkerhand in der höchstgelegenen Reihe; es wurde 2008 vom St. Galler Künstler Norbert Möslang mit einer eindrücklichen Grabplatte gestaltet. Ein denkbar schöner Ort mit Blick auf Apfelbäume und eine Schafweide.

Unweit davon, an einem bescheidenen Haus neben dem just 1939 im Heimatstil erbauten Gemeindehaus, erinnert eine Schrifttafel an die Jahre (1955–72), in denen Grüninger in Au wohnte. Dank der mütterlichen Verwandtschaft fand das einkunftslose St. Galler Ehepaar eine günstige Drei-Zimmer-Wohnung. Sinnigerweise sind dort heute die Sozialen Dienste sowie das Steuer- und das Bestattungsamt untergebracht; das «Masseneinwanderungs»-Plakat an der Scheune gegenüber wirkt mit seiner grobschlächtigen Grafik wie ein historischer Affront.

«Herausragender Rheintaler»

Die Inschriften in Au (sowie ein Weg in Hohenems) – es ist alle Ehr' für Grüninger im Rheintal. Wenig, zu wenig für einen «herausragenden Rheintaler», der als Vorbild für mutiges Engagement dienen sollte, meint Meinrad Gschwend. Der grüne Kantonsrat aus Altstätten schlägt mit seinen Vorarlberger Parteikollegen vor, dass die Regierungen beidseits des Rheins die namenlose Brücke auf der Hohenemserstrasse, am zentralen Ort des damaligen Fluchtgeschehens, nach Grüninger benennen (Ausgabe vom 4. Juli). Er habe nur positive Reaktionen erhalten, sagt Gschwend und zitiert aus der handgeschriebenen Gratulation eines älteren Fürstenländers: «Dieser Entscheid wäre schon vor 60 Jahren angebracht gewesen. So hätte der mutige Polizeikommandant zu Lebzeiten diese schöne Genugtuung erfahren.» Und im Wissen um die umstrittene Rehabilitierung fügt der Schreiber an: «Jedem Gegner dieses Vorhabens wünsche ich, dass er die Zeit 1938–45 von der Österreicherseite her erleben müsste!»

Ebenfalls viel Zuspruch erhielt nach eigenen Angaben der Vorarlberger Landtagsabgeordnete Bernd Bösch. Einen einzigen negativen Kommentar gibt's indes auf «Vorarlberg online» zu lesen: Es müsse «einmal Schluss sein mit der Glorifizierung», heisst es da. «Er wurde rehabilitiert und die Linken und Grünen sollten aufhören, immer aus der Vergangenheit Profit zu schlagen. Man muss nicht jede Brücke und jedes Tor nach diesem Mann benennen.»

Brücke, Baum oder Strasse

Die Brücken-Idee wird die jahrelangen ideologischen Grabenkämpfe kaum mehr aufflammen lassen. «Aber viele tun sich im Rheintal immer noch schwer», sagt Gschwend, «als ob man sich mit dieser Figur die Finger dreckig machen würde». Als die Grünen vor zwei Jahren Rheintaler Gemeinden anschrieben, ob sie sich eine Grüninger-Strasse vorstellen könnten, erhielten sie lediglich von Au und Marbach eine positive Antwort. «Als Wohngemeinde ziehen wir Grüningers Namen für eine neue Strasse in Betracht», bestätigt der Auer Gemeindepräsident Walter Grob; «wenn schon, darf es aber nicht nur ein Stichweg sein.» Ähnlich reagiert das kleine Marbach: Im seltenen Fall einer neuen Strasse werde man auf den Antrag zurückkommen, schrieb Gemeindepräsident René Zünd 2009: «Ich teile Ihre Meinung vollumfänglich, dass Paul Grüninger eine der ganz grossen Rheintaler Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts war. Gerade weil es so lange dauerte, bis er endlich rehabilitiert wurde, verdient er gewiss die ihm gebührende Ehre.»

Dabei hatte Grüninger mit Marbach nichts zu tun, im Gegensatz zu Balgach (wo er zeitweise im Heim Wyden arbeitete) oder zu seinem Bürgerort Berneck. «Kein Thema», sagt der dortige Gemeindepräsident Jakob Schegg, «er hat nie in Berneck gewohnt und nichts für das Dorf getan». Bereits über die Ehrenbrücke diskutiert hat der Gemeinderat Diepoldsau – und ist skeptisch. «Es sind nicht alle erfreut, weil es noch andere Flüchtlingsretter gibt», meint Gemeindepräsident Roland Wälter. Diepoldsau benenne «grundsätzlich keine Strassen nach Personen, weder toten noch lebenden». Das wolle man dem Kanton mitteilen, dem Brücke und Strasse gehören. «Vielleicht gibt's auch die Möglichkeit, einen Baum zu pflanzen mit einer Gedenktafel.»

Beim kantonalen Baudepartement wurde die einfache Anfrage Gschwends laut Regierungsrat Willi Haag noch nicht behandelt: «Wir müssen zuerst schauen, was es bedeutet. Und überlegen, ob wir überhaupt Brücken benamsen wollen.» Auf eine Einschätzung der «sensiblen» Sache wollte sich Haag nicht weiter einlassen.

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