Gründervater und Mister Liberec

Die Kooperation St. Gallen-Liberec ist in den Anfangsjahren mit einem Namen verbunden: Hans Hiller. Als Lehrer an der Kanti am Burggraben in St. Gallen initiierte er die anfangs private Partnerschaft.

Regula Weik
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«Ich blicke zurück in den November 1989: Ich freue mich über die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei und gebe meiner Freude mit einer einmaligen Aktion Ausdruck.» So erinnerte Hans Hiller an die Anfangszeit, als er 2002 nach zwölf Jahren das Präsidium der Kooperation St. Gallen-Liberec in neue Hände übergab.

Hiller ist der Gründervater der anfangs privaten Partnerschaft. Er selber bezeichnet sich als «ehrenamtlichen Hauptakteur»; er plante, koordinierte, packte an und ein, holte Tschechen nach St. Gallen, begleitete St. Galler nach Liberec, organisierte Unterkünfte und Konzerte – unermüdlich und jahrelang. Es war eben nicht bei der einen Aktion geblieben.

Bedürfnisse erfragt

Der Eiserne Vorhang war gefallen. Hiller, Hauptlehrer für Geschichte, Deutsch und Latein an der Kanti St. Gallen, wusste sehr wohl: Den Leuten «dahinter» mangelte es an vielem. Und so fragte er seinen Lehrerkollegen Jan Tichy, einen gebürtigen Tschechen: «Was braucht ihr am nötigsten?» Die Antwort: «Infrastruktur für die Meinungsverbreitung.» Beim Spaziergang über den Klosterplatz kam Hiller an der kantonalen Materialzentrale vorbei – und da standen Kopierapparate im Gang, ausrangierte. Rasch war die Idee des Pausenverkaufs geboren, um die Revision der Geräte finanzieren zu können. In der Sportwoche wurden diese Schablonendrucker nach Liberec gefahren.

Sein Ansatz sei stets gewesen: praktisch Know-how vermitteln. Er habe nie im Büro «einen Hilfsplan» entwickelt, sondern stets die Leute vor Ort nach ihren Bedürfnissen gefragt. Seit 1992 ist Hiller Ehrenbürger von Liberec – er schmunzelt: Heute habe er «eine Sammlung von Ehrenmedaillen» zu Hause.

32 000 Manntage

Der private Verein hat 2000 Tschechen ein Praktikum im Kanton St. Gallen vermittelt – «32 000 Manntage insgesamt». Hinzu kommen 7000 Schüler. Mit welchem Gefühl schaut Hiller heute auf die Zeit des Vereins zurück? «Mit der Genugtuung, dass mit einer idealistischen Zielsetzung viel erreicht werden kann. Und dies nachhaltig.»