Innovation
Die Ostschweiz will dabei sein, wenn das Projekt von «Cargo sous terrain» zum Fliegen kommt

Ein unterirdisches Röhrensystem für den Transport von Gütern? «Die Idee ist zu visionär, als dass nicht auch die Ostschweiz Interesse hätte», sagt Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr im Kanton St.Gallen. Der grösste Ostschweizer Kanton prüft daher einen möglichen Anschluss an das Tunnelsystem. Dazu wird eine Studie realisiert – mit im Boot ist auch der Kanton Thurgau. Die Resultate sollen im Frühling 2022 vorliegen.

Christoph Zweili
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Visualisierung der Fahrzeuge von Cargo Sous Terrain

Visualisierung der Fahrzeuge von Cargo Sous Terrain

Bild: CST

Die Vision eines unterirdischen Röhren-Logistiksystems in der Schweiz konkretisiert sich. Eine erste Teilstrecke im Raum Mittelland–Zürich soll bereits im Jahr 2031 in Betrieb gehen. Der Kanton St.Gallen ist stark an einem möglichst raschen Anschluss an das zukunftsweisende System interessiert und untersucht darum die Möglichkeit einer Netzerweiterung Richtung Ostschweiz, heisst es in einer Mitteilung des Kantons St.Gallen.

Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr, Kanton St.Gallen.

Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr, Kanton St.Gallen.

Bild: PD
«Eine der zu prüfenden Fragen ist: Führt die Linie von Zürich in Richtung Ostschweiz direkt von Winterthur nach Wil oder über Frauenfeld?»

Daher sei in der Arbeitsgruppe auch der Kanton Thurgau mit dabei. Ist die Cargo sous terrain AG interessiert an der Erschliessung in der Ostschweiz? «Das Projekt eines unterirdischen Röhrensystems vom Genferseee bis an den Bodensee mit gewissen Ablegern ist noch weit weg», sagt Ruggli.

«Wir sprechen von einem Zeithorizont von 2045.»

Die Ostschweizer Kantone wollen «in der zweiten Etappe» dabei sein. «Allerdings gibt es auch noch andere, die Interesse zeigen – etwa Basel oder Genf-Lausanne», sagt Ruggli. Wenn das Projekt je Fahrt aufnehme - «das ist vor allem auch eine Frage der Finanzierbarkeit».

«Es sind grosse Summen, die da von privater Hand aufgewendet werden müssen. Der Bund will nichts bezahlen und ich nehme auch nicht an, dass sich da die Kantone massiv einbringen werden.»

Wenn das aber zustandekomme, wolle die Ostschweiz dabei sein. Auch wenn man das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch prüfen müsse:

«Es ist eine innovative Geschichte.»

Güter rund um die Uhr unterirdisch in Tunnels transportieren

Das Logistiksystem Cargo sous terrain sieht vor, dass Güter rund um die Uhr unterirdisch in Tunnels transportiert werden. Die Tunnels verbinden dabei Produktions- und Logistikstandorte mit städtischen Zentren. Über oberirdische Hubs am Stadtrand wird die Feinverteilung der Güter sichergestellt. Die Eröffnung der ersten Teilstrecke ist 2031 geplant: Sie verbindet Härkingen mit Zürich und ist rund 70 Kilometer lang. Anschliessend wird das Netz sukzessive erweitert. Bis 2045 soll es sich vom Boden- bis zum Genfersee erstrecken. Das Projekt reduziert die Verkehrsbelastung auf der Strasse und die damit verbundenen Schadstoff- und Treibhausgasemissionen. Es wird mit privaten Mitteln realisiert.

Bereits seit einigen Jahren steht in der Schweiz die Idee einer unterirdischen Lösung für den Transport von Gütern im Raum. In den vergangenen Jahren konnten bei der Realisierung der Vision wesentliche Fortschritte erzielt werden. Die Cargo sous terrain AG formierte sich als Trägerin und begann mit der Konkretisierung des Projekts. So entstand das Bundesgesetz über den unterirdischen Gütertransport, das den Bau und den Betrieb regelt. Der Ständerat hat dem Gesetzesentwurf als Erstrat in der Sommersession zugestimmt. Es ist absehbar, dass das Gesetz bis Ende Jahr auch durch den Nationalrat verabschiedet werden kann. Weiter konnte ein breit abgestütztes Unterstützungskomitee gebildet werden.

Studie untersucht Korridor Zürich–St.Gallen–Rheintal

Der Kanton St.Gallen beabsichtigt, die notwendigen Plangrundlagen für einen möglichen Anschluss zu schaffen, heisst es in der Mitteilung. Er erarbeitet dazu in Zusammenarbeit mit Cargo sous terrain AG eine Studie zur Netzerweiterung Richtung Ostschweiz. Mit der Unterstützung von Fachleuten werden darin eine mögliche Streckenführung, potenzielle Hub-Standorte, Synergiepotenziale mit Entwicklungsprojekten sowie die Machbarkeit geprüft.

Der Korridor Zürich–St.Gallen–Rheintal bildet den Untersuchungsraum. Die Potenziale in benachbarten Kantonen und im grenzübergreifenden Verkehr werden mitbetrachtet, heisst es weiter. Die Arbeiten sollen bis Frühling 2022 abgeschlossen werden.